Wilhelm Rothbauer

Lektor der ersten Lyrika-Stunden

Ausgabe November 2014

Abschied mit Gefühl

Der Tag

Zwiegeteilt in Schatten des Vergessens

Blauheit und Müdigkeiten –

führt mich 2 CV gewiegt

heimwärts heiterem Mahle zu.

 

Ist Regen wie Perlen an mir

so will ich sie Euch schenken

leis und voll Vertrauen und hoffen

dass ihr sie aufreiht zum Angedenken für und für.

 

Wend´ ich dem Freund und Dir, Liebste

Die halbe Seite meines Leibes und der Seele zu

Ich denke es wirklich

freut mich, gleichwohl der Sinn und der Blick

Eurer klaren Augen

die in mir sind wie Glut und mich wärmen.

 

Lebt wohl und weint nicht

und führt Euch dem neuen Tage zu

Wie ich .. teilt das Silber des morgigen Tages mit Bedacht

Und geht gerne der neuen Wüste entgegen.

Sie atmet und lebt –

wie Tränenperlen auf unsere aller Angesicht.

Ausgabe Juli 2014

Der Liebsten

Und wie ich auf der Straße entlang geh

Die Leute an und in deren Augen seh

Die Turmuhr schlägt, die Zeit schreitet vorbei

Das Hasten, Treiben ist mir einerlei

 

Ich bin im Gedanken nicht mehr hier

Ich bin in Wirklichkeit mehr bei Dir

Ich bin in Deiner Liebe gefangen

Habe mich darin aufgehangen

 

Du hast Dich ganz zu meiner Welt gemacht

Als du lachtest, da habe ich gelacht

Als du traurig warst, habe ich bei dir verweilt

Wir haben es miteinander geteilt

 

Jetzt frage ich mich, wie wird es weitergehen

Wann werden wir uns wiedersehen

Wann können wir Arm in Arm bummeln gehen

Wann sprechen und uns in die Augen sehn

 

Wann werden wir uns wieder spüren, küssen

Und nicht von all dem nur träumen müssen

Ausgabe Mai 2014

Gedanken an Max Barth

Es war im Juli im Jahr 1970. Die Sonne über Waldkirch brannte erbarmungslos von einem völlig wolkenfreien, wunderbar tiefblauen Himmel. Schon am Morgen hatte die Luft regelrecht gestanden vor brütender Hitze und zu atmen fiel schwer, dermaßen schwül war es. Wer konnte, zog sich in kühlere Räume seiner Wohnung zurück und vermied es, ins Freie zu gehen, sich diesem Brutkasten auszusetzen.

In der Mansarde unseres Hauses, in dem ich mit meinen Eltern wohnte, lebte er – der 74jährige Max Barth: Pädagoge und politischer Journalist, geboren 1896 hier in Waldkirch und nach einem unruhigen Lebensweg wieder zurückgekehrt in seine Heimatstadt, reich an Lebenserfahrung aber nicht an materiellen Werten. Er hatte keine Krankenversicherung und bekam seine Medikamente von einem befreundeten Arzt, dessen Tochter er Nachhilfe gab.

Es war gegen 17 Uhr, als wir aus seiner Wohnung einen dumpfen Schlag hörten, so als wäre etwas umgefallen. Meine Eltern und ich gingen nach dem Rechten schauen und fanden Max Barth auf dem Boden liegend. Er konnte kaum noch sprechen.

Ich rief den Krankenwagen, aber es dauerte endlos lange bis zu dessen Eintreffen. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis die Sanitäter da waren, den immer noch kaum ansprechbaren Max Barth auf die Trage legten und zum Rot-Kreuz-Wagen trugen. Ich stieg mit ein, konnte ihn nicht allein lassen.

Der Krankenwagen fuhr viel zu langsam, so kam es mir vor. Das Martinhorn war unerklärlicherweise nicht eingeschaltet. Die Ampeln schienen alle auf Rot zu schalten, nur um uns aufzuhalten. Ich saß neben ihm, dem Mann, der mein geistiger Vater geworden war, und hielt seine Hand.

Die Uhren schienen still zu stehen, als der Krankenwagen sich durch die überhitze Stadt schob. Während wir, für mein Gefühl, durch die glühend heißen Nachmittagsstunden Richtung Post über die Langestrasse in Richtung Krankenhaus schlichen, während die Stadt unberührt von diesem Geschehen weiterlebte, sah ich Bilder vor mir.  Ich sah ihn und mich, wie wir Stunden und tageweise an die Pfosten unseres  Gartentores  gelehnt bis zum Licht der untergehenden Sonne standen.   Und ich hörte ihn erzählen, fesselnde Berichte aus seiner Jugend und von seinen Reisen in die Länder, in die er vor den Nationalsozialisten fliehen musste. Jedes Mal habe ich gelauscht und gelernt von diesem besonderen Mann  und dabei die Zeit darüber vergessen.

Endlich, am Krankenhaus angekommen, wurde Max Barth von den Sanitätern auf Station gebracht. Ich begleitete sie und vor allem ihn auf dem Weg durch die langen, weißen Korridore. Die Schritte halten durch die Flure, Stimmen mischten sich hinein und als sie mir sagten, dass sie ihn nun genau untersuchen und dann ins Zimmer bringen wollten,  rannte ich den ganzen Weg nach Hause – durch diese glühend heiße Luft, die sich wie zum Schneiden anfühlte in den vor Anstrengung brennenden Lungenflügeln. Egal, nur schnell nach Hause, Schlafanzug und persönliche Sachen zusammengerafft, für ihn… für den Mann, der meine Gedanken gelehrt hatte, die Basis in mir zu bilden für alles, was später kam.

Ich griff mein Fahrrad und flog zurück durch die Straßen, die nichts wussten von dieser Schicksalsstunde. In denen das Leben weiterging, als sei nichts geschehen.

Als ich das Krankenhaus erreichte, war es zu spät. Max Barth brauchte nichts mehr von dem, was ich für ihn geholt hatte. Er hatte seinen Frieden gefunden.

Dieser Tag im Juli ist seitdem ein ganz besonderer Tag für mich. Ich werde die Bilder seiner letzten Stunden nicht vergessen und nicht diese alles niederdrückende Hitze.

Er sagte nie, du musst dies und das – er fragte nie, was bist du.

„Geh weg aus diesem kleinen begrenzten Ort, geh in die Welt und schau mit offenen Augen.“

Mit diesen Worten lehrte er mich den Wert anderer Dinge: Kulturen kennen zu lernen, sich mit Menschen wirklich zu unterhalten, einen wachen Geist zu haben für alles und jeden.

Ein Mensch, der mich eine Wegstrecke meines Lebens begleitete, hat Spuren hinterlassen, die mir heute noch unendlich wertvoll sind. All unsere Gespräche und seine Gedanken werde ich nie vergessen.

 

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