Heidemarie Susanna Kießlich

Mitglied im Lyrika-Team, ehem. Röntgenassistentin, Heilpraktikerin, schamanisch Praktizierende.

Ausgabe Oktober 2016

Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche

Die ersten Morgennebel ziehen auf und zeichnen weiche Konturen an den Horizont. Verbinden wie ein flaumiges Tuch Bäume und Sträucher zu einer Gemeinschaft, die schon den Herbst spürt.

Goldgelbe und rote Äpfel tupfen Farbe auf die Wiese. Das Spinnennetz ist morgens bedeckt vom Nebeltau und schimmert in der aufgehenden Sonne wie edle Diamanten.

Der müde Sommer überreicht das Jahr an den Herbst.

Meine Freunde, die Bäume tragen ihre  bunten Gewänder. Nach und nach werden sie ihre Farbenpracht dem Wind überlassen und bald schon können wir die Äste glitzernd vom Raureif bewundern.

Die eingebrachte Ernte ist dankend angenommen und wohl verwahrt. Haben wir gut vorgesorgt für die kühle Zeit, die Ruhe und Einkehr mit sich bringt? Den Plänen und Zielen in unseren Herzen können wir in diesen letzten warmen Sonnentagen nochmal Schwung geben und sie zur Entfaltung bringen.

Die Luft ist erfüllt von würzigem Duft, auf der Räucherkohle entfalten sich die Kräuterkräfte und berühren unsere Sinne.

Mit meiner Trommel grüße ich Mutter Erde in Dankbarkeit, Liebe und Achtsamkeit.

 

Mein Lächeln kommt zurück

Tief drin in meinem Herzen hatte es lange ausgeharrt, war fast verhungert, wurde traurig, fühlte sich einsam, mein geliebtes, wärmendes Lächeln.

Auch in schweren Zeiten hatte es immer ein Fünkchen Hoffnung verbreitet. Hoffnung, die sich anfühlte wie ein zart-flauschiger Moosteppich mitten in einer Waldlichtung, umgeben von grünen Bäumen, durch deren Blätter  ein verspielter Wind tanzte.

Doch dann hatten schwere Nebel den heimeligen Platz eingehüllt, tosende Stürme wühlten die Erde auf, rissen die Blätter von den Bäumen und legten klammen Frost auf mein Lächeln.

Sein Widerstand erlahmte und mein Lächeln lag im Sterben.

Ein liebevoller, fürsorglicher Sonnenstrahl hat es gerettet. Er kitzelte das mutlos gewordene Lächeln aus seinem Versteck und belebte es mit seiner Wärme.

Und so konnte es wieder erblühen, erfüllt mein Herz mit Zuversicht und zeigt sich in  meinem Gesicht als freudiges Schmunzeln, mein sanftes, befreites Lächeln.

 

Seelenblau

Meine Seele lebt ein Blau. Klar und ruhig. Mit dem Rücken zu einem hitzigen, ungeduldigen Rot. Zarte Tupfer von Gelb, ein feines grünes Winken. Mehr nicht. Mehr geht nicht.          Kühl und unbeweglich ist dieses Blau, seelenfüllend…

Mein Seelensee ist eine spiegelglatte Fläche. Ein müdes Lächeln schaut mich an, erschöpft und traurig.

Mich fröstelt. Was ist, wenn mein Seelensee eine Eisschicht bekommt, zu friert, erstarrt?

Doch da fällt mir das flammende, feurige Rot wieder ein und ich weiß, es wird nichts passieren, es ist gut.

Für diesen Augenblick, der zählt, ist es gut.

Ausgabe August 2016

Erde in mir

Boden unter meinen Füssen, Halt und Führung. Hole mich bitte zurück, wenn ich abhebe und mich verliere in den Wolken.

Liebevolle Mutter, die mich trägt und nährt, die nicht zurückweicht, wenn meine Schritte schwer werden, die mir hilft, Haltung und Balance zu bewahren, wenn das Leben mich beutelt. Sicherheit, Stabilität und Fülle darf ich empfinden.

Berge und Täler beleben das Angesicht der Erde, spiegeln sich wider im Auf und Ab in mir selbst.

Fruchtbare Gebiete mit reifenden Früchten und dürres, karges Dasein wechseln sich ab. Pralles Leben neben mühevollem Überleben. Überraschendes Wachstum unter minimalen Bedingungen, sowie Üppigkeit und Reichtum, verschwenderisch ausgebreitet.

So voller Kraft und Mut und doch empfindsam und sanft, alle Gefühle finden hier ihren Raum.

Geliebte Mutter Erde, in dankbarer Freude begleitet meine Trommel deinen Pulsschlag.

 

Luft in mir

Kraftvoller Atem, lebensspendend erfüllst du meinen Körper und alle Zellen mit Sauerstoff, sendest meinem Geist Nahrung, bringst Klarheit.

Schenkst mir sanfte Frühlingswinde, aber auch eisige Stürme. Zerzaust mit Macht die Kronen der Bäume und schüttelst von ihnen ab, was fallen soll. Fährst wirbelnd durch meine Gedanken, bis sie sich neu sortieren. Legst nordische Kühle über meine erhitzten Emotionen und nebelfeinen Schutz auf fiebrige Wunden.

Wenn Starre mich erfassen will, rüttelst du mich aufbrausend wieder zurecht. Zärtlich streichst du über mein glühendes Herz.

Fährst lachend durch mein Lebenspuzzle und ich beginne von vorne, schaffe so eine neue Ordnung.

Luft, du unberechenbarer Himmelsgeist, befreie meine Seele von festgefahrenen Schlacken.

Ich danke dir.

 

Feuer in mir

Feuer kann wärmend sein, wohltuend, belebend, Geborgenheit schenkend.

Feuer kann Hitze sein, zerstörende Glut.

Schlängelt sich machtvoll zwischen erkaltete Gefühle, taut sie auf, schafft so neues Erleben.

Feuer kann zu Asche werden, neutralisiert,  was verbraucht ist, was nicht mehr sein soll.

Das Feuer in mir, meine Lebensflamme, bitte ich nun. Brenne für mich, für meine Ziele, für mein Ich. Zerstöre  sanft, aber nachhaltig alte Schmerzen, versenge alte Muster, schenke die Asche der transformierten Vergangenheit Mutter Erde zur Verarbeitung.

Schicke das kraftvolle Flammenschwert zur Durchtrennung überholter Ketten. Sende so Vergebung und Versöhnung mit mir selbst und anderen.

Forme das Flämmchen des Neubeginns, gib ihm Gestalt in der Morgenröte, schmelze mit deiner Wärme die Nebel der Wehmut, der verletzten und verwundeten Orte der Seele.

Und wenn meine Tränen dich löschen wollen, verwandle sie liebevoll zu einem Regenbogen, der sich versöhnlich und heilend über mein Leben spannt.

 

Wasser in mir

Lebensfluss, Quell der Lebendigkeit – sanft und gleichmäßig plätschert es manchmal dahin oder übermütig und munter wie ein klarer Bergbach. Belebt und nährt die Gefühlswelt, hütet beschützend  die Tränen, spiegelt Emotionen im Seelensee.                           Wird bisweilen zum reißenden Strom, tritt über die Ufer, schickt Brandungen und hoch aufgetürmte Wellen, tosend und manchmal zerstörend.

Wird schlammig und zäh durch trübe Empfindungen, wird undurchlässig und schwach.

Umspült liebevoll alte Schmerzen, schenkt den ausgetrockneten Gefühlen belebendes Nass. Summt die verloren gegangene Seelenmelodie ins Herz zurück.

Ein gewaltiges Potenzial, bewundernswerte Kraft.

Wasser in mir, schick mir bitte wohlwollende Gewässer für mein Lebensschiff und bring Lebendigkeit in mein Dasein, wenn meine Gefühlswege von Dürre bedroht sind.

Öffne meinen Blick für die Anmut der Schöpfung, lehre mich den Umgang mit der Kraft des Wassers.

Danke.

 

Ausgabe Mai 2016

Geschmeidig

Der Körper nicht mehr ganz jung, jedoch noch genügend beweglich, mit gewissen Einschränkungen, wenn man genau hinsieht, besonders am Morgen, der sowieso eher undynamisch verläuft. Aber dann, nach sanfter Einschwingung in den Tag, ist die Kraft und Energie da, das Leben zu tanzen, das innere Freudenfeuer zu entfachen, nach den täglichen, kleinen Glücksmomenten Ausschau zu halten.
Ich habe gelernt, die zum Teil ausgedörrten, zum Teil mit Tränen ausgewaschenen Lebenswege als das Auf und Ab des Daseins zu erkennen. Nach anfänglichem Aufbegehren dieser Achterbahnen reifte langsam eine Erkenntnis in mir. Sich mit ausgebreiteten Armen gegen den Lebenswind zu stemmen, bringt mich eher aus der Bahn, als sich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen. Nicht einfach treiben lassen, wach bleiben, Klippen klug umschiffen, das ja. Aber akzeptieren, was sich meinem Einfluss entzieht.
So wurde ich innerlich geschmeidig, biegsam wie ein Bambus, konnte mich nach Stürmen in meiner Seele wieder aufrichten. Lernte manchen Gefahren auszuweichen. Und lernte mich dabei selbst immer besser kennen, sah meine Möglichkeiten und Grenzen, erkannte aber auch, dass ich öfters zu weit mehr fähig war, als ich dachte.
Wie bei einem Baum, der in seinen Jahresringen die Erfahrungen aufzeigt, sind auch meine Erkenntnisse vor allem in meinem inneren Seelenkern zu finden. Beschützt und geborgen, nicht so ohne weiteres zugänglich, bewahrt meine Seele die Lektionen meines Lebens.
Wie in der Rinde des Baumes ziehen sich Risse und Narben durch mein Leben, doch ebenso wie ein Baum nach kargem Winter immer wieder austreibt, sich seine Nahrung sucht und wieder im Leben erblüht, bin ich gewillt, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen, daran zu wachsen und mich dem beschwingten Lebenstanz hinzugeben.
Lächelnd strecke ich der Lebenslust eine Hand entgegen, während die andere Hand noch schnell die Tränen des letzten Kampfes mit mir selbst aus dem Augenwinkel wischt.

 

Liebe aus zweiter Hand

Zu spät! Für die junge, einzigartige Liebe zu spät gekommen.
Liebe mit Gebrauchsspuren.
Bedeutet das, Frau ist nicht gut genug für den 1. Platz? Nein, nicht unbedingt, manchmal passt einfach das Zeitfenster nicht, um zwei Menschen auf der Bühne der frühen Liebe zu vereinen.
Viele Gefühle hat Mann schon liebevoll verschenkt vor Deiner Zeit und manche Emotionen sind nicht auffüllbar. Das Leben ist nun mal kein Supermarktregal.
Der Rest an Liebesfähigkeit verbleibt für die später Gekommene. Manchmal jedoch kommen der späten Liebe unschätzbare Erfahrungen zu gute. Mann hat aus Fehlern gelernt, Frau ja auch! Beide wissen um die Kostbarkeit der Liebe, kennen den Schmerz der Enttäuschung. Die Narben im Herzen und in der Seele sind gute Wegweiser.
Wenn dann zwei lebenserprobte, durchaus auch kantige Persönlichkeiten auf einander treffen, wenn es dann funkt, wird die Liebe neu kreiert! Neue Maßstäbe werden geschaffen. Die Lebenserfahrung öffnet Wege, die der Jugend oft noch gar nicht zugänglich sind.
Liebe bedeutet Leidenschaft und Schmetterlinge im Bauch, aber nicht nur! Sie bedeutet den Blick in die gleiche Richtung. Sie bedeutet, zwei Leben mit Wünschen und Zielen auf den Weg zu bringen, auf dem beide Gefährten sich wohl fühlen.
Liebe schleicht sich nachts zwischen deine Alpträume und hilft dir, bei dir zu bleiben.
Der, den Du liebst, mit der Kraft Deiner in die Jahre gekommenen Emotionen, er ist Dein Herzenskönig und sein weißes Haar mischt sich in das Deine auf dem Ruhekissen und seine Hand streicht über Deinen Rücken, liebevoll, fürsorglich und wohltuend.
Und so kann der Platz der späten Geliebten ein wahrer Thron sein, denn er bedeutet Hand in Hand anzukommen auf einer Wohlfühlinsel, einer lebensspendenden Oase inmitten einem Ozean von Turbulenzen.
Die späte Liebe, in Dankbarkeit gelebt, ist eine Hängematte für die Seele.
Der Schöpfung sei Dank für dieses Erlebnis, diese Erfahrung trotz, oder gerade wegen den Narben in Seele und Herz.

Ausgabe März 2016

Verloren

Klar, kompromisslos und scharf

trennt des Verstandes Klinge.

Kümmert sich nicht um Gefühle,

die hinterher hinken.

Lässt Wehmut zurück,

zerreißt Schleier,

die watteweiche Gedanken barmherzig umhüllten.

Öffnet der eiskalten Wahrheit Tür und Tor.

 

Noch stemmt sich die Enttäuschung,

wild aufbegehrend gegen den kalten Sturm.

Hinter ihr kauert, fröstelnd und zitternd, die Traurigkeit.

Die Selbstachtung,

fast erstarrt in der klammen Kälte, reicht ihr die Hand.

 

Aus der Ferne, noch kaum erkennbar,

schreitet die Zeit heran,

die sich all der Verlierer dieses Kampfes liebevoll annehmen wird.

 

 

Leben

Träume stolpern durch die Nacht,

innere Bilder flackern auf im Nebel.

Erinnerungen tauchen auf,

überdecken schmerzhaft das Jetzt,

gaukeln Frieden vor.

Sehnsuchtsvolle Gedanken

zerschmettern an der Mauer der Realität.

Bruchstücke davon überleben.

Genug, um einen Blick auf die Zukunft zu erhaschen,

deren zarte Farben, am Horizont sichtbar werdend,

sich unermüdlich durch das Grau arbeiten.

Sie ebnen den Weg zu einem ruhig schwingenden Lebenspendel,

welches zwar nicht mehr die volle Kraft

der überschäumenden Jugend erreicht,

dafür aber bewusst genießend seine Bahn zurücklegt

und sich einschwingt in ein dankbares Lächeln,

bereit für eine Handvoll Glück

erlebt jenseits der Norm,

gehütet im Herzen,

geborgen in der Nische jener Emotionen,

die die Schallmauer der Seele durchbrechen

ohne Reue, ohne Narben.

 

 

Tropfen

Schöne Erlebnisse fallen wie heilsame Tropfen

auf den Grund der Seele.

Sie vermischen sich mit den Tränen des Vergangenen,

formen sich zu weiten Kreisen,

ziehen ruhig und stark ihre Bahnen.

Folgen ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit,

nehmen alte Schmerzen liebevoll auf,

winken den verstaubten Ängsten nach.

Sie reflektieren das warme Sonnenlicht,

verdrängen sogar die Nebelschleier

und öffnen so neue Herzensräume.

Kraftvoll schaffen sie Platz für Gefühle,

die geduldig am Ufer der Seele warten,

bereit, gelebt zu werden,

wenn wir die Selbstzweifel über Bord werfen,

und den Mut haben, an das Glück zu glauben,

das als Morgenröte am Horizont auftaucht.

Ausgabe Dezember 2015

Aufgeräumtes Herz

Bohrendes Ziehen im Herzen,

alte, nagende Schmerzen.

Bist nicht Fisch nicht Fleisch, denkst ständig nach,

kreist von einem zum nächsten Ungemach.

Kannst nicht einordnen, was irgendwann mal war,

immer wieder stellen sich Fragen dar.

 

Du suchst dir eine schöne Herzenskammer

und legst hinein all den Kummer und Jammer.

Du schließt sanft die Türe, Sehnsucht schwingt mit,

sie begleitet dich noch lange auf Schritt und Tritt.

Du denkst an Zeiten voll Übermut

voll Herzenswärme und innerer Glut.

 

Einst gab es luftige, leichte Träume

und dafür zarte Herzensräume.

Nun stolpert dein Herz ab und an,

erinnert an die Gefühle, die irgendwann

das ganze Herz erfüllten mit Licht,

dort wo nun oft Nebel trübt die Sicht.

 

Und dann schiebst du aus dem samtenen Raum

behutsam hinaus jenen alten Traum.

Nun kommt dein Verstand und spricht kluge Worte,

verschließt vor deinen Augen die Herzenspforte.

Kaum hat er dir den Rücken zugewandt,

gewinnen die Emotionen die Oberhand.

 

Nicht mehr an das Glück zu glauben

kann sehr viele gute Gefühle rauben.

Drum schließ Frieden mit all deinen Herzensanteilen,

lass sie ruhig in deinem Gedankenfeld weilen.

Sie gehören zu dir, bilden einen Teil von dir,

behalte einen Spalt offen zu deiner Herzenstür.

 

Vielleicht kommt über diesen feinen Pfad

neues Glück, das so einen Weg zu dir hat.

Ist das Herz erst verhärtet, wird der Zugang schwer

Du empfindest dann kaum eine Freude mehr.

So sei liebevoll und nachsichtig mit deinem Herzen,

verzeih ihm die Stiche und zeitweiligen Schmerzen.

Ausgabe Oktober 2015

Atmen

Nicht nur den lebensnotwendigen Sauerstoff gedankenlos einsaugen, sondern tief das Leben inhalieren, in aller Liebe zu mir den mir geschenkten Kosmos aufnehmen.

In Dankbarkeit die Lebenskraft annehmen, fürsorglich jede Zelle damit bereichern, die schöpferische Kraft liebevoll verteilen, jedem Atom die Nahrung zukommen lassen.

Und dann ausatmen dürfen, alles Verbrauchte abgeben können, Belastendes loslassen. Bereinigen, neutralisieren, in Liebe zurückgeben an die allumfassende, universelle Kraft im Vertrauen um Klärung.

Danke Schöpfung

Danke Leben.

 

In der hohlen Hand

Du bereitest meiner Seele ein schützendes Nest. Sie fühlt sich bei Dir wie ein Vogel, der in der hohlen  Hand Wärme, Schutz und Geborgenheit findet. Der Blick nach oben ist frei und eine Ausflugsrunde jederzeit möglich.

In schlimmen Zeiten aber bildet Deine zweite Hand ein Dach und die Welt bleib draußen, bis sich Stürme legen, Gewitterwolken verziehen und das Zittern nachlässt.

So, wie ich mich durch Deine  Fürsorge aufgehoben fühle,  kannst Du Dich ebenso umsorgt fühlen, wenn Deine Welt Risse bekommt. Dann tauschen wir die Rollen und ich biete Dir ein Schutzschild, damit Du in Ruhe Deine Gefühle ordnen kannst.

Lass mich dabei sein, wenn das Morgenrot Deine Seele streichelt, sowie ich Dich einlade, bei mir zu sein, wenn nach schwierigen Zeiten mein Lächeln sich wieder dem Leben zuwendet.

 

Scheues  Mädchen, toughe Frau

Überlegen lächelnd,  dem Leben die Stirn bietend,  stolz und unerbittlich vorwärts strebend,  mit beiden Beinen im Leben stehend,  eine toughe Frau…..Dieses Bild sehen Viele.

Aber hinter den Kulissen sitzt zusammengekauert das kleine Mädchen…verletzt, mutlos, ängstlich, eingeschüchtert.

Stille Winkel in der Seele erzählen in ehrlichen  Worten die Wahrheit, aber so leise, dass nur ein feiner Hall nach außen dringt – zu leise für die laute, fordernde Welt. Verschluckt vom Lachen, mit dem ich in kräftigen Farben die Unsicherheiten überdecke.

Und wenn schon!  Wen kümmert´s ?  Wer schaut denn hinter die Kulissen? Nur der, dem dieser Blick wichtig ist, oder der, dem ich diesen Blick gestatte, in mein Herz, in meine Seele zu schauen.

Nur der, von dem ich weiß, er geht sorgsam um mit diesem Wissen.  Der  mir auch dann die Hand reicht, wenn ich diese nur kraftlos umschließe, mit der unausgesprochenen  Bitte um  Verständnis.

Der nicht auf mich herabschaut, sondern mir auf Augenhöhe begegnet, von Mensch zu Mensch.  Der neben mir ausharrt in Zeiten seelischer Dürre, der mit mir wartet auf den Regenbogen und der den Augenblick nicht verpasst, wo die Seele entspannt die eigene Mitte wieder findet.

In der tiefsten Tiefe meiner  Seele ruht mein innerster Kern, unbeschadet, unberührt von all den Lebensstürmen und Irrwegen. An diesem Platz sind menschliche Begegnungen kostbar, elementar und segensreich.

 

Verborgen hinter Masken und Larven

Freundlich, liebevoll lächelnd, doch, doch, das kann ich auch.

Aber manchmal hab ich ganz einfach die Wut im Bauch.

Möcht´ aufstampfen mit den Füssen, will zetern und schrein´n,

kann nicht immer ein braves Mädchen sein!

Morgens setze ich meine Alltags- Maske auf. Wohlwollend lächelnd bewege ich mich durch den Acht-Stunden-Arbeitstag. Ärger prallt daran ab, rieselt zerstückelt zu Boden, denn diese Maske ist aus Eisen.

Eine weitere Maske aus etwas leichterem Material trage ich Menschen gegenüber, die mich näher kennen, aber nicht wirklich in meine Seele schauen. Das fest eingemeißelte Lächeln entspannt sich, ein leichtes Stirnrunzeln wird sichtbar, begleitet von einem schelmischen Grinsen.  Langsam tritt die Ehrlichkeit ans Licht und ich werde zu dem Menschen, der ich wirklich bin.

An manchen Tagen bringe ich die Masken durcheinander und trage sie zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber eigentlich ist das nicht weiter schlimm, denn stets schützen sie mein wahres Ich.

Manche Menschen zerren an meiner Maske, wollen sie herunterreißen. Doch umso fester halte ich sie, trage sie vor mir.

Nur Diejenigen, denen ein langer Blick auf die Augen hinter dem Visier wichtig ist,  erkennen das wahre Gesicht. Einige wenden sich dann ab, andere sind unsicher, enttäuscht. Wenige  umarmen mich.

Und ganz selten erkennt sich Jemand wie in einem Spiegel…..welch eine kostbare, einzigartige Begegnung.

Und wenn man bedenkt, dass Larven ein Zwischenstadium sind auf dem Weg zur Metamorphose, dann, ja dann beginnt vielleicht schon bald mein gedanklicher Flug als luftiger Schmetterling oder schillernde Libelle, weil ich mich nicht mehr verstecke.

Ausgabe 7, Juli 2015

Bei mir

Gedanken wandern, sie wandern zu Dir.

Ich schließe die Augen und dann ist mir,

als wärst Du da, wärst nun bei mir.

Meine Hand streck ich aus, als ob ich Dich spür

und komm zur Ruhe, finde mein Sein in Dir.

 

Finde Lachen und Sehnsucht,

entdecke Kraft und Trost,

auch wenn das Leben um mich herum tost.

Schick den Alltag fort, wenn ich Deine Stimme höre,

wenn ich gefühlt alle Distanzen überquere.

Spür mich leben, fühl mich wohl bei Dir –

Und dann, dann bin ich ganz bei mir.

 

Tränen

Ich weine um verlorene Ideale, die unerreicht blieben.

Ich beweine meine innere Unschuld und meinen Glauben an das Gute

in den Menschen, der Risse bekam im Laufe meines Lebens.

Um die Leichtigkeit weine ich, die entschwunden ist

in der Schlucht und Enge der Realität.

Mit Tränen in den Augen nehme ich das kleine Kind in mir an die Hand,

welches noch immer an die Güte glaubt

und zeige ihm die Wahrheit, so wie ich sie sehe.

Ich weine um die Schwäche, die ich leben durfte

in früheren Zeiten und die der Stärke weichen musste,

seit ich erkannte, dass meine Kraft gefordert ist.

Weinend begegne ich meinen Schatten, den Dämonen in mir,

bevor ich ihnen die Stirn biete

und sie in mein Dasein einlade,

wohlwissend, dass sie meinen Weg begleiten.

Tränen benetzen mein Gesicht, wenn ich an begangene Fehler denke,

die geschehen sind aus Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit,

aus Gutmütigkeit und Leichtgläubigkeit,

Fehler, die in meiner Seele Narben bilden.

 

Ich schreie meine Tränen in die Nacht.

Und wie ein Schutzschild umweht mich der Schleier der Vergebung.

 

Ausgabe Januar 2015

Aus der Dunkelheit ins Licht

Ab der Wintersonnwende werden die Tage wieder länger, die größte Dunkelheit wird durch das wiedergeborene Licht erhellt und nach und nach überwunden.

Der 21. Dezember als kürzester Tag des Jahres ist eine gute Einstimmung in die Zeit zwischen den Jahren, den Rauhnächten.

Zwischen Weihnachten, der Heiligen Nacht und Dreikönig sind die Tüten zur Unendlichkeit etwas weiter geöffnet als sonst und wir gedenken voller Liebe der Ahnen.

Als Vorbereitung auf das kommende Jahr dürfen wir außerdem in Dankbarkeit loslassen, was nicht mehr zu uns gehört, was wir nicht mitnehmen wollen in das beginnende Jahr.

In den Alpenländern gibt es den Brauch der Perchtenläufe. Junge Männer ziehen sich Felle über und mit grimmigen Masken auf den Gesichtern veranstalten sie ein wildes Treiben durch den Ort, um böse Geister zu verscheuchen. Traditionell wird so das Dunkle zwar akzeptiert aber zugleich auch in Schach gehalten.

Im übertragenen Sinne werden die Schattenbereiche als ein Teil des Lebens angenommen, ohne dass sie das Handeln und die Befindlichkeit bestimmen.

Das Wort „Rauh“ spielt an auf die pelzigen, zotteligen Verkleidungen der Perchten, aber auch auf das Räuchern mit feinen Harzen, welches besonders in diesen zwölf Tagen einen festen, rituellen Platz hat.

Unter anderem wird Weihrauch verräuchert. Er reinigt und sorgt für eine klare Atmosphäre.

Myrrhe als Duft der Mutter Erde und als Symbol für den Schoss der Erde und die weibliche Sinnlichkeit.

Und Weißtanne, ein immergrüner Baum als Symbol für das Leben in der dunklen  Zeit.

Dankbar wird die Dunkelheit verabschiedet und das Licht voller Freude begrüßt.

Ein schöner Gedanke für einen kraftvollen Start ins Neue Jahr!

 

Vorhang auf!

Großes Gefühlstheater!

Auf der Bühne nur eine alte Kommode, voll bepackt mit Gefühlen in allen Farben und Schattierungen..

Helle und dunkle, abgrundtief rabenschwarze und solche aus feinstem Linnen, schleierartig und betörend schön.

Ich soll mir ein Kostüm auswählen, meiner Rolle entsprechend.

Zielsicher öffne ich eine Schublade, denn meine Rolle kenne ich…

Aber nein, das passt ja gar nicht…aus diesem Gewand bin ich herausgewachsen im Laufe der Jahre.

Ratlos stehe ich vor all den vielen Kästen, weiß nicht, in welcher die Maske liegt, die zu mir gehört.

Bis mir klar wird, es gibt kein Kleid von der Stange für mich.

Ich muss es individuell für mich selbst anfertigen.

Nun, ich bin keine geübte Näherin, es wird eine Weile dauern, denn ich brauche auch den geeigneten Stoff dazu und feine Spitze und Bänder zur Verzierung.

Sonnenstrahlen will ich einweben und einen Regenbogen und auch dieser unendlich zerstörerische Blitz darf nicht fehlen, samt dem darauf folgenden Donnergrollen, der die Welt entzweit.

Und einen Wasserfall voll entfesselter Macht für die Emotionen, die befreit von allen Zwängen und Normen, aufschäumend und gebieterisch ihren Weg findend hinab stürzen, um dann sanft ausklingend und besänftigt dahin zu plätschern.

Mit der  Kraft der Elemente will ich meinen Gefühlsmantel säumen und eine Ziernaht aus einem Lächeln bildet den Abschluss, abwechselnd mit schallendem, durchaus auch zynischem Gelächter und dem unschuldigen Blick des weisen Narren.

Vielleicht nähe ich eine Wendejacke – die eine Seite aus einem dicken Fell, die andere samtig anschmiegsam und weich, aus zartesten Daunen.

In einer verborgenen, kleinen Seitentasche verwahre ich einen Vorrat an spitzen Stacheln, die ich bei Bedarf  einsticken kann.

Wie auch immer, es wird ein Mantel, der nur mir passt, der mich massgeschneidert umhüllt und schützt und den ich ablegen kann, wenn ich will – der mich aber in kalten Zeiten begleitet und sitzt, wie eine zweite Haut!

Ausgabe November 2014

Weihnachten ist nicht nur für Kinder

Meine Freundin aus der Kindheit und Jugendzeit war einer  der unsentimentalsten  Menschen, die ich je kannte – jedenfalls nach außen hin.

Gebeutelt vom Leben und immer wieder verletzt bis auf den Grund ihrer Seele, hatte sie sich im Laufe der Zeit einen beißenden Spott  angeeignet, der zusammen mit ihrer überdurchschnittlichen Intelligenz und ihrem außergewöhnlichen Scharfsinn seinesgleichen suchte und wie eine Waffe wirkte.

Gefühle zu zeigen….?  Das war nicht ihr Ding!

Das sprichwörtlich letzte Hemd  konnte man von ihr haben – aber bitteschön! – keine Gefühlsäußerung!

Eines Tages in der Vorweihnachtszeit rief sie mich an und meinte: „ Du, ich glaube, ich werde alt und sentimental! Ich hänge Strohsterne ans Fenster!“

Derartige weihnachtliche Aktionen hatte sie bis dahin als hoffnungslos spießig und als Gefühlsduselei abgetan. Ich konnte nur staunen ob der Wandlung, die meine Freundin da erlebte…

Nun…es sollte ihr letztes Weihnachten werden in diesem Leben – sie wurde nur 29 Jahre alt; starb an einer seltenen Erbkrankheit, die ihr das ganze Leben hindurch zu schaffen gemacht hatte.

Schwer war die erste Zeit ohne sie….sehr schwer.

Irgendwann, als Wut und Trauer nachließen, blieb eine tiefe Dankbarkeit über diese ganz selbstverständlich gelebte Freundschaft zwischen ihr und mir, die sich nicht in Worten ausdrückte, sondern auf gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung basierte.  Und immer wieder zur Weihnachtszeit erinnern mich die Strohsterne, die in den Fenstern hängen, an einen besonderen Menschen aus meiner Vergangenheit.

Was würde sie wohl heute dazu sagen…?

Ausgabe September  2014

Die Heimliche

Zu deinem „Wir“ gehör ich nicht, erscheine nicht bei Tageslicht.

Es sind die dunklen Stunden nur, mit stetem bangem Blick zur Uhr.

Ich bin das bitter-süße Gericht, worüber man nur flüsternd spricht.

Und hinter vorgehaltener Hand – die leise Lust werd ich genannt.

Ich liege manchmal schwer im Magen, bin nicht für jeden zu ertragen.

Wenn du dann gehst, bin ich allein – doch du bist erst nach mir zu zwein….

 

Liebe

Wäre die Liebe vorhersehbar, würde sie nicht aus scheinbar wolkenlosem Blau auftreffen wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Wäre die Liebe logisch, würde sie nicht Menschen zusammen führen, die eigentlich etwas völlig anderes planten.

Wäre die Liebe formbar, je nach Bedarf, könnte sie niemals in ihrer ganzen Schönheit erscheinen.

So aber kommt die Liebe mit all ihrer Kraft bisweilen zur Unzeit oder aus einer Ecke, aus der sie völlig unvermutet auftaucht, will betrachtet, erkannt und begrüßt werden als einzig wahre Macht dieses Universums.

Weil die Liebe, wenn sie sich zeigt, ein Geschenk ist, auch wenn ihre Schleppe mit Dornen besetzt ist, die alte Wunden wieder aufreißen oder neue Verletzungen schaffen können und dennoch im Herzen diese feine Flamme entfacht, die ausdauernde Wärme erzeugt in kühlen Zeiten und auflodern kann zu einer alles entfesselnden Glut und Hitze, die belebend wirkt wie der erwachende Frühling nach der klirrenden Kälte des Winters.

Ausgabe August 2014

Nachts

Ich träumte mich zu Dir heut´ Nacht,

sah Dich lächeln im Schlaf,

legte mich sacht in Deinen Arm,

wollt´ Dich nicht wecken.

 

Bin einfach in Deinen Schlaf hineingewandert

und unsere Atemzüge fanden sich

wie unsere Hände.

Über uns wachte Unendlichkeit,

sorgsam schützend bedeckte sie die Narben

in meiner Seele

und in mir wurde Frieden.

 

Menschen im inneren Spannungsfeld

Sich mögen und dennoch verletzen,

von einem Gedanken zum anderen hetzen.

Distanz aufbauen zwischen Herzen,

aus Unsicherheit albern scherzen,

 

Bitterlich weinen, die Leere spürend,

innerlich die Orientierung verlierend.

Gefühle verstecken

und Argwohn wecken.

 

Traurigkeit erleben,

im Seelensumpf kleben.

Sich lieben und trotzdem nicht trauen,

eingestürzte Brücken wieder aufzubauen.

 

Riesige Angstberge überwinden,

den Seelenfaden wieder finden.

Die entgegengestreckte Hand ergreifen,

durch Schmerz und Furchtüberwindung reifen.

Ausgabe Juli 2014

Beitrag in der Goldenen Mitte

Lebensspiralen

Menschen gehen aufeinander zu, manchmal langsam,
vorsichtig sich nähernd.
Stehen sich dann gegenüber, ganz dicht, sehr präsent.
Sich im Anderen erkennend spiegeln sie
Gedanken und Gefühle.
Schenken sich Lachen,
fangen sich auf, halten sich
in inniger Umarmung,
tauschen Tränen.
Stärken sich, geborgen im sanften Federkleid des Wohlwollens,
des Angenommen seins.
So vertraut, so selbstverständlich.
Eine Zeitlang im rhythmischen Gleichklang,
wie angehalten im reißenden Lebensfluss,
eine erholsame Pause genießend.
Bis ihre Lebensspiralen wieder auseinander schwingen.
Zuerst sanft, noch verhalten, kaum spürbar.
Doch dann lassen sich die immer größer werdenden,
auseinander strebenden Kreise nicht mehr übersehen.
Und die einst gemeinsam gehörte Lebensmelodie
wird zum Echo, das uns tröstend umweht.

© Heidemarie Susanna Kießlich, 04.06.2014

Ausgabe Mai 2014

Ein Beruf im Wandel der Zeit

Mein geistiger Brötchengeber, Wilhelm Conrad Röntgen, würde nicht schlecht staunen, könnte er Einblick bekommen in die enorme Entwicklung, die durch seine Entdeckung der nach ihm benannten Strahlen stattgefunden hat.

Ich bin eine „Alt-MTA“, also eine medizinisch-technische Assistentin, die die alte Form der Ausbildung genossen hat und somit schaue ich nun, nach etwa 40 Berufsjahren zurück auf einen steten Wandel dieses Berufsbildes. Außerdem blicke ich bereits in Richtung Rente, sodass ich auch eine Art Resümee ziehen kann. Es gibt Momente, in denen ich weiß, dass dieser Beruf genau das ist, was ich will und dann wieder frage ich mich entsetzt: Warum tue ich mir das an?

Dazwischen liegt ein weites Feld von mäßiger Zufriedenheit, Gelassenheit, Akzeptanz, Heiterkeit, Freude am Beruf, Unzufriedenheit, Auflehnung und aufgewühlten Gefühlen. All diese Emotionen können täglich, manchmal auch stündlich wechseln.

Insgesamt stelle ich rückblickend fest, dass die anfängliche Euphorie, die man nach bestandenem Examen erlebt, mit der Zeit nachlässt und einer gewissen Ruhe und Routine Platz macht, die unsere Arbeit ja auch erleichtert und es stellt sich ein tieferes Verständnis für unser Berufsbild ein.

Allerdings macht sich auch ein gewisser Sarkasmus breit – darunter fällt auch der Fachjargon, der einen anfangs mitunter entsetzt. Später stellt man dann fest, dass all dies auch aus einer Art Selbstschutz geschieht, ohne den dieser Beruf unerträglich werden kann. Wir brauchen zwar Mitgefühl für die Patienten, können aber nicht mit ihnen mitleiden, was eine gewisse Distanz notwendig macht. Wir treffen die Menschen an einem wunden Punkt, sei es körperlich oder auch psychisch, dazu gehört Einfühlungsvermögen, Taktgefühl und Achtung, aber eben von unserer Seite her auch die Fähigkeit, sich abgrenzen zu können.

Im Laufe der Zeit habe ich aber auch Schüler und Schülerinnen kennengelernt, die bereits mit diesem Sarkasmus kamen! – Ob sich da die Euphorie nach 40 Jahren einstellt? – Nun, in der Medizin ist nichts unmöglich – auch eine Erfahrung, die ich gemacht habe.

Die größte Veränderung in diesem Beruf  hat die fortschreitende Technik gebracht. Zu meiner Anfangszeit haben wir im Röntgen noch “ nass “ entwickelt! Das war zwar ein viel größerer Aufwand, als die heutige Maschinenentwicklung, hatte aber durchaus auch gewisse Vorteile – man konnte beim Entwickeln etwas mogeln, wenn man sich bei der Belichtung verschätzt hatte!

Es gab damals noch kein CT, keinen PC und keinen Linearbeschleuniger und kein Mensch konnte mir somit sagen, dass ich später stundenlang vor Computern brüten werde, die mir nicht immer wohlgesonnen sind – und ich ihnen auch nicht! Und so entstand bei mir im Laufe der Zeit eine starke Faszination hinsichtlich der Technik, aber auch tiefes Misstrauen – einer Art Hass – Liebe! Nun, im Zeitalter des digitalen Röntgenverfahrens ist der Unterschied zur früheren Tankentwicklung noch um ein Vielfaches vergrößert.

Die Abwechslung bei der Arbeit, die Kombination von Medizin und Technik und nicht zuletzt die menschliche Nähe sind das Interessante und Reizvolle an diesem Beruf.

Und Eintönigkeit kann man unserem  Beruf nun wirklich nicht vorwerfen, denn MTA bedeutet schließlich: Machs Täglich Anders !!

Selbst die Romantik kommt nicht zu kurz!

Generationen von MTAs haben sich an dem Vers erfreut:

Das Kahnbein fährt im Mondenschein…..

und wer weiß, vielleicht wurde da bereits der Keim gelegt für mein späteres Hobby, lyrische Verse und Texte zu schreiben! Sozusagen die körperliche Innenschau mittels Röntgenstrahlen auszudehnen auf den emotionalen Bereich, nämlich in die Seele zu blicken.

Ja, wer weiß…?

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s