Georgios Mouratidis

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Ausgabe ACHT , Juli 2015

Zurück zu „my total freedom“

In erster Linie ist das ein Dankeschön an meine „Schülerin“ Yasemin Celikkan.
Und dann ist es eine Botschaft an die Welt da draußen. Doch alles der Reihe nach.

In unserem letzten Gespräch sagte Yasemin „Das zum Thema Aufrichtigkeit, gell?“. Das war die Frage auf eine Antwort von mir. Die mehr eine Ausrede schien als eine aufrichtige Antwort an mich selber. Es nervte mich, dass meine „Schülerin“ mir, ihren Lehrer, so eine Antwort stellte. Irgendwann mal endete das Gespräch. Ich ging nach Hause. Einerseits mit sehr viel Liebe für Yasemin, andererseits ärgerte ich mich richtig. Ich suchte die „Schuld“ bei ihr, dann suchte ich die „Schuld“ bei mir. Für meinen Ärger. Doch es fühlte sich überhaupt nicht gut an.  Dieses innere Theater ging ca. drei Tage. Ich konnte nachts nicht schlafen. Es quälte mich etwas. Dann, auf die Nacht vom 3. auf den 4. März wachte ich um 2:00 Uhr morgens auf. Als ob mich irgendetwas oder irgendjemand ganz sanft weckte und zu mir sprach: „Georg, ich erinnere mich, als ich mit der Gewaltfreien Kommunikation begann, fühlte ich mich glücklich. Die glücklichen Gesichter der Menschen, mit denen ich sprach, die Menschen, die ich begleitet habe, ohne Worte wie „Coaching“, „Seminar“, Workshop, „Infoveranstaltung“ und ähnliches fühlte ich mich frei. Es war ein so schönes Gefühl zwischen all den Menschen, Erwachsenen wie auch Kindern, zu sitzen und eine Wärme zu spüren. Ohne das Damoklesschwert über mir, das da heißt „Geld verdienen“. Und jetzt?

Seit ich mich selbstständig gemacht habe und ich Geld verdienen muss, bin ich nicht frei. Bei den Vorstellungsgesprächen in Firmen, Schulen bin ich nicht mehr authentisch. Ich bin blockiert. Ja keinen Fehler machen. Ich muss ja überzeugen, verkaufen. Du brauchst den Auftrag, sonst…

Ich kann mich an einen Fall erinnern, in dem ich mich und „meine“ Gewaltfreie Kommunikation angeboten habe. In einem großen Unternehmen. Da waren der Chef, seine Assistentin und eine Abteilungsleiterin dabei. Angesetzt war eine Stunde. Wir saßen zweieinhalb Stunden zusammen. Da war diese innere Freiheit, kein „verkaufen“ zu müssen, es war menschlich. Die Abteilungsleiterin erzählte mir von ihrem „Problem“. Und da habe ich empathisch reagiert nicht statisch-kopfig um den Auftrag zu erhalten. Da dachte ich gar nicht daran. Wir trennten uns richtig frei und warm. Wir haben uns geeinigt, dass wir eine Infoveranstaltung mit allen Mitarbeitern abhalten. Und dann? Als ich die Veranstaltung vorbereitete, war wieder der Kopf dabei. Und was ist passiert. Ich habe den Auftrag nicht erhalten, weil ich nicht mehr der war, wie in dem Vorgespräch. Die Assistentin sagte mir „Herr Mouratidis, Sie waren ganz anders. Sogar Fr. XY von der Abteilung hat das gesagt. Und sie war so angetan von Ihnen und Ihrer Art!“

Zu diesem Zeitpunkt habe ich diese Aussage beiseitegeschoben.  Pfff, wenn die nicht will, dann halt nicht. Natürlich habe ich andere Aufträge erhalten, aber ich verlor mich immer und immer weiter. Ähnlich ging es mir mit einer Schule. Beim Vortrag war ich so gelöst mit den Kindern zu arbeiten. Ich saß mitten unter ihnen, die Kinder um mich rum. Und woran scheitert es? An dem Kopf, der denkt, den Auftrag zu bekommen.

Und ich weiß, es fühlt sich überhaupt nicht gut an.

Zwei andere Situationen haben mir das wieder vor Augen geführt. Es war einmal bei unserer Kinder-Coaching-Gruppe. Wenn ich bedenke, dass am allerersten Tag alle Kinder gesagt haben, dass sie nicht freiwillig da sind, sondern nur, weil ihre Eltern sie dazu „überredet“ haben. Am Ende jeder Doppelstunde haben ALLE auf die Frage hin, „wer ist nächstes Mal dabei?“ mit einem klaren „ICH“ geantwortet. Wenn ich an das Feedback der Kinder denke, am Ende jeder Doppelstunde und am Ende des Projektes, dann war ich überglücklich – genau im meinem „Fluss“. Genau das, was ich will, beabsichtige: Die Freude in den glänzenden Augen dieser Kinder. Und ich habe es tatsächlich geschafft, dass zwei Kinder geweint haben und ein Junge ganz nahe dran war. Sie fühlten sich „erlöst“, es war jemand da, mit dem sie reden konnten. Der ihnen einfach zuhörte. Ich kann mich an eine Antwort von einigen der Kinder erinnern, die da gesagt haben, „…aber unsere Eltern können das nicht so wie ihr…“.

Und dann? Beim Abschluss des Pilotprojektes, als wir den Müttern gesagt haben, dass wir uns überlegt haben für die Doppelstunde den bestimmten Betrag zu verlangen. Da sagte eine Mutter, „da muss ich mich zurücknehmen. Wir bauen gerade, und mein Mann wird mich umbringen, wenn ich hier zusage!“. In diesem Moment bemerkte ich, wie ein Mädchen von der heiteren Stimmung plötzlich richtig traurig wurde. Sie hatte sich so gefreut, weiter zu machen. Es ist genau das Mädchen von dem diese Mutter gesagt hat, dass sie nun beobachtet, wie ihre Tochter jetzt verstärkt Kinder, die gemobbt werden, unterstützt.

Und ein Junge war auch sehr traurig, als seine Mutter ähnlich gesagt hat, dass sie nicht weiter machen werden.

Auch wenn wir gesagt haben, dass es am Geld nicht scheitern soll, kam später gar keine Reaktion seitens der Eltern.

Und das genau macht mich sehr traurig. Denn wir denken an die Kinder, das war der Grund, weshalb wir dieses Pilotprojekt angesetzt haben. FÜR DIE KINDER.

Die zweite Situation war die mit Yasemin. Sie sagte mir: „Das, was andere nicht in vier Jahren schaffen, hast du bei mir in vier Monaten geschafft!“

Am Anfang habe ich diesen Satz nicht verstanden. Jetzt kommt er mir Stück für Stück in den Sinn zurück. Wenn jemand sich dazu „überwindet“, mein Seminar- oder gar das Coachinggeld aufzubringen, ist es nicht jedem gegeben, eine längere Zeit mit mir zu gehen. Um dieses „Klick“ zu erkennen. Und genau diese Möglichkeit möchte ich jedem geben. JEDEM!

Das wird aber nicht geschehen, wenn es am Geld scheitert!
Hier endete meine nächtliche Diskussion mit mir! 

Somit habe ich mich entschieden, dass alle meine Dienstleistungen KEINER Preisliste unterworfen werden. Es kann jeder – wirklich JEDER – das bezahlen was er kann und/oder ihm die Arbeit mit mir wert ist.  Ich werde offenlegen, was mich die fixen Kosten (wie Räumlichkeiten, etc.) kosten. Wenn ich Null auf Null komme, ist es auch ok, wenn dann auch noch etwas für mich übrig bleibt, auch gut.

ACHTUNG: Alle meine Preise (in den Flyern, PDFs, Seiten, …) sind mit „freiwillige wertschätzende Honorierung“ zu ersetzen. Bis ich meine Homepage nach und nach angepasst habe! 
Nehmen Sie mich beim Wort. Erzählen Sie es weiter. Geben Sie sich und anderen die Chance, die Yasemin erhalten hat: langsam heran geführt zu werden. In ihre Aufrichtigkeit, in ihre Liebe und Empathie!

Ich konnte danach sanft einschlafen und habe es kaum ausgehalten das festzuhalten.

Danke Yasemin, für die provokative Frage, die mich wieder zu mir geführt hat!

Ausgabe Januar 2015

blame is not for failure, it is for failing to help or because i didn’t ask for help

„blame ist not for failure, it is for failing to help or because i didnt ask for help“.

Diese Aussage habe ich in einem Video gehört und sie gefällt mir so sehr. Auch wenn mir das Wort „blame“ irgendwie nicht gefällt. Aber die Botschaft die für mich dahinter steckt fasziniert mich.

…because i didnt ask for help…

Das erinnert mich an die Situation als ich ein junges Mädchen begleitete. Sie war von zuhause abgehauen. Die Polizei rief mich an, weil dieses junge Mädchen mich wollte. Also ging ich hin, um sie abzuholen. Während unserer Arbeit erzählte sie mir, dass sie so gerne Deutschland verlassen würde um nach London auszuziehen. Aber ihr fehlte das Geld.
Ich antwortete ihr, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, um an Geld zu kommen. Ich forderte sie auf, mir ein paar zu nennen.

Sie sagte:“ Ich kann mein Ipad verkaufen!“
Was noch? fragte ich.
„Meinen Schmuck…Ich könnte arbeiten gehen…“

Und so zählte sie ein paar auf!

Was noch? fragte ich.

Sie schaute mich an und sagte: „Du meinst jetzt nicht Leute um Geld bitten?“

„Doch, genau das meine ich!“ antwortete ich ihr.
„Sag den Menschen, was du vorhast und bitte sie um Geld! Bitte Sie um Hilfe!“

Keine 4 Tage später schrieb sie mir eine sms: „Georg, ich habe es gemacht. Ich habe Leute um Geld gebeten und ich habe mir das Ticket nach London schon gekauft!“

Ich war sprachlos. Sie hat es tatsächlich getan. Sie hat um Hilfe gebeten.
She asked for help. Und es wurde ihr geholfen.

…for failing to help…

es gab eine obdachlose Frau, die ich kennen gelernt habe. Beim Taxi fahren…Anne…Ich kann mich an eine Situation erinnern. Sie stand beim Leocenter und bettelte um Geld…Ich beobachtete, wie Passanten an ihr vorbeiliefen…Ich stellte mich zu ihr und fragte sie: „Hallo Anne, brauchst du Geld?“. Sie schaute mich an und sagte: „Das weißt du!“ Ich habe ihr ein wenig Geld gegeben. Ich beobachtete ein älteres Paar, wie sie zu uns  rüber schauten. Dieses Ehepaar war vor ein paar Minuten an Anne vorbei gelaufen und schaute sie so ablehnend an. Als sie sahen, dass ich mich mit ihr unterhielt und ihr Geld gab, kamen sie zu Anne und gaben ihr auch etwas Geld…Ich war sehr berührt…denn diese Menschen haben geholfen.

Ausgabe September 2014

Ich hatte heute ein Date. Mit einer Frau? Auch, Ja.

Ich hatte heute ein Date mit mir selbst.

Doch alles der Reihe nach:

11:00 – am Aichelberg. Ich habe ein „blind date“ mit Helene. Ich nenne sie Elena, nach der griechischen Mythologie von Paris und Elena. Ein „blind date“ ist so ein Treffen, bei dem man(n) nicht weiß wie der andere – also hier die Frau – aussieht. Kein Bild, nichts. Ich mag diese Dates. Sie sind so unbefangen und nicht beeinflusst durch das „Äußere“.

Ich mag den Überraschungseffekt, wenn man sich gegenübersteht. Zu beobachten, wie der Mensch reagiert. Zu erspüren, wie ich selber reagiere. Beim Anblick, beim ersten Sehen, beim gegenüberstehen.

Es ist noch zu früh, um in das Café hineinzugehen. Es macht erst um 12:00 auf. Wir beschließen in das Ortsinnere – also in die Stadtmitte – zu gehen. Berg auf. Puuh… Sie läuft vor mir her. Hm? Sie erzählt von ihrem Golfspielen. Es ist interessant. Ich höre ihr zu. Sie redet. Ich sage ab und zu etwas. Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass ich nicht zu Wort komme, oder ob ich einfach gespannt zuhören möchte. Ich höre zu.

Ich kürze jetzt einfach mal ab.

Wir sehen das Schild „Panoramablick Restaurant“. Wir beschließen dort hin zu laufen, es wird immer weiter und weiter. Der Berg hört nicht auf. Oh mein Gott. Plötzlich nehme ich einen „zitronigen“ Duft wahr. Ich bleibe stehen. Ich rieche an der Rose in einem Garten. Ist das der zitronige Geruch? Ja, das ist er. Ein sehr intensiver, doch lieblicher, kein durchdringender Geruch. Einfach schön. Sie kommt dazu. Sie riecht auch daran, und bestätigt: „Ja, die riechen sehr schön“. Plötzlich kommt ein Mann um die Ecke. Mit einem Bart. Wie ein Prophet, den ich aus der Bibel – Bibelgeschichten – her kenne.

Ich frage ihn nach der Rose. Wie lange sie schon blüht, wie lange sie schon hier eingepflanzt ist. Er antwortet mir mit einer sehr sanften, ruhigen Stimme. Er sagt mir, wie sie heißt: „Er sagt, das ist eine Gloria Dei. Ehre sei Gott, oder die Freude Gottes.“ Er fügt hinzu: „Sind sie länger unterwegs?“. „Ja, antworten wir“. „Auf dem Rückweg können Sie sich eine oder zwei einfach abknicken. Oder klingeln Sie einfach und ich schneide Ihnen welche ab.“. Wir bedanken uns und laufen weiter.

Plötzlich sehe ich Schnitzereien – in seiner Werkstatt -. Ich halte an. Er kommt dazu. Ich frage ihn, on er Künstler sein. Er antwortet mir: „Gelernt habe ich Architekt. Doch irgendwann kam ich in Berührung mit der Holzschnitzerei“. Dann erzählt er uns, wie er dazu kam, was er so macht. Ich erzähle ihm davon, dass ich Akt- und Portrait zeichne. Es wird ein sehr interessantes Gespräch. Und wieder verabschieden wir uns. Wir laufen weiter. Da plötzlich steht eine Skulptur, und eine Art Kugel. Sie sieht einfach wundervoll aus. Daneben ein Engel – eine andere Skulptur. Ich frage ihn, ob das eine Wurzel gewesen ist.

Er kommt wieder zu uns und erzählt uns davon, dass diese Wurzel zwei Tonnen wog. Er erzählt uns, wie er zu dieser Wurzel kam und wie schwierig es war, sie mit einer Eisenstange zu bewegen. Es ging nämlich nix. Gar nix. Ich glaube, mich erinnern zu können, dass er sagte, er habe 2,5 Jahre daran gearbeitet und drei Kettensägeblätter stumpf gemacht zu haben. Ich war erstaunt darüber.

Plötzlich zog ich meine Visitenkarte und überreichte sie ihm mit den Worten: „Ich weiß nicht, weshalb ich das tue. Ich habe gerade das innere Bedürfnis das zu tun!“. Er nahm sie, schaute sie sich an und steckte sie in seine Hemdsbrusttasche. Im Laufe unseres Gesprächs sagte ich ihm: „Sie laufen Gefahr, dass ich Sie anrufe.“ Er nickte mit dem Kopf als wolle er signalisieren: „Ja, gerne!“. Und dann zog er seine Karte und gab sie mir.

Ich spürte eine innere Ruhe in diesem Mann. Und sie war ansteckend. Ich sagte: „Darf ich sie etwas Indiskretes fragen?“ Er nickte, als wolle er sagen:“ Bitte, gerne“. „Wie fühlen Sie sich“, war meine indiskrete Frage. Er sagte. „Als eine Einheit. Seit ich mal meinem Schöpfer ganz nahe gekommen bin und weiß, das hier alles nur geliehen ist“.

“Ich spüre Sie“, sagte ich zu ihm. „Verstehen Sie, was ich sagen möchte?“ habe ich ihn gefragt. Er nickte, als wolle er sagen: „Ja, das tue ich!“. Er erzählte und von seinem Nahtoderlebnis. Ich war gefesselt. Ich spürte seine innere Ruhe, seine Einheit. Ich wollte etwas sagen. Ich bekam eine Gänsehaut, mir wären fast die Tränen gekommen. Ich konnte sie zurückhalten. Nein, nicht das WAS er erzählte, sondern wie er es erzählte, welche Worte er benutzte. Es war ansteckend. Ich versuchte, wieder etwas zu sagen. Ich konnte nicht. Es war wie eine sehr starke Kraft, die ich spürte. Als wenn seine „Glückseligkeit“ mich berührte. Ich bekam kein Wort heraus. Ich hörte ihm einfach zu. Ich dachte mir: „So kann nur jemand sprechen, der wirklich eine Einheit ist“.

„Ich spüre Sie“, sagte ich irgendwann wieder, als ich wieder „da“ war. „Ich könnte mich mit Ihnen hier stundelang unterhalten und ihnen zuhören.“. Er sagte: „Deshalb habe ich Ihnen meine Karte gegeben.“. So etwas nennen andere „Seelenverwandtschaft“. Wenn dieser Mensch eine Frau gewesen wäre, würde ich sagen, ich habe mein Gegenstück gefunden. Leider war das nicht so.

Dieses Erlebnis ist sehr selten zu finden. Es sucht dich nicht jeden Tag heim. Du musst sehr aufmerksam sein, um das wahrzunehmen. Das ist etwas Seltenes und Wundervolles. Dieses Erlebnis, diese innere „Ruhe“, durfte ich vor genau einem Jahr schon mal erleben. Es war das gleiche Gefühl. Etwas von Leichtigkeit, wie Schweben. Einfach wundervoll. Ich danke diesen beiden Menschen, die in mir dieses Gefühl ausgelöst haben. Denn, durch das Erlebnis letztes Jahr war ich heute in der Lage, es wieder wahrzunehmen. Von einem Mann. Na, und?
Es ist nicht möglich annähernd mit Worten zu beschreiben was ich gefühlt habe. Es ist auch nicht unbedingt nötig. Denn, es könnte passieren, dass dieses Erlebnis dadurch „zerstört“ wird. Ich behalte es in mir. Ich werde ihn anrufen. Mit Sicherheit. Ich werde versuchen mit ihm in Kontakt zu bleiben.

Was ist mit Elena? Äh, Helene! Wir werden den Kontakt halten, wir werden uns wieder sehen. Denn der Tag war sehr schön. Wir haben Gespräche geführt, wie wenn wir uns schon lange kennen. Doch wir haben festgestellt, dass die Chemie nicht passt. Für mehr. Auch dir Elena ein „Danke“ für diese Erfahrung. Denn hätten wir kein „blind Date“ heute, hätte ich kein Date mit mir selbst gehabt.

Ausgabe August 2014

Zwischen Stimmigkeit und Authentizität

Wann beginnt denn jemand ´zu sein´?
Authentisch, stimmig, kongruent?

Ist ein Säugling, der auf die Welt kommt, nicht per se authentisch?

Ist der Säugling nicht der, der er ist? Echt?

Was ist mit dem 1. Lächeln eines Säuglings. Ist das jetzt nicht authentisch, weil er das Lächeln gespiegelt bekam?

Aber, es ist doch sein ‚Lächeln*. seine Art zu lächeln.
Also, ich bin der Überzeugung, dass Authentizität in die Wiege gelegt wird.

 

Und als Grieche weiß ich, was das Wort bedeutet:

„Die Eigenschaft einer Person“ oder „das Original“.

Tja, haben Säuglinge keine Eigenschaften, wenn sie geboren werden?

Wie Original sollen sie sonst sein?

Was gibt es authentischeres, als Kinder … bevor sie verbogen, erzogen werden … und beginnen, sich so zu verändern, wie es von ihnen erwartet wird … um so die eigene Identität zu verlieren …

 

Meine persönliche Meinung ist *weiterhin*:

Egal wie sich ein Mensch verhält, im Laufe seines Lebens verhält, ER ist immer authentisch.

Zu jedem Augenblick, zu jeder Sekunde. Auch wenn es für andere nicht stimmig ist.

Wenn mein Wort und meine Stimme (Frequenz, Timbre,…), Körpersprache nicht zusammenpassen – was auch immer das jetzt ist – ist es vielleicht für andere nicht stimmig, doch ist es auf jeden Fall authentisch.

Wenn er in einem Moment lügt und in einem anderen die *Wahrheit* sagt, verhält er sich IMMER authentisch.

Denn er ist immer er, und der ist er dann auch.

Wenn er sich selbst nicht verlässt.

Ausgabe Juli 2014

Der Müll – Das Geschenk

Ich stehe beim Trölsch, möchte mir ein Frühstück holen.

Ich beobachte einen jungen Burschen – so ca. 3 Jahre alt.

Er sagt so vor sich hin: „Morgen, …, morgen, …, morgen.“

Keiner reagiert!

Er schaut mich an. Sagt „Morgen“.
„Morgen kleiner Mann“ sage ich.

Er reicht mir etwas rüber. Ein Blatt mit Stängel.

Braunes Blatt. Verwelkt!
Ich nehme es und bedanke mich.

Der junge Bursche freut sich, lächelt und dreht sich zur Mutter um.
Diese ist an der Kasse und bezahlt.
Sie kommt auf den Jungen zu und nimmt ihn bei der Hand.

Im Augenwinkel erkennt sie wohl, dass er mir dieses „Ding“ gegeben hat.

Dreht sich auf dem Absatz um und nimmt es mir aus der Hand.

Ohne mich zu fragen.

„Was glauben Sie wie es dem jungen Mann gefällt, wenn Sie mir das wieder wegnehmen?“ frage ich.
Sie schaut mich an und sagt: „Wollen Sie diesen Müll etwa haben?“
„Ich weiß nicht, ob der junge Mann das als Müll sieht“ sage ich.
Der junge Mann beobachtet das Ganze und will das Blatt aus der Hand seiner Mutter nehmen.

Sie schaut mich gleichzeitig entgeistert an und drückt mir das Blatt in die Hand, so als wolle sie sagen: „Hier haben Sie den Mist!“. Ich vermute das, weil ich ihren Gesichtsausdruck gesehen habe.

„Danke“ sage ich.

Der junge Mann ist irgendwie wieder fröhlich, als ich sein „Geschenk“ wieder habe.

Die beiden gehen.

„Genau“ sagt eine ältere Dame neben mir. „Sie haben Recht. Da sehen Sie mal, wie die heutige Generation so ist und denkt!“

„Nun,“ sage ich, „sie wissen es nicht besser!“

Ich habe mich eine Weile lang gefragt, was wohl die Mutter dazu veranlasst hat, so zu denken.

Ich werde es wohl nie erfahren.

© Georgios Mouratidis

Ausgabe Mai 2014

Was ist eine Wunde?

Wir sprechen hier nicht von einer „körperlichen“ Wunde, also nicht von einem Schnitt oder einer Aufschürfung. Wir reden hier von einer „inneren“ Wunde. Von einer „seelischen“ Wunde.

Für mich persönlich ist so eine Wunde eine eigene, private, mentale Erfahrung. Ein Gedanke. Ich denke, sage mir, ich bin verletzt, weil der oder die, das und das gemacht hat. Meiner Auffassung nach, kann mich niemand verletzen. In der deutschen Sprache würde grammatikalisch der Satz „…ich bin verletzt worden…“ heißen. Das impliziert, dass es jemanden gibt, den ich verantwortlich machen kann und auch möchte. Für das, was mir widerfahren ist. Vllt. liegt das daran, dass wir so denken, weil wir so zu denken erzogen wurden. Ich weiß es nicht. Weil wir nicht das bekommen haben, was wir wollten. Weil sich jemand nicht so verhalten hat, wie wir uns NIE verhalten würden. Weil wir anfangen, zu vergleichen. Rückschlüsse ziehen, weil wir dem anderen böse Absicht unterstellen WOLLEN, u.s.w. Ich weiß es nicht

Würden wir uns jedoch mal die Zeit nehmen und versuchen aufzuschreiben, was genau in einem vorgeht, wenn „ich mich verletzt denke“, dann bin ich überzeugt, dass sowas wie Gefühle und Emotionen hervorkommen werden. Emotionen bei nicht erfüllten Bedürfnissen. Emotionen die mir sagen, was ich annehmen möchte und was ich nicht annehmen möchte. Und wenn ich es daraus „lerne“, dass es an mir selber liegt, dann, und nur dann habe ich die Chance, es zu verändern. Letztendlich ver-Wunden wir uns selber.

Deswegen versuch(t)e ich in den letzten fünf Jahren an dem zu arbeiten. Meinem Gehirn soviel Positives wie möglich zu geben, es sozusagen zu „füttern“, damit mein Mandelkern dem Thalamus in Bruchteilen einer Mikrosekunde ein Schnäppchen schlagen kann. Damit meine Kognition nicht so schnell die Gelegenheit erhält „sich verletzt zu denken“.

Ja, es hat oft wehgetan, ich bin oft zurückgerudert, habe alte Pfade wieder eingeschlagen. Doch mein „inneres“* schrie. Ich beging Raubbau an meinem Ich. Am Georg. Also, habe ich mich wieder daran erinnert. Und immer wieder.  Es zu verändern. Dieses *verfluchte* Denken. Und nach und nach spürte ich, dass mein Körper viel mehr annehmen konnte und auch wollte. Und das was ich nicht annehmen wollte, habe ich auch ausgesprochen. Manchmal wölfisch und manchmal giraffisch. Doch eines lerne ich dabei: Niemand anders kann mich verletzen, oder Wunden zufügen. Das kann nur ich ganz alleine. Ja, das sind wirklich meine Gedanken. Ja, davon bin ich überzeugt. Es ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich.

„Wir können uns entscheiden weiter in unserer „Scheiße“ zu sitzen, weil sie warm hält. Und uns darüber wundern, dass es stinkt.“

Mich würde Eure Meinung dazu interessieren. Wie denkt ihr darüber?

 

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