Bianca Wörter

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Lebe Deinen Traum und Du kommst ans Ziel –
Dein Herz zeigt Dir den Weg.

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Ausgabe Oktober 2015

Der Seelenschreiber

Mit einem leisen Bedauern, weil sie ihre kleinen Kinder zurücklassen musste, doch mit einem erleichterten Seufzen, weil sie nach langer, schmerzhafter Krankheit die Augen schließen durfte, durchschritt eine junge Frau die Pforte der Ewigkeit und wurde sogleich von ihrer Mutter, die ihr vorausgegangen war, liebevoll in die Arme geschlossen.

Da in der Ewigkeit die Zeit keine Rolle spielt und abweichend zu der auf der Erde verläuft, dauerte es nicht lange, bis sich ihr Vater zu ihnen gesellte. Am Schönsten war für sie die Wiedervereinigung mit ihren beiden Kindern, die sie nicht mehr loslassen wollte und unendlich lange herzte und küsste.

Nach einiger Zeit fiel ihr auf, dass ein geliebter Mensch in der vereinten Familie fehlte: ihr Mann! Er starb vor ihren Kindern und sollte bei ihnen sein. Besorgt machte sie sich auf die Suche nach ihm. Überall erblickte sie glücklich vereinte Familien – ihr Mann befand sich nicht unter ihnen.

Bei ihrer Suche kam sie an einem seltsamen Kristallwolkengebilde vorbei. Verwundert nahm sie es näher in Augenschein und wischte sich verwirrt die Augen: Es erschien ihr halb transparent, leicht verschwommen und änderte fortlaufend seine Form. Sie nahm all ihren Mut zusammen, trat näher an dieses seltsame Gebilde heran und erkannte eine Tür. In dem Moment, wo sie zögernd anklopfte, öffnete sich diese Tür einladend. Langsam trat sie ein und schritt auf den Wolkentisch zu, auf dem ein gigantisches Buch lag, in dem ein alter Mann mit einem langen, weißen Bart konzentriert las.

Der Mann hob den Blick, als sie den Tisch erreicht hatte und ihr stockte der Atem, als ihre Augen seinen stechend blauen begegneten. Er blickte auf den Grund ihrer Seele und lächelte gütig.

„Willkommen in meinem Zuhause“, begrüßte er sie mit seiner tiefen Stimme.

„Danke, guter Mann. Wer bist du?“, wollte sie wissen.

„Man nennt mich den Seelenschreiber.“

„Kannst du mir helfen meinen Mann zu finden?“, bat sie ihn hoffnungsvoll.

Der Seelenschreiber schüttelte langsam den Kopf: „Du wirst ihn hier nicht finden, sein Name steht nicht im Seelenbuch geschrieben.“

„Wo finde ich ihn?“

„Dein Mann beging in seinem Leben viele Fehler und manche üble Tat, daher befindet er sich am anderen Ende des Universums. Du wirst ihn nie wieder sehen.“

Dieser Gedanke entsetzte die junge Frau und mit Tränen in den Augen wollte sie wissen, ob es eine Möglichkeit der Gnade gäbe.

„Die gibt es, aber der Preis dafür ist sehr hoch. Wirst du bereit sein, ihn zu zahlen?“

Sie zögerte keine Sekunde: „Nenne mir den Preis!“

Der Seelenschreiber seufzte traurig und sprach: „Du wirst, ohne Erinnerung an die Ewigkeit, in dein Leben zu Beginn deiner Krankheit zurückkehren. Du wirst stets das Gefühl haben, alles erneut zu erleben, sodass sich deine Leiden verdoppeln. Bist du bereit diesen Preis zu zahlen?“

Sie erinnerte sich an die letzten zwei Jahre, die angefüllt waren mit Furcht und Leid, bis sie endlich sterben durfte. Sie erinnerte sich an den Schmerz und die Angst in den Augen der Kinder, was ihr das Herz gebrochen hatte. Sie erinnerte sich an die Hilflosigkeit und das Bedauern ihres Mannes und an die Sorge, die dies in ihr geweckt hatte. All dies sollte sie nochmals in doppelter Intensität durchleben?

„Gewährst du mir Gedenkzeit?“

Der Seelenschreiber nickte. Sie sollte, wenn sie bereit für das Opfer wäre „Seelenschreiber, sende mich zurück“ rufen und er würde sie in ihr Leben geleiten.

Den ganzen Weg zurück zu ihrer Familie weinte sie. Sie riss ihre Kinder in die Arme, drückte sie fest und erzählte ihnen von dem Seelenschreiber, der ihr die Möglichkeit gab, ihren Vater zurück zu holen. Ihre Kinder weinten und baten, dass sie sie nicht wieder allein lassen sollte, aber sie vermissten ihren Vater auch.

Die junge Frau trocknete ihre Tränen und die ihrer Kinder – ihr Entschluss war gefasst.

Mit einem leichten Zittern in der Stimme sprach sie: „Meine süßen, lieben Kleinen. Hier in der Ewigkeit verläuft die Zeit abweichend zur Erde. Ich liebe euch! Ich werde wenige Minuten von euch getrennt sein, kehre mit eurem Vater zurück und wir werden bis in alle Ewigkeit zusammen sein!“

Die Kinder nickten, aber viele Tränen kullerten ihre lieben Wangen herunter.

Die junge Frau erhob sich schnell, bevor der Mut sie verließ oder der Abschiedsschmerz zu groß wurde und rief: „Seelenschreiber, sende mich zurück!“

Zwei lange, unendlich qualvolle Jahre später kehrte sie zurück und suchte sofort den Seelenschreiber auf.

Er erwartete sie bereits lächelnd: „Dein Mann wird in wenigen Minuten mit dir und deinen Kindern vereint sein. Durch dein selbstloses Opfer wurde ihm Gnade zuteil.“

Erleichtert seufzte die junge Frau auf: „Danke, Seelenschreiber!“

Plötzlich fiel ihr Blick auf das Buch, in dem ein Name Gold aufzuleuchten begann. Staunend erkannte sie, dass es ihr Name war.

„Seelenschreiber, was bedeutet dies? Mein Name leuchtet golden!“

Der alte Mann lächelte wissend: „Ich habe dir gesagt, dass deine selbstlose Tat deinen Mann begnadigt. Was ich dir nicht gesagt habe ist, dass dir bei deiner Rückkehr eine Belohnung gewährt wird.“

„Dass ich für alle Zeit mit meinen Liebsten, die ich in meinem Leben gefunden habe, zusammen sein darf, ist mir Belohnung genug!“, widersprach die junge Frau.

„Und doch sollst du deinen Lohn erhalten: Du wirst ein Engel sein. In der einen Hand sollst du ein Schwert tragen, in der anderen Hand eine schneeweiße Eule. In der letzten Sekunde seines Lebens soll jeder Mensch deine reine Gestalt sehen. Das Schwert soll ihn mahnen nicht selbstsüchtig zu sein, wenn er in der Ewigkeit seinen Liebsten vermisst und die Eule soll ihn ermutigen für den geliebten Menschen ein Opfer zu bringen. So wie du es getan hast.“

Die junge Frau nickte und so war es, dass sich auf ihrem Rücken weiße Flügel entfalteten, ein Schwert in ihrer rechten, eine Schneeeule in ihrer linken Hand erschien. Sie eilte zu ihrer Familie, die mit ihrem Mann vollständig vereint war, alle schlossen sich weinend vor Freude in die Arme und waren für alle Zeit glücklich.

Ab diesem Tag begrüßte ein wunderschöner, reiner Engel der Warnung und der Hoffnung jeden verstorbenen Menschen an der Pforte der Ewigkeit.

 

Ausgabe Januar 2015

Ängste überwinden

Es war einmal ein kleines Mädchen, das behütet bei seinen Eltern aufwuchs. Dieses Mädchen war, kaum dem Säuglingsalter entwachsen, bemüht sehr selbständig zu sein, da sie einen kleinen Bruder bekam, der aufgrund seiner Gesundheit mehr Zeit und Pflege der Eltern benötigte. Das kleine Mädchen wollte, dass ihre Eltern stolz auf sie sind. Dass sie sich nicht so um sie sorgen müssen, wie um den kleinen Bruder.
Das kleine Mädchen wurde älter und begann die Welt zu begreifen. Damit wuchs der Anspruch an sie. Sie wollte immer selbständiger werden, damit die Eltern weiterhin stolz auf sie sein konnten. Aber kleine Mädchen haben auch Ängste. Das Mädchen traute sich nicht den Eltern ihre Ängste zu zeigen, weil diese immer Angst um den kleinen Bruder hatten! Also schloss das Mädchen ihre Ängste tief im Herzen und der Seele ein, und wann immer die Monster und Ängste sich einen Weg nach oben bahnen wollten, drängte sie sie umso tiefer, bis an den Grund der Seele.

Das kleine Mädchen ging in die Schule und war eine sehr gute Schülerin. Sie machte den Eltern keine zusätzliche Arbeit, da sie schnell alle Lektionen begriff. Doch mit der Schulzeit kamen weitere Ängste auf das Mädchen zu, die sie schnell einschloss, ohne etwas ihren Eltern zu sagen. Sie sollten doch stolz auf sie sein, dass sie alles ohne Hilfe schaffte!
Im Laufe der Jahre wuchs das Mädchen zu einer jungen Frau heran und die Ängste bildeten nun eine schwere Last, da sie sie nie herausgelassen und verarbeitet hatte. Die junge Frau, nun selbst Mutter zweier Kinder, beschloss, dass es an der Zeit war sich Hilfe zu suchen, zuzulassen, doch… da war niemand.
Immer hat man ihr gesagt: Du bist stark, du schaffst das.

Aber das empfand sie nicht so. Nun endlich war sie bereit sich helfen zu lassen und ihre Ängste zu verarbeiten, aber wieder sagten alle nur zu ihr: Du bist stark, du schaffst das.
Hatte sie zu spät erkannt, dass Hilfe nicht den Stolz auf den Menschen mindert? Oder wollten alle nur die Bequemlichkeit weiterleben, da sie nie um Hilfe gebeten und bisher gut durch das Leben gekommen war? Oder glaubten die Menschen nicht, dass sie wirklich und dringend Hilfe benötigte?
Die Frau erkannte, dass sie diesen Weg nun weiter alleine gehen musste. Sie ließ all ihre Ängste vom Grunde ihrer Seele aufsteigen, umarmte sie und entließ sie ins weite Universum. Nach und nach wurde ihre Seele leicht und frei, denn die unterdrückten Ängste kehrten nicht mehr zurück.
Die Frau wusste nun, dass es nicht wichtig war, dass andere auf sie stolz sind – sie war stolz auf sich, dass sie diesen Schritt gewagt und das Ziel erreicht hatte.
Und wann immer die Frau Ängste plagen, so umarmt sie diese eine Weile, lässt zu, dass sie Hilfe braucht, nimmt diese dankend an und erhält somit die Leichtigkeit der Seele, die Tiefe des Herzens und ein Geschenk des Himmels.

 

 

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