Heike Braun

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selbstverlegende Autorin und Lyrika Team-Mitglied seit 2015

 

Ausgabe Oktober 2016

Bist aus der Bahn geworfen,

die Quelle versiegt,
der Fluss des Lebens übergelaufen.
Tosende Wellen
drohen dich zu überrollen und mitzureißen;
verlierst den Boden unter den Füßen.

Ruhe aus, mein Krieger,
ruhe aus.

Kletter ans Ufer
und lass dich fallen in den weichen Schoß meiner Weiblichkeit.
Will dich halten, ganz sanft.
Will dich erden,
Trost sein und Schutz.

Atme, mein Krieger, atme.

Lass dich ein auf den Gleichklang unserer Herzen,
fühle, was du nicht zu sagen wagst.
Fühle mit geschlossenen Augen.

Spüre, mein Krieger, spüre.

Spüre die Kraft,
die ausgeht von mir.
Sie reicht für uns beide,
eine kleine Ewigkeit lang.

Ich lass dich ziehen,
wenn deine Zeit gekommen ist.
Ich lass dich gehen, wenn du unruhig wirst –
getragen von der Energie deines Flusses,
der nun einer neuen Quelle bedarf.

Heute jedoch darfst du ruh’n.
Deinen Kopf in meine Hände gelegt atmest du mit geschlossenen Augen
und spürst, was du nicht zu sagen wagst.

————————————————————————————————————————————–

 

Manchmal ist sie müde,
so unendlich müde,
immer wieder zuzuhören.
Da zu sein.
Nah zu sein.
Unabdingbar.
Empathisch.
Liebevoll.

Müde,
der Strohhalm zu sein,
Anker und Rettungsring.
Immer und immer wieder.
Die zu sein,
an die du dich klammerst
in deiner Angst und Hilflosigkeit.
Dir selbst gegenüber.

Manchmal
möchte sie dich schütteln.
Dir zurufen, du mögest doch endlich verstehen.
Annehmen.
Lösen.
Loslassen.
Lieben.
Vor allem dich selbst.

Und dann erinnert sie sich.
An sich.
Ihre Ängste und  Hilflosigkeit.
Sich selbst gegenüber.
Und an ihre Dankbarkeit –
für jeden Strohhalm,
jeden Anker, jeden Rettungsring.

Sie nimmt dich in den Arm
und flüstert zum hundertsten, nein, zum tausendsten Mal:
„Ich bin da für dich.
Halt dich an mir fest – ich bin da.“

Ausgabe August 2016

Und dann fühlst dich frei und doch so verlassen, bist neben der Spur und doch ganz bei dir. Du suchst die Gesellschaft und willst allein sein, sehnst dich Liebe und glaubst doch nicht daran – bewegst dich in deinen Zwischenräumen.

Du jagst Schmetterlingen nach in der Hoffnung auf Glück, glaubst an Magie und zweifelst an ihr. Du bist durcheinander und doch so klar; weißt, was du willst und kannst es nicht benennen – bewegst dich in deinen Zwischenräumen.

Du lernst dich jetzt erst kennen und wunderst dich, schaust in den Spiegel: ein fremdes Gesicht lächelt dich an und ist dir doch so bekannt. Und du fragst dich, wo du stehst und was du nun willst, kennst die Antwort aber nicht den Weg – bewegst dich in deinen Zwischenräumen.

Schritt für Schritt gehst du fort, um anzukommen, drehst dich nicht einmal mehr um. Etwas wackelig noch und doch voller Stolz bewegst du dich in deinen Zwischenräumen.

 

Ich kann nicht für dich in den Kampf ziehen, aber ich kann für dich da sein, wenn du nach Hause kommst.

Ich kann deine Schlachten nicht schlagen, aber ich kann deine Wunden versorgen, wenn du nach Hause kommst.

Ich kann keine Kriege für dich führen, aber ich kann dich halten, wenn du nach Hause kommst.

Ich kann deine Verträge nicht unterzeichnen, aber ich kann sie mit dir tragen, wenn du nach Hause kommst.

Ich kann dir deine Entscheidungen nicht abnehmen, aber ich kann zu ihnen stehen, wenn du nach Hause kommst.

Ich kann deine Ängste nicht ausstehen, aber ich kann dich auffangen, wenn du nach Hause kommst.

Ich kann dein Ruhepol sein, dein Lager, dein Kissen, wenn du nach Hause kommst.

…wenn du endlich nach Hause kommst.

 

Jahrzehntelang wartete sie. Wartete auf die Erkenntnis, auf die Erlösung, auf das große Glück. Wartete auf den Prinzen mit dem Pferd, der sie retten sollte aus ihrem jahrelangen Schlaf.

Sie hoffte und betete, sie träumte und weinte. Sie sehnte sich, sie grämte sich.

Sie atmete ein den Duft der Rosen um sich herum, so schön anzuschauen. Gitterstäbe in schönstem Gewand.

Es kamen viele Prinzen. Auf stolzen Pferden ritten sie, bereit, das eigene Leben für sie herzugeben. Wenn sie es doch nur nicht hergegeben hätten, dieses eigene Leben! Sie wäre mit jedem einzelnen von ihnen durch die Dornen gegangen…

Irgendwann nahm sie die große Gartenschere und schnitt die Rosenhecke selbst.

Dornröschen ist aufgewacht.

Ausgabe Mai 2016

Tanze, mein Herz,
tanze und zeig‘ mir deine Farben.
Tritt heraus
aus dem Grau deiner Vergangenheit,
die dich noch immer glauben lässt,
du seist nicht gut genug,
nicht schön genug,
nicht bunt genug.
Tritt heraus
in den Regenbogen deiner Seele und tanze deinen schönsten Tanz.

Tanze das Rot deiner Leidenschaft,
geh‘ hinein in alle Facetten und atme den Duft deiner Liebe, der Liebe zu dir selbst.
Tanze das Orange deiner Neugier,
sei mutig und fordere das Leben heraus, dein Leben.
Tanze das Gelb deiner Zuversicht,
wage Neues und lass dich inspirieren, inspirieren von dir selbst.
Tanze das Grün deiner Hoffnung,
vertraue dir selbst und vertraue anderen.
Tanze das Blau deiner Treue,
der Treue zu dir selbst
und der Treue zu anderen.
Tanze dein Violett,
das alle Farben deiner Seele in dir vereint.

Tanze, mein Herz,
tanze und zeig mir deine Farben.
Vorbei sind die Tage in SchwarzWeiß,
vorbei das Grau des Haderns mit dir selbst.

Tanze,
als gäbe es schon immer deinen Regenbogen
und du wirst sehen,
er war schon immer da.

Der Regenbogen deiner Seele.

Ausgabe März 2016

Nachricht vom Tod

Zusammengezuckt.
Erschreckt.
Geweint.
Nachgedacht.
Geweint.
Hinterfragt.
Keine Antwort erhalten.
Geweint.
Getrauert.
Losgelassen?
Nein.
Gehen lassen.
Fliegen lassen.
Angenommen.
Ein letztes Mal geweint.
Durchgeatmet.
Erinnert.
Gelächelt.

Ins Herz gebettet.
Lächelnd erinnert.
Tränen versiegt.

Was bleibt, ist ein Lächeln.

 

Liebesbrief

Jemand,

der einen Liebesbrief schreibt,

fragt nicht nach Tinte und Papier.

Jemand,

der einen Liebesbrief schreibt,

schreibt ihn mit seinem Herzen.

Denn,

die Tinte verblasst

und dem Papier ist es egal;

und sind die Worte noch so innig ~

die Worte des Herzens

werden sie nicht ersetzen.

Darum ~

wenn dir jemand

einen Liebesbrief schreibt,

lies ihn seinem Herzen.

 

Die nackte Wahrheit

Und dann stehst du da.
Wehrlos.
Schutzlos.
Nackt.

Du hast alles abgelegt.
Keine Masken mehr.
Der Panzer um dein Herz ~
aufgebrochen.
Die schützende Mauer um deine Seele ~
niedergerissen.

Du bist ohne Fassade.
Du wirst angesehen …
jede Faser deines Seins wird durchleuchtet.

Und dann wirst du in den Arm genommen…wortlos.

Und du spürst ~
es ist gut.

Die nackte Wahrheit.
So soll es sein.

 

Deine Melodie

Manchmal…

hast das Gefühl, der Himmel sammelt all seine Wolken ein,

um sie allein über deinem Kopf zu entleeren.

Ein orkanartiger Wind fegt durch deine Seele und der Ast,

an den du dich geklammert hast, hält dem Gewicht nicht mehr stand und bricht.

Du hast das Gefühl,

als würden Herbst – und Winterstürme mit Sommergewittern zusammenprallen und dich in einen Sog ziehen, der dir jegliche Luft zum Atmen nimmt, den Frühling vergessend.

Du versuchst dich zu wehren, kämpfst dagegen an und glaubst,

du kannst nur verlieren – du stehst mit dem Rücken zur Wand,

deine Flügel hängen und der Kopf sinkt auf deine Brust.

Und dann wird es still. Nichts mehr. Nur Stille.

Du hebst zaghaft den Kopf und lauschst…

Eine leise Melodie erklingt …

verwundert nimmst du sie wahr… summst stumm all ihre Töne…

siehst die Noten vor deinem geistigen Auge und dein Herz nimmt den Rhythmus des Taktes an, den du fühlst.

Du erinnerst dich.

Es ist deine Melodie – geschrieben vor ewigen Zeiten… fest verankert in deinem Herzen.

Es ist, als würden sich deine Flügel wieder ein wenig aufrichten…

auf leisen Sohlen beginnst du zu deiner Melodie zu tanzen…

schwebend wie auf Federn.

Und plötzlich weißt du:

Du bist wieder bei dir.

Dir kann nichts mehr geschehen.

 

Das Kind in dir

…und da ist es nun – das kleine Mädchen in dir.

Es steht da und schaut dich an.

Entmutigt, kraftlos, ängstlich…

Ihr kennt euch, seid euch des Öfteren begegnet.

 

Du wolltest dich loslösen von ihm – und hast es nie geschafft.

Es ist auch nicht nötig – in jedem von uns steckt es noch…tief drinnen.

 

Und das ist gut so.

Es lässt dich aufhorchen…vorsichtig sein, achtsam sein und sensibel.

Du nimmst es an…sowohl als auch.

…ohne wenn und aber – ihr gehört zusammen.

Du nimmst es an und zeigst ihm dein Herz…nimmst es an die Hand und führst es, lässt dich führen.

 

Du willst nicht hören, dass alles gut wird und du keine Angst zu haben brauchst – es hilft dir nichts.

Du willst angenommen werden – mit deiner Angst.

Geliebt werden – ohne wenn und aber…sowohl als auch.

…in die Arme genommen werden, Herzenswärme spüren…dich anlehnen.

 

Und dann ist er da – dieser eine besondere Mensch.

Du stehst ihm gegenüber, schaust ihn

an und er spürt, da ist das Mädchen, welches einfach

nur geliebt werden will.

 

Und er liebt es.

Ohne wenn und aber – sowohl als auch.

 

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