Joachim Pudrel

Autorenbild_Joachim

Ausgabe 2017

Die Kraft der Gedanken

„Es sind doch nur ein paar Gedanken“
wispert lächelnd der Schattenmann.
„Sie bringen nichts ins Wanken
was nicht von sich aus wanken kann.“

„Ich kenne der Gedanken Kraft“
erwiderte das alte, weise Wesen.
„Was ein einziger Gedanke schafft,
Das schaffen keine tausend Besen.“
Die Kraft der Gedanken

Um die Mittagszeit war es immer sehr ruhig im Park. Aber heute hatte es auch noch begonnen zu nieseln und der leichte Regen schien sämtliche Geräusche der Umgebung zu verschlucken. Ein alter Mann war schutzsuchend in einen Pavillon geflüchtet und hatte sich dort im hinteren Teil des Bauwerks auf einer Holzbank niedergelassen.
Zwei Männer kamen raschen Schrittes über den Rasen gelaufen und steuerten ebenfalls den Pavillon an. Als sie ihn erreicht hatten, stiegen sie die drei Stufen zur überdachten Veranda hinauf und blieben dort stehen.
Der eine war ein elegant gekleideter Mann in den mittleren Jahren. Seine Haltung hatte etwas Aristokratisches an sich und er strahlte Autorität aus. Ein aus massivem Mahagoni gefertigter und mit reichlich Silberapplikationen verzierter Spazierstock unterstrich den herrschaftlichen Auftritt noch.
Der Mann trug ein weites, leichtes Regencape und da er die breite Kapuze nicht abgesetzt hatte, wirke er irgendwie unheimlich. „Ein Schattenmann“, kam es dem alten Mann in den Sinn.
Seine Begleitung war deutlich jünger, vielleicht beinahe noch jugendlich. Er hatte von seinem äußeren Erscheinungsbild her so gar nichts mit dem Schattenmann gemein. Er wirkte kräftig, beinahe ein wenig gedrungen, was jedoch vielleicht auch auf seine Körperhaltung zurückzuführen war. Diese konnte man am ehesten als halb lauernd, halb geduckt bezeichnen. Seine derben Gesichtszüge deuteten auf ein eher schlichtes Gemüt hin. Weder der Schattenmann noch sein junger Begleiter schienen den Alten im Inneren des Unterstandes bemerkt zu haben.

„Es sind doch nur Gedanken“ sprach der Schattenmann mit schmeichlerischer Stimme und lächelte dabei auf eine kühle und doch verführerische Art. „Die Gedanken sind frei, sie wollen gedacht werden und niemand darf sie einsperren oder sie auch nur behindern.“

Der jungen Mann erwiderte: „Ich sehe das genauso. Der Gedanke ist, was zählt, das weiß doch jedes Kind.
Gedanken sollen stark und frei sein, so wie ich. Man darf sie nicht in Ketten legen, wie man auch mich nicht zügeln darf. Den Gedanken ist Respekt zu zollen, den Anspruch erheben sie völlig zu Recht.“
Der ernste, energische Blick des jungen Mannes und seine geröteten Wangen spiegelten die tiefe Überzeugung von der Wahrhaftigkeit seiner eigenen Gedanken wider.

Der Schattenmann nickte zufrieden und zeigte nun ein breites Grinsen unter seiner Kapuze. „Du hast es erfasst. Lass Dir nur keine Fesseln anlegen, denn jeder deiner Gedanken ist von Natur aus erhaben. Nutze ihn so gut Du nur kannst, dann wird er Dir stets dienen. Dann gibt er Dir die Kraft, Dich an jedes Ziel zu führen. Und alles wird gut, wenn Deinen Gedanken zur rechten Zeit die rechten Taten folgen.“

Der alte Mann hatte im hinteren Teil des Pavillons das Gespräch der beiden Männer verfolgt. Unwillkürlich hatte er dabei begonnen, auf seiner Holzbank vor und zurück zu wippen. Zunächst ganz leicht, dann etwas stärker, bis plötzlich die Holzbank ein knarzendes Geräusch verursachte, welches den jungen Mann herumfahren ließ.

„Was soll das Gezappel, Alter?“ rief der junge Mann, „Dein Schwanken stört meinen Gedanken. Willst Du sie etwa in die Schranken weisen?“

Dem Schattenmann entglitt sein Lächeln, nur für einen Augenblick, dann blickte er wieder freundlich zu dem jungen Mann herüber und sagte: „Ach lass ihn doch, den Alten. Er ist nur neidisch auf Deine Jugend, Deine Kraft und vor allem auf Deine kühnen , unbezwingbaren Gedanken. Beachte ihn erst gar nicht.“

Der Alte sah den Schattenmann unerschrocken an und sagte: „Ich neide ihm weder seine Jugend, noch seine Kraft. Kraft und Jugend sind vergänglich … nur die Gedanken, die sind es vielleicht nicht.“
Dann wand er sich dem jungen Mann entgegen. „Ich gebe Dir in einem gerne recht: Gedanken einzusperren ist schlecht möglich, sie kommen dann und wann ganz ungefragt. Damit muss man leben.
Aber anzunehmen, dass jeder Gedanke von Natur aus gut ist, das ist ein Irrtum, der zum Verhängnis werden kann. Ein Gedanke ist ja niemals völlig unabhängig von anderen Gedanken … vor allem aber ist er selten unabhängig von den Gedanken anderer. Jeder Gedanke beruht auf Gedanken, die schon da sind, egal ob diese ganz offensichtlich von anderen ersonnen wurden oder ob Du glaubst, sie ganz allein erdacht zu haben.“

„Alter Mann“, knurrte der Schattenmann, „lass es gut sein und sieh zu, dass Du nach Hause kommst. Du redest wirr, das will hier niemand hören.“

Der junge Mann sah etwas verwirrt aus. Er verstand nicht, was der Alte eigentlich von ihm wollte und aus welchem Grund der Alte solch eine Rede führte.

Der Alte ignorierte die Worte des Schattenmannes und sprach weiter in Richtung des jungen Mannes: „Denn glaube einem alten Mann, kein Gedanke ist tatsächlich das ausschließliche Produkt der eigenen geistigen Schaffenskraft. Die meisten Gedanken, die uns Menschen tagtäglich bewegen, die sind einfach nur nach-gedacht. Mit dem Gehirn ist es nämlich so, dass es im Grunde denkfaul ist und am liebsten den ganzen Tag nur schlummern will. Wenn man es nicht zu anderem zwingt, so schiebt’s im besten Falle gerade raus, was zuvor reingeschoben wurde.“

„Es reicht jetzt!“ Der Schattenmann fuhr mit lauter Stimme auf. „Alter, geh endlich nach Hause, sonst läufst Du Gefahr, die Kraft des reinen Gedankens gleich handfest am eigenen Leib zu erfahren. Schweig also und behalte Deine Lügen für Dich.“

Man sah dem jungen Mann sein Unverständnis an. Er wirkt auch zornig und rief laut aus: „Was soll das heißen, Alter? Willst Du mir sagen, dass meine Gedanken gar nicht meine Gedanken sind? Denkst Du, ich sei zu dumm eigene Gedanken zu haben? Woher willst Du überhaupt wissen, was ich denke? Du alter greiser Tatterich!“

„Er kann gar nichts wissen.“, zischte der Schattenmann, „Er will dich mit seinen Beleidigungen nur reizen. Lass dich nicht für dumm verkaufen.“

„Es liegt mir fern, Dich zu beleidigen, mein junger Freund“, sprach der Alte, „und ich weiß natürlich nicht genau, welcher Gedanke Dich gerade jetzt beschäftigt. Ich bin ja kein Gedankenleser.
Mir geht es nur darum, Dich zu warnen. Denn jeder isolierte Gedanke kann sich versteifen und dann sehr gefährlich werden. Daher ist es Pflicht, die Folgen eines Gedankens abzuschätzen und stets zu hinterfragen, woher der Gedanke denn tatsächlich rührt und wohin er führt. Ist es wirklich mein Gedanke oder wurde ich verführt. Vertraue nie Deinem ersten Gedanken bedenkenlos, bleib kritisch und prüfe, ob Du nicht getäuscht und betrogen wirst.“
Während der alte Mann gesprochen hatte, waren der Schattenmann und der Jüngling nach hinten in den Pavillon geschritten und standen nun direkt vor der Bank.

„Lass ihn so lästerlich nicht mit Dir reden!“ Der Schattenmann sprach ruhig und klar an seinen jungen Gefährten gewandt. „Damit darf er nicht durchkommen … wenn Du ihn jetzt ungestraft gehen lässt, dann wird er es weiter erzählen und Dich und Deine Gedanken in aller Öffentlichkeit der Lächerlichkeit preisgeben.“ Wie zufällig hielt er seinen edlen Spazierstock in Richtung des jungen Mannes. Dieser ergriff unwillkürlich den Stock.

„Steh auf und geh, Du alter, hässlicher, kleiner Mann!“ rief der erzürnte junge Bursche. „Ich brauche Deine Belehrung nicht und lasse mir von Dir doch keine Regeln setzen. Hast ja nicht mal mehr eigene Zähne im Maul. Geh endlich, mach Dich hinfort, sonst bringe ich Dir den richtigen Gedanken nur zu gern bei.“ Er hob drohend den Arm, den Stock dabei so fest umklammernd, dass die Knöchel seiner Faust weiß wurden. Adrenalin schoss mit Hochdruck durch seine Venen. „Steh endlich auf!“

Der Alte man sah sich hilfesuchend um. Erst jetzt wurde ihm klar, in welch scheußliche Lage ihn sein eigener Gedanke gebracht hatte. Wieso hatte er seine eigenen Prinzipien nur außer Acht gelassen und nicht bedacht, was aus seinem reinen, guten, aufklärerischen Gedanken für eine Situation erwachsen könnte?

„Zum allerletzten Mal: Steh auf!“ Die Stimme des jungen Mannes überschlug sich in heiserem Geschrei. Dabei standen sowohl er als auch der Schattenmann so dicht vor der Bank, dass sich der Alte kaum mehr rühren konnte.
Mit zitternder Stimme sage der Alte: „Das würde ich ja, wenn ich könnte. Wenn Ihr eventuell einen Schritt zurück … “
„Ich wusste es“, sagte der Schattenmann, „Er hört nicht auf. Er verhöhnt dich und Deine Gedanken ein ums andere Mal, mein junger Gefährte. Du weißt, was Du zu tun hast.“
„Jaaaaa! So spüre denn die Kraft meiner Gedanken! Du elendes, altes Lästermaul!“ Und mit diesem Ausruf ließ der junge Mann den schweren Stock mit voller Wucht auf den Schädel des Alten niederfahren.

Den Rest erspare ich Euch liebe Leser. Macht Euch dazu bitte Eure eigenen Gedanken.

park-884565_1280

Ausgabe Oktober 2015

Impressionen – Eindrücke für Geist und Seele

 

Ein Leben völlig ohne Impressionen,

wie sollte das wohl sein?

 

Es würde mich vor manchem schonen,

doch wär‘ ich dann nicht stets allein?

 

Impressionen sind mir deshalb recht,

seien sie bald gut, bald schlecht,

dürfen mich wohl gerne necken,

wenn sie nur Gefühle wecken.

 

Gefühle sind des Lebens wahrer Sinn.

Solange ich sie spüre, weiß ich dass ich bin.

 

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

als ich vor reichlich zwei Monaten, Anfang Juli, Petra Milkereit

fragte, ob ich wohl auch einen Beitrag und ein paar Bilder zur

BLUE Ausgabe Nr. 9 beisteuern dürfte, da hatte ich ein Thema und

das Konzept zum Artikel schon ganz fest im Kopf.

 

 

„Impressionen“ sollte der Titel lauten und ich wollte etwas

Kluges darüber schreiben, wie wichtig es für die Zufriedenheit,

die Zuversicht und das Wohlbefinden eines jeden Menschen

ist, sich seine eigenen Eindrücke abzusammeln und zwar aktiv

und ganz bewusst.

Mein Konzept sah vor, ausgehend von einer These bezüglich

der Zusammenhänge zwischen Impressionen – im Sinne

bewusst wahrgenommener Erlebnisse – und dem subjektiven

Lebensgefühl, zu einer Art Reiz-Reaktions-Modells zu gelangen,

welches ich schlussendlich anhand meiner eigenen

Erfahrungen veranschaulichen würde.

 

Dass ich zu solch einer Veranschaulichung – im wahrsten Sinn

des Wortes – genügend Bildmaterial haben würde, davon

durfte ich im Juli schon fest ausgehen. Denn meine zweite

Foto-Tour des Jahres stand unmittelbar bevor.

Vier fotografische Wochen mit Aufenthalten in Dänemark,

Schweden, Norwegen und Finnland standen auf dem Plan.

Mit einem kleinen Zwischenstopp zu einem XING-Treffen in

Leipzig, aber das wäre eine ganz andere Geschichte.

 

Auch von der ersten Foto-Tour im April,  gab es schon sehr

viele hübsche festgehaltene Momente … aus Holland, Belgien,

England, Frankreich, Spanien, Portugal, sowie Andorra.

Visuelles Material en masse, fixierte Impressionen, zur

Untermalung des geplanten Textes sicherlich bestens geeignet.

 

Denn auch wenn es eine alte Binsenweisheit ist, so gilt sie

doch noch heute: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

 

„Das Leben ist schön!“

 

Dies sollte der inhaltliche Tenor meines Artikels werden. Er

sollte Euch,  der hochverehrten Leserschaft, in erster Linie

eine visuelle Freude, aber gleichzeitig auch Ansporn sein.

„Auf auf zum Kampf du fauler Leser“, hätte der Artikel euch

dann möglicherweise zugerufen und vielleicht außerdem

erklärt: „Glück und Zufriedenheit kommen nicht von ganz

allein, dafür muss man sich bewegen.“

Zu gerne wollte ich in Worten und in Bildern schwelgen und

euch dadurch dazu animieren, selbst ‚mal wieder was zu

wagen. Etwas, das vielleicht ein bisschen verrückt und

außerhalb der Norm zu suchen wäre. Vielleicht ein klitze-

kleines Abenteuer.

 

„Das Leben ist schön!“

 

Ja, ja, das hätte ich euch nur zu gern geschrieben, von Herzen

kommend und aus Überzeugung. Doch leider kam mir diesmal

was dazwischen, etwas Altbekanntes, das ich jedoch weder

eingeladen, noch zum Besuch erwartet hatte. Was da so

überraschend, völlig unpassend, unerwünscht und plötzlich

auf der Matte stand, nenne ich My Mood, meine kleine Laune.

 

 

Keine Sorge, ich werde auch in Begleitung von My Mood den

Titel des Artikels nicht mehr von „Europäische Impressionen“

in „Europäische Depressionen“ umbenennen. Dieser Art ist

meine Laune nicht.

 

My Mood ist andere Natur, ist geprägt von Skepsis, Zorn und

von Zynismus. Sie infiziert mich und meint ständig sie müsse

mir die Augen öffnen, über das wahre Wesen meines Seins

und das der ganzen Welt.

 

„Das Leben ist schön!“

 

„Ja …“, sagt My Mood „… für einige ist es immer schön, für

manche manchmal, für viele selten und für die meisten nie.

Sieh doch all die Bilder, die Du mitgebracht hast einmal ganz

genau an, ohne jegliche romantische Verbrämung.“

 

Und wie sie das so sagt, da fühle ich mich auf das Peinlichste berührt, denn ich weiß ja ganz genau wie sie recht hat.

All die schönen Orte haben ihre Schattenseiten und dort wo ich

so ungeniert touristisch unterwegs bin, ist überall auch Armut,

Krankheit und Verfall daheim.

Um mich herum so viele Menschen die bedürftig sind und

sicher Hilfe bräuchte.

Wie kann ich denn angesichts dieses Bewusstseins, den

eigenen Wohlstand noch ertragen?

 

 

Wie ich ihn ertrage, diesen Wohlstand, der wohl für viele

Menschen auf der Welt bereits ein Reichtum wäre, dass kann

ich gar nicht sagen.

Was ich aber sehr wohl sagen kann ist, dass ich mein

sorgenfreies Leben nicht nur recht leicht ertrage, sondern

mich genau genommen sogar schamlos darin suhle.

 

„Tja …“ sagt da My Mood zu mir „… glaubst du denn, dass du

dich dann noch einen guten Menschen nenne darfst?“

 

Vermutlich nicht, befürchte ich und fühle in mir eine völlig

unangebrachte Wut aufsteigen … zählt es denn gar nicht, dass

ich für meinen status quo auch ordentlich hab‘ schuften

müssen und immer fleißig war?

 

„Nein!“ sagt mein Mood „Solange nicht alle die gleichen

Möglichkeiten haben diesen Wohlstand zu erlangen, da gibt es

keine Rechtfertigung.“

 

Ich hoffe sehr, dass My Mood bald wieder abreist. Ich würde

euch nämlich gerne zeigen, was es für schöne Ort gibt, ich

würde gerne all die schönen, angenehmen und bequemen

Impressionen mit euch teilen.

 

Vielleicht beim nächsten Mal … in der BLUE Nummer 10.

 

Ausgabe Oktober 2015

Impressionen – Eindrücke für Geist und Seele

 

Ein Leben völlig ohne Impressionen,

wie sollte das wohl sein?

 

Es würde mich vor manchem schonen,

doch wär‘ ich dann nicht stets allein?

 

Impressionen sind mir deshalb recht,

seien sie bald gut, bald schlecht,

dürfen mich wohl gerne necken,

wenn sie nur Gefühle wecken.

 

Gefühle sind des Lebens wahrer Sinn.

Solange ich sie spüre, weiß ich dass ich bin.

 

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

als ich vor reichlich zwei Monaten, Anfang Juli, Petra Milkereit  fragte, ob ich wohl auch einen Beitrag und ein paar Bilder zur  BLUE Ausgabe Nr. 9 beisteuern dürfte, da hatte ich ein Thema und  das Konzept zum Artikel schon ganz fest im Kopf.

„Impressionen“ sollte der Titel lauten und ich wollte etwas  Kluges darüber schreiben, wie wichtig es für die Zufriedenheit,  die Zuversicht und das Wohlbefinden eines jeden Menschen ist, sich seine eigenen Eindrücke abzusammeln und zwar aktiv und ganz bewusst.

Mein Konzept sah vor, ausgehend von einer These bezüglich der Zusammenhänge zwischen Impressionen – im Sinne bewusst wahrgenommener Erlebnisse – und dem subjektiven Lebensgefühl, zu einer Art Reiz-Reaktions-Modells zu gelangen, welches ich schlussendlich anhand meiner eigenen Erfahrungen veranschaulichen würde.

Dass ich zu solch einer Veranschaulichung – im wahrsten Sinn des Wortes – genügend Bildmaterial haben würde, davon durfte ich im Juli schon fest ausgehen. Denn meine zweite Foto-Tour des Jahres stand unmittelbar bevor.

Vier fotografische Wochen mit Aufenthalten in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland standen auf dem Plan. Mit einem kleinen Zwischenstopp zu einem XING-Treffen in Leipzig, aber das wäre eine ganz andere Geschichte.

Auch von der ersten Foto-Tour im April,  gab es schon sehr viele hübsche festgehaltene Momente … aus Holland, Belgien, England, Frankreich, Spanien, Portugal, sowie Andorra. Visuelles Material en masse, fixierte Impressionen, zur Untermalung des geplanten Textes sicherlich bestens geeignet.

Denn auch wenn es eine alte Binsenweisheit ist, so gilt sie doch noch heute: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

„Das Leben ist schön!“

Dies sollte der inhaltliche Tenor meines Artikels werden. Er sollte Euch,  der hochverehrten Leserschaft, in erster Linie eine visuelle Freude, aber gleichzeitig auch Ansporn sein.

„Auf auf zum Kampf du fauler Leser“, hätte der Artikel euch dann möglicherweise zugerufen und vielleicht außerdem erklärt: „Glück und Zufriedenheit kommen nicht von ganz allein, dafür muss man sich bewegen.“

Zu gerne wollte ich in Worten und in Bildern schwelgen und euch dadurch dazu animieren, selbst ‚mal wieder was zu wagen. Etwas, das vielleicht ein bisschen verrückt und außerhalb der Norm zu suchen wäre. Vielleicht ein klitze-kleines Abenteuer.

„Das Leben ist schön!“

Ja, ja, das hätte ich euch nur zu gern geschrieben, von Herzen kommend und aus Überzeugung. Doch leider kam mir diesmal was dazwischen, etwas Altbekanntes, das ich jedoch weder eingeladen, noch zum Besuch erwartet hatte. Was da so überraschend, völlig unpassend, unerwünscht und plötzlich auf der Matte stand, nenne ich My Mood, meine kleine Laune.

Keine Sorge, ich werde auch in Begleitung von My Mood den Titel des Artikels nicht mehr von „Europäische Impressionen“ in „Europäische Depressionen“ umbenennen. Dieser Art ist meine Laune nicht.

My Mood ist andere Natur, ist geprägt von Skepsis, Zorn und von Zynismus. Sie infiziert mich und meint ständig sie müsse mir die Augen öffnen, über das wahre Wesen meines Seins und das der ganzen Welt.

„Das Leben ist schön!“

„Ja …“, sagt My Mood „… für einige ist es immer schön, für manche manchmal, für viele selten und für die meisten nie.

Sieh doch all die Bilder, die Du mitgebracht hast einmal ganz genau an, ohne jegliche romantische Verbrämung.“

Und wie sie das so sagt, da fühle ich mich auf das Peinlichste berührt, denn ich weiß ja ganz genau wie sie recht hat. All die schönen Orte haben ihre Schattenseiten und dort wo ich so ungeniert touristisch unterwegs bin, ist überall auch Armut, Krankheit und Verfall daheim.

Um mich herum so viele Menschen die bedürftig sind und sicher Hilfe bräuchte. Wie kann ich denn angesichts dieses Bewusstseins, den eigenen Wohlstand noch ertragen?

Wie ich ihn ertrage, diesen Wohlstand, der wohl für viele Menschen auf der Welt bereits ein Reichtum wäre, dass kann ich gar nicht sagen. Was ich aber sehr wohl sagen kann ist, dass ich mein sorgenfreies Leben nicht nur recht leicht ertrage, sondern mich genau genommen sogar schamlos darin suhle.

„Tja …“ sagt da My Mood zu mir „… glaubst du denn, dass du dich dann noch einen guten Menschen nenne darfst?“ Vermutlich nicht, befürchte ich und fühle in mir eine völlig  unangebrachte Wut aufsteigen … zählt es denn gar nicht, dass ich für meinen Status Quo auch ordentlich hab‘ schuften müssen und immer fleißig war?

„Nein!“ sagt mein Mood „Solange nicht alle die gleichen Möglichkeiten haben diesen Wohlstand zu erlangen, da gibt es keine Rechtfertigung.“

Ich hoffe sehr, dass My Mood bald wieder abreist. Ich würde euch nämlich gerne zeigen, was es für schöne Ort gibt, ich würde gerne all die schönen, angenehmen und bequemen Impressionen mit euch teilen.

Vielleicht beim nächsten Mal … in der BLUE Nummer 10.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s