Inge Kile

Inge Kile

Ausgabe Oktober 2016

Adé, adé – scheiden tut weh …

Ich habe in meinem Leben schon so viel gelernt, lernen müssen. Bis heute aber schaffe ich es nicht, problemlos los zu lassen, Abschied zu nehmen. Das, was ich liebe, möchte ich behalten. Möglichst für immer. Dabei ist es egal, ob es eine Sache, ein Gegenstand oder ein Mensch ist – Liebgewordenes soll bitte schön bei mir, in meiner unmittelbaren Nähe  bleiben. Punkt.

Die schlimmsten Abschiede sind immer die von Menschen.  Nicht immer findet ein Ab-schied freiwillig statt. Mich von einem Menschen zu trennen, ihn gehen zu lassen, gehen lassen zu müssen, tut manchmal auch nach etlichen Jahren noch weh.

Viel weniger spektakulär müsste also der Abschied von Gegenständen sein. Denkste, auch das gelingt mir nicht immer. Ich habe mich zwar in den vergangenen Jahren schon von vielen Dingen getrennt (überflüssige Gläser, Porzellan, Kleidung, Bücher etc.), aber ich weiß noch sehr gut, was für ein Angang das war. Und ehrlicherweise gebe ich zu, dass es nur geschah, weil ich umzog in eine kleinere Wohnung. Aber … ich habe eingesehen, dass zu viele Gegenstände auch belastend sein können.

Und nun heißt es Abschied nehmen von der Emotional Blue. Okay, nicht so ganz, zwei- bis dreimal pro Jahr wird sie ja noch erscheinen. Ich habe selten Beiträge für die Ausgaben geschrieben, aber sie sind mir trotzdem ans Herz gewachsen. Und alles, was mir ans Herz wächst … na, Sie wissen schon, nicht? Es hat ein klein wenig „gestochen“, als ich die Mail von Petra las. Da ich aber die Beweggründe von ihr sehr gut nachvollziehen kann, sie außerdem gar nicht so weit von mir weg wohnt, ist das Los-Lassen ein wenig einfacher.  Es ist ja kein Abschied für immer.

Liebe Petra, ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, dir an dieser Stelle meinen herz-lichen Dank zu sagen für deine Mühe, deine immer wieder neuen Ideen, dein Durchhalte-vermögen, für deine Ruhe und Beständigkeit, mit der du deinen Weg gehst. Weiter so…!

 

Ausgabe 8, Juli 2015

Was ist Liebe…

Ich habe schon oft überlegt, was Liebe ist. Die Liebe, die ich meine, ist die zum Partner. Früher hätte ich bestimmt gesagt etwas, das einen zittern und singen lässt oder wenn man weiche Knie hat und Schmetterlinge im Bauch… Aber heute? Jung bin ich nicht mehr, Erfahrungen habe ich viele gemacht. Heute würde ich so etwas nicht mehr sagen. Heute wüsste ich nicht mal, was ich antworten könnte, ich habe schlichtweg keine Antwort.

Gibt es sie überhaupt noch, die Liebe in Partnerschaften? Am Anfang sicher, aber wird sie mit den Jahren nicht geringer, verschwindet sogar ganz? Sehr nachdenklich machte mich vor einigen Jahren ein Bericht im Spiegel. Eine durchgeführte Studie hatte ergeben, dass sich viel zu viele Paare gerade noch so ca. 10 Minuten pro Tag unterhalten – häufig über die Arbeit oder die Kinder, fast nie über sich selbst. Nicht über ihre eigenen Wünsche oder  Träume und schon gar nicht über das, was sie stört, sorgt oder aber freut. Irgendwann stellte dann einer von beiden fest, dass man nur noch neben-einander her lebte, man trennte sich, ließ sich scheiden. Der nächste Partner/in kam und nach einiger Zeit fing das Drama von vorn an.

Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch, es gibt nicht nur solche Partnerschaften, nein, es gibt auch noch welche, die wunderbar sind, ich kenne einige.

Wir sind uns sicherlich einig, wenn ich behaupte, dass es sich in Filmen ganz sicher nicht um echte Liebe handelt – und wenn diese Filme noch so oft als „Herzkino“ angepriesen werden? Liebe ist bestimmt auch nicht das, was wir früher in Märchen lasen … und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…? Aber was ist denn nun Liebe, wie definiere ich sie? Die Antwort bekam ich durch eine Passage in einem Buch, Autorin und Titel habe ich leider vergessen. Eine junge Frau, 24 Jahre alt, enttäuscht von ihren bisherigen Beziehungen, fragt ihre Großmutter, was denn eigentlich Liebe sei, wie sie sie erkennen könne? Diese antwortet es ist so einfach, nur kommen die Menschen meist nicht drauf, da sie verlernt haben, nach dem Einfachen zu suchen… Liebe ist zwei offene Arme und ein offenes Ohr.

Ja, genau das ist es. So einfach. Jetzt auch für mich.

 

Ausgabe März 2015

Und immer noch…

Mit 15 wollte ich mit meinem Märchenprinzen auf seinem schwarzen Pferd dem Sonnenuntergang entgegen reiten, haach… – bis mir einfiel, dass ich nicht nur Angst vor Pferden hatte, sondern überhaupt nicht reiten konnte!

Kurze Zeit darauf wollte ich einen reichen Mann heiraten, um mir für den Rest meines Lebens eine Putzfrau leisten zu können. Die Aussage meiner Mutter, dass es sooo viele reiche Männer nicht gebe, wischte ich mit einer Handbewegung zur Seite. Für mich würde es einen geben. Punkt. – Überflüssig, zu erwähnen, dass ich bis heute auf einen reichen Mann warte.

Danach wollte ich als Sängerin berühmt werden. Ich spielte gut Gitarre, konnte auch gut singen (sagte man mir jedenfalls). Meine ersten „Konzerte“, so man sie nennen konnte, fanden im Flur einer alten Schule statt, wenn ich auf meinen Unterricht wartete. Und dort sang ich mit anderen Schülern laut, sehr laut. Z.B. „Geh‘n sie aus, vom Stadtpark die Laternen“ von Gitte und Rex Gildo, wobei das Wort „Lateeeernen“ mit mindestens 4 „e’s“  gesungen werden musste. Unsere Zuhörerschar vor dem Fenster draußen wurde größer und größer, allerdings waren Lehrer und Schüler im Klassenraum nicht entzückt, sie verstanden wegen unserer Lautstärke kein Wort. – Rennen Sie aber nun bloß nicht ins nächste Musikgeschäft, es gibt keine CD von mir.

Mit 16 wollte ich Kosmetikerin oder Maskenbildnerin werden. Ich hatte eine sehr genaue Vorstellung, ich wollte hässliche Entlein in wunderschöne Schwäne verwandeln (heute nennt man das Visagistin). Mein Vater machte mir einen Strich durch die Rechnung, ich sollte sein Baugeschäft übernehmen. Wogegen ich mich erfolgreich wehrte. Die Büroarbeit aber wurde ich bis zur Rente nicht los. Meine Kosmetik- und Modeleidenschaft wende ich bis heute mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg bei mir selbst an.

Mit 17 sollte es dann Turniertänzerin sein. Da ich sehr gut tanzen konnte, wurde ich vom Tanzlehrer nach meinem ersten Tanzkurs als Vortänzerin engagiert. Nach den öffentlichen Stunden trainierte er mich kostenlos weiter. Auch ein Tanzpartner fand sich, der übrigens meine erste, große Liebe wurde. Wir waren so gut, dass uns der Tanzlehrer zu einem Wettbewerb anmeldete. Zur Teilnahme kam es dennoch nicht, ich verdiente nur wenig, mein Vater hätte mir das Geld für ein Turnierkleid und –schuhe geben müssen. Was er nicht tat.  – Futsch der Traum, futsch auch meine erste, große Liebe, er hatte sich entliebt.

Jetzt bin ich im Rentenalter. Und immer noch habe ich Wünsche, Träume und Vorstellungen. Ich möchte z.B. gern noch mal … aber nee, das behalt ich für mich.

Ausgabe Januar 2015

Ein grandioses Jahr…

mit herrlichen Chancen verspricht mir das Jahreshoroskop in meiner Fernseh-zeitung. Ich soll zu den großen Gewinnern des Jahres gehören.

Glaube ich das? Vage kann ich mich erinnern, dass auch 2014 MEIN Jahr sein sollte. Das war es aber mitnichten. Zähle ich die Monate zusammen, in denen es mir einigermaßen gut ging, komme ich auf so zwei oder vielleicht drei. Wenn man bedenkt, dass das Jahr zwölf davon hat, ist das nicht gerade ein Ergebnis, das einen jubeln lässt. Allein stehe ich damit nicht, spontan könnte ich mehrere Personen aus meinem engsten Bekanntenkreis nennen, die 2014 ebenfalls zum größten Teil viel Kraft zur Bewältigung des Alltags benötigten.

Horoskopen sollte man also nicht trauen? Vielleicht nicht, aber ganz ehrlich? Es tut so gut, sich für einen klitzekleinen Moment in Sicherheit wiegen zu können, dass das neue Jahr besser als das alte wird. Es gibt Hoffnung, Auftrieb. Und ein klein wenig Trost für das vergangene Jahr.

Ausgabe November 2014

Friede auf Erden …

Schon seit Stunden sitzt sie in dicke Decken gewickelt auf ihrem Lieblingsplatz draußen in der Kälte und schaut in den Himmel. In ihrem Kopf ist nur ein einziger Gedanke: Bald ist Weihnachten, sie wird wie immer von ihrer Familie erwartet, 500 km entfernt von ihrem Wohnort. Lange schon will sie nicht mehr Weihnachten mit ihnen feiern, hat aber nie gewagt, das auszusprechen. Doch noch nie war ihr Widerwille so stark wie in diesem Jahr. Sie hat es so satt, so zu tun, als sei alles in Ordnung, als seien sie eine harmonische Familie.  Dass dem nicht so ist, weiß gerade sie am besten. Sie erträgt dieses „ach-wie-haben-wir-uns-doch-alle lieb“-Getue nicht mehr. Sie erträgt auch den spätestens am 1. Weihnachtstag auftretenden Streit nicht mehr und die Vorwürfe ihrer Mutter, dass ein „Karriereweib“ wie sie sich nicht wundern müsse, keinen passenden Mann zu finden, denn „Männer mögen keine Karriereweiber“. Sie will das alles nicht mehr. Wie kann das nur sein, im Beruf so erfolgreich, so durch-setzungsfähig, aber gegenüber ihrer Familie so ohne eigenen Willen, so hilflos?

Es ist schon fast 4:00 Uhr morgens, als sie endlich ins Bett geht. Vier Stunden später ruft ihr Chef an und bittet um ein Treffen, er möchte sein Weihnachtsgeschenk persönlich überreichen. Am liebsten würde sie sagen „ich möchte kein Geschenk“, stimmt dem Treffen dann doch zu. Er gibt ihr einen Umschlag, sie öffnet ihn, ihr stockt der Atem. Er enthält einen Gutschein für einen 12-tägigen Aufenthalt in einem Apartmenthotel an der Ostsee, anzutreten am 21. Dezember. Fassungslos schaut  sie ihren Chef an und stammelt „aber ich muss doch nach Hause!“ Seine Antwort kommt leise, aber sehr bestimmend „müssen Sie oder möchten Sie?“, dann geht er.

Auch Jahre später noch kann sie sich nicht erklären, woher der Mut kam, ihre Mutter anzurufen, ihr zu sagen, dass sie in diesem Jahr nicht zu Weihnachten nach Hause  komme. Sie berichtet vom Geschenk ihres Chefs und sagt sehr ruhig, sehr gefasst, ohne Zögern in der Stimme, dass sie dieses Geschenk annehme.  Und legt den Hörer auf, als ihre Mutter zu schimpfen begann.

Am 21. Dezember macht sie sich auf den Weg, mit  Gewissensbissen, aber auch mit einer bisher ungekannten Vorfreude. Als sie die Tür zu ihrem Apartment öffnet, entfährt ihr spontan „oh, wie schön…!“ Auf dem Tisch ein weihnachtlicher, wunder-schöner Blumenstrauß, ein gefüllter Nikolausteller. Und erst der Ausblick, einfach phänomenal – sie kann vom Bett aus aufs Meer schauen. Wenig später verlässt sie das Apartment, erkundet die Umgebung, von der sie sofort begeistert ist. Der Ort ist sehr klein, hat lediglich eine winzige Ladenzeile, ein gemütliches Restaurant, eine kleine Kirche. Liegt eingebettet in Wiesen, Felder, einem kleinen Wald und natürlich die Ostsee.

Heiligabend geht sie in die kleine Kirche, bewundert die einfach geschmückten Tannenbäume, schaut ein wenig gerührt auf die Krippe und lauscht der Weihnachts-botschaft des Pastors. Anschließend geht sie zurück in ihr kleines Apartment, schlüpft in ihre heiß geliebte Freizeithose und einen einfachen Rollkragenpullover („Kind, sooo kannst du doch Weihnachten nicht rumlaufen!!!“ Doch, sie kann!), zieht warme Stiefel an, hüllt sich in einen dicken Mantel und geht ans Meer.  Dort steht sie lange, genießt die Stille, schaut auf den Silberstreif, den der Mond aufs Wasser zaubert und in den wunderschönen Sternenhimmel und atmet ganz tief durch. Sie fühlt sich gut, so unglaublich gut. Nur ganz kurz denkt sie an ihre Familie. Zurück in ihrem Apart-ment, zündet sie die mitgebrachte Kerze an, mit geschlossenen Augen hört sie den Weihnachtsliedern aus dem Radio zu. „Friede auf Erden…“ endlich auch für sie. Noch ein wenig zögernd flüstert sie „frohe Weihnachten.“

Ausgabe September 2014

Schreckensmeldungen – nein, danke!

In der letzten Zeit ertappe ich mich immer häufiger dabei, nachzudenken, was es in dieser Zeit eigentlich an guten Dingen gibt? Spontan fallen mir viel mehr Dinge ein, die ich nicht so gut finde, als umgekehrt. Viel zu oft haben mich Ängste im Griff. Viel zu oft rege ich mich auf. Zum Teil ist das auch auf die Medien (Fernsehen, Rundfunk und Presse) zurückzuführen. Kommt nur mir das so vor oder werden wir immer häufiger mit Schreckensmeldungen  regelrecht überhäuft? Berichte über Auseinandersetzungen in Krisengebieten, Umweltkatastrophen, Selbsttötungen, Auslöschung von ganzen Familien und vieles, vieles mehr scheint die Berichterstattungen zu regieren. Ist es wirklich nötig, immer wieder zerstörte Gebäude, zerschossene oder bombardierte Autos, geschockte Menschen, weinende Kinder, schreiende Verletzte in Nahaufnahme zu zeigen? Muss das wirklich sein? Denkt denn niemand an die Angehörigen, deren Kinder in diesen Krisengebieten sind? Sie bangen doch eh schon Tag für Tag um sie, muss man sie dann auch noch mit diesen Bildern konfrontieren? Und ist wirklich jedes Mal eine Sondersendung im Fernsehen nötig, wenn Schlimmes passiert – wir haben es doch vorher schon in den Nachrichten gesehen oder gehört?!

Gibt es denn so gar nichts auf unserer großen, weiten Welt, das Hoffnung macht, uns lächeln lässt, uns unsere Ängste nimmt, uns positiv in jeden neuen Tag gehen lässt?

Ich ertrage das einfach nicht mehr und deshalb habe ich die Reißleine gezogen. Ich schaue und höre keine Nachrichten mehr. Ich will einfach an eine Welt glauben, in der nicht alles schlecht ist, Ich will an eine Zukunft ohne Schreckensszenario glauben.

Schließen möchte ich mit einer Textzeile aus einem Lied von Xavier Naidoo: Bitte hör‘ nicht auf, zu träumen von einer besseren Welt. Fangen wir an, aufzuräumen – bau sie auf, wie sie dir gefällt.

Bauen Sie mit mir mit?

 

Von nun an geht’s bergab

Ich bin ein wenig melancholisch. Wo sind sie hin, die Monate Mai, Juni, Juli, August? Zack, zack, zack… vorüber. 8 Monate weg, einfach so. Viel zu schnell. Jetzt geht es wieder los: morgens wird es später hell, abends früher dunkel. Helle und warme Abende? Vorbei! T-Shirts, kurze Hosen, Sandalen? Auch vorbei! Bald sind wieder dicke Pullover, Mäntel oder Jacken, Stiefel, Handschuhe, Schal, Mütze gefragt – man braucht viel länger zum An- und Ausziehen. Keine tollen Aussichten! Da tröstet es mich auch nicht, wenn ich zu hören bekomme, dass der Herbst doch auch noch schöne Tage bringen kann. Einzig meine Vorfreude auf den Winter hellt meine Stimmung ab und zu auf. Wobei… wenn es so einen gibt wie 2013/2014, dann gute Nacht!

 

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