Heinz Goebel

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Ausgabe Mai 2016

 

Der letzte Gast

Von allen Tugenden

war mir stets die

der Gastfreundschaft

die liebste.

 

Wie mancher trat

willkommen über

meine Schwelle

und sein verweilen

ward mir zum Geschenk.

 

Nun, ich alt bin,

steht mein Haus leer.

 

Wird nur einer noch

an meine Türe pochen,

dessen Einlass nicht

mein Herz begehrt –

 

Wird dennoch pochen

. . . und meine

liebste Tugend

arg ins Wanken bringen –

 

Ach übrigens:

der flüchtigste Gast,

dem je ich Obdach bot

. . . war meine Jugend.

( Aus „Licht von Sternenfeldern“)

 

Carola Matthiesen – Erinnerungen an eine Lyrikerin

Im Juni 1987 kam eine Kundin,  mit dem für mich damals völlig unbekannten Namen „Carola Matthiesen“,  in unsere Druckerei. Frau Matthiesen wollte ein Buch gedruckt haben. Da wir nur ein kleiner Familienbetrieb waren, kam plötzlich absolutes Neuland auf mich bzw. uns zu. Ein Buch zu drucken, das war damals nicht alltäglich für so eine kleine Firma. Ich war damals bereits Fotosetzer. Eine Ausbildung hatte ich als Schriftsetzer abgeschlossen. So begann ein völlig neues Zeitalter für mich und die gesamte Medienbranche. Es war wesentlich umfangreicher, insofern dass man gestalterisch mehr Möglichkeiten hatte.  Ich habe diese Herausforderung gerne angenommen

Das Buch sollte unter dem Titel „Licht von Sternenfeldern“ erscheinen. Nachdem ich mich mit Frau Matthiesen mehrmals getroffen hatte, um die ganzen Formalitäten und Einzelheiten durchzusprechen, stellte sich heraus, dass ich es schon zum damaligen Zeitpunkt mit einer sehr renommierten Lyrikerin zu tun hatte. Nachdem das Buch gedruckt und im Buchhandel erschienen war, hatte sich eine tiefe Freundschaft zwischen uns beiden entwickelt. Sie war nicht mehr Frau Matthiesen für mich, sondern wir haben uns dann gegenseitig, trotz des Altersunterschieds, das persönliche DU angeboten. Ich habe sogar für sie Lesungen an verschiedenen Orten organisiert, die sehr gut angenommen wurden.

Nach kurzer Zeit erschien dann das nächste Buch mit dem Titel „Dämmergrün vor meinem Fenster“. Frau Matthiesen war mittlerweile schon so bekannt, dass dann noch ein drittes Buch erschien mit der besonderen Gedichtform – Haiku – Tanka – Senryu – unter dem Titel „Spinnwebentage“ und über unseren Verlag herausgebracht wurde. Ihre Schaffenskraft wollte nicht enden.

Für Ihre Arbeiten wurde Sie mit folgenden Auszeichnung bzw. Preisen geehrt:

  • Leserpreis der Gesellschaft der Lyrikfreunde im Jahr 1993
  • 1. Preis zum Thema Balladen-Dichtung
  • der Gesellschaft der Lyrikfreunde im Jahr 1994
  • 1. Preis im Haiku-Wettbewerb

der Deutschen Haiku-Gesellschaft e.V. im Jahr 1999

Für mich war die Begegnung mit dieser Person schon eine Begegnung der besonderen Art, die mich in gewisser Weise für das weitere Leben geprägt hat. Mit ihren Texten hat sich für mich die Lyrik erschlossen und ich bin ihr immer treu geblieben. Leider ist Frau Matthiesen im vergangenen Jahr verstorben. Ich werde sie immer in guter Erinnerung behalten.

 

Carola Matthiesen, 9. November 1925;  † 29. April 2015

 

Bitte lesen Sie mehr über Carola Matthiesen

https://de.wikipedia.org/wiki/Carola_Matthiesen

 

 

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