Patrizia Brand

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PATRIZIA BRAND SCHWEIZ

Ausgabe Oktober 2016

 

Jonglierte Würde

Mit zarten 19 Jahren sass Samantha Boll in ihrer winzigen Ein-Zimmer-Wohnung,  als sie zu ersten Mal in ihrer unglaublichen Traurigkeit mit Worten zu  jonglieren begann.

Wort für Wort brach aus ihr heraus, um sich eins an das andere zu reihen, bis ein vielleicht etwas unbeholfenes, erstes Gedicht entstand…

 

Stärke

1980

Du willst mich zu Boden schlage?

Du willst mich auch noch treten?

Du willst tatsächlich sehen, wie ich krieche?

Doch ich bleib stark!

Du kannst mich nie ganz vernichten.

Du kannst sehen, wie ich über dir stehe.

Du kannst meine Kraft genau spüren.

Denn ich bleib stark!

Du wolltest sehen, wie schmerzend du bist.

Du wolltest etwas sehr wertvolles zerstören.

Du wirst daran irgendwann selber zu Grunde gehen.

Doch ich bleib stark und sehe dich zu Boden gehen!

In dieser Nacht begann Sam unaufhörlich zu schreiben und tippte auf ihrer alten Schreibmaschine herum,  bis Gedicht um  Gedicht entstand.

Dann suchte Samantha ihren ganzen Mut zusammen und obwohl ihr bereits in der Schulzeit eine Legasthenie diagnostiziert wurde,  ging sie mit ihren, an die etwa 200 Seiten zum Copyshop, wo sie mit ihrem letzten Geld 12 Kopien davon machte.

Gespannt packte sie 12 grosse Kuverts, tippte die Begleitschreiben an 12 unterschiedliche Verlage und brachte sie aufgeregt zur Post.

Wie von Sinnen träumte Sam in den folgenden Tagen von ihrem eigenen Gedichtband – eines wie von ihrem Vorbild „Kristiane Allert-Wybranitz“, deren Bücher in Reih und Glied in ihrem Regal standen.

Die ersten beiden Antworten der Verlage waren höflich formuliert und liessen Sam wissen, dass sie keine Kapazitäten mehr hätten für weitere Autoren. Jedoch die dritte und letzte Antwort auf die 12 eingereichten Manuskripte, hatte es wirklich in sich.

Zum X-ten Mal las Sam sich in ihrem kleinen Zimmer laut vor…

Sehr geehrte Frau Boll

Unter Berücksichtigung ihrer unglaublich vielen grammatikalischen Fehler würden wir ihnen eher einen Deutsch-Kurs empfehlen, als eine Veröffentlichung ihrer eingereichten Zeilen in Erwägung zu ziehen…

Mutlos und in ihrem Leben bestätigt, wie Mutter zu sagen pflegte „Mädchen du bist nur ein Haufen Dreck und du kannst absolut nix“, zog Sam die Konsequenzen und schrieb von da an kein weiteres Wort – bis…

Gute 35 Jahre später traf Sam virtuell auf den Lyrika Verlag und fing erneut an zu träumen, vielleicht – ja vielleicht einmal wieder schreiben zu dürfen – ja können.

Während einem weiteren Jahr stellte sich Sam täglich vor wie es denn sein könnte wenn Menschen sich an ihren Worten erfreuen würden.

Und dann kam der bewusste Nachmittag – der eine  Augenblick im Leben, wo man alles auf eine Karte setzt, seinen ganzen Mut zusammen nimmt und einfach diesen einen, entscheidenden Schritt wagt.

Sam – Balkon – Laptop – Tisch und Stuhl und die Zeilen explodierten auf dem leere Word File wie von selbst und Samantha jonglierte gefühlvoll Wort für Wort zur Kurzgeschichte. Dann, mit dieser Euphorie im Herzen, fügte Sam diese Geschichte, wie ferngesteuert in den Mail Anhang ein – und – – –  Klick – Senden…

Im selben Augenblick suchte Sam nach der Löschfunktion in ihrem Mail Account und stellte mit Schrecken fest, dass es sowas gar nicht gibt – herrje, sie hatte die Geschichte tatsächlich an den Lyrika Verlag versendet.

Minuten wurden zu Stunden. Nägel beissend starte Samantha gebannt auf ihren E-Mail Posteingang…

Bing!

E-Mail für dich

Ungläubig starrend auf die Eins im Posteingang und den Absender „Lyrika Verlag“ steckte sich Sam erst eine Zigarette an und fragte sich wie sie wohl mit dieser, einen weiteren Absage umgehen könnte – würde.

Als Samantha, nach einer gefüllten viertel Stunde die E-Mail las, traf sie der Blitz –  als wäre sie von Amors Pfeil getroffen worden.

Sie schrie mit aller Kraft „JA JA JA“ warf die Hände in die Luft, tanzte durch das Zimmer und ließ die Schmetterlinge im Körper fliegen. Wow – was für ein Gefühl.

Sam’s Geschichte wird tatsächlich veröffentlicht, die jonglierten Worte genügen  effektiv, um gelesen zu werden, dachte Sam.

Jedoch als der Link „www.emotionalblue.de“ zur online gestellten Kurzgeschichte kam, brach die unscheinbare Samantha Boll in Tränen aus und war restlos überwältigt von dieser einen Chance des Lyrika Verlages. Nach so unendlich langer Zeit kam Sam ihrem Kindheitstraum, eines Tages Menschen mit Worten berühren zu können, so nahe wie nie zu vor. Unvorstellbar, jedoch schwarz auf weiss sichtbar, sogar mit Ton zu hören.

Yes – mein Gott die dumme Nichts-Könnerin Samantha hat ihre erste Kurzgeschichte veröffentlicht im online Magazin EMOTIONALBLUE und Sam schrie es in die Welt hinaus. Jedem, der es nicht hören und jedem der es lesen wollte.

Endlich hatte Sam ein Stück Würde zurück  und endlich durfte Sam trotz Handikap  ein ganz grosses Stück Selbstwertgefühl gewinnen durch eine unglaublich herzliche Geste des Lyrika Verlages.

Wie unglaublich die Wege des Lebens auch sein können, so hat Sam in diesem Moment erfahren, wie enorm gross Menschlichkeit sein kann und wie extrem wichtig für das Gegenüber es ist, vielleicht auch mal hinter die Fassade, sprich hinter die offensichtlichen Fehler zu schauen.

Ausgabe August 2016

 Gekritzel auf Bohnenstroh?

Traurigkeit verdunkelte meinen Geist, meine Güte vor lauter Tränen fehlte mir auch noch die Sicht und meine Nase triefte vor lauter Geheule.

Kauernd, zusammengerollt in der Ecke meiner ein Zimmer Wohnung durchtränkte ich den neuen Berberteppich mit meinem Geflenne und schimpfe lauthals vor mich hin: „Warum ich, Gott! Warum bloss immer nur ich“?

Und weiter geht es mit der Selbstkasteiung.

„Du dumme Kuh, dass hättest du doch kommen sehen müssen. Du blöder

                    Esel lässt dich aber auch zu leicht bescheissen. Hat er doch gesagt, er liebt mich!

                   Du einfältiges Huhn du, hast du nicht gesehen, wie er lügt?

                   Warum Gott, warum nur immer ich?

                   Kannst du‘s denn nicht einmal richtig machen! Musst du Trottel denn immer alles in den Sand setzen? Eine so verdammt blöde Kuh.

                   Hat nicht Mutter schon immer gesagt DU BEKOMMST DAS SOWIESO NICHT

                   GEBACKEN? Nichts kannst du! Nichts bekommst du auf die Reihe, ein ewiger

                   Verlierer bist du und wirst du immer bleiben!

                   Mädel, du bist ja dumm wie Bohnenstroh!

Wie Mutter stets zu pflegen sagte: Mädchen, du bist echt dumm wie Bohnenstroh. Noch lange hallt dieser Satz im winzigen Zimmer nach und frisst sich noch tiefer in meine Gedanken.

„Ja, meine Gute, du bist nun mal echt so dumm wie Bohnenstroh!“

ich hörte mich laut sprechen und immer und immer wieder, wiederholen….

„Kapier es endlich – DU BIST DÜMMER AlS BOHNENSTROH!“

Allmählich schlich sich ganz heimlich eine Wut in mir hoch. Erst leise pochend schob sie sich langsam nach oben, beinahe unmerklich jedoch leise klopfend immer weiter hinauf. Meine Gefühle schienen Achterbahn zu fahren! Obwohl ich noch immer Flugzeuge im Bauch hatte, dachte ich, dass ich gleich zerplatzen müsste.

Hastig grabschte ich unter dem Bett nach dem kleinen, hübschen Büchlein, das ich unlängst beim Chinesen erworben hatte und das mit wundervollen, exotischen Pflanzen bestickt war, in denen sich drei asiatische Frauen aufhielten.

„Ach mannoooo, wo ist das blöde Ding denn nur?“

Ich begann die ganzen Schachteln und Säcke vorzukramen, die unter meinem Bett den Kleiderschrank ersetzten, den ich ja nicht besaß. Meine Wohnung bot gerade mal drei auf vier Meter, worin ein Schlaf- Wohn- und Essbereich auch seinen Platz haben musste, wie ich das eben gelernt hatte.

Jei – da war`s, das kleine, schöne Büchlein und siehe da, sogar mein alter Füllfederhalter war ja auch dabei und welch Wunder mit Tintenpatronen gefüllt.

Also – dachte ich – bevor ich jetzt platze, kritzle ich meine Gefühle in dieses hübsche Booklet und lass einfach meinen ganzen Frust raus.

Mein erstes Werk begann ungewollt zu entstehen; denn, anstatt wie gewohnt einfach Tagebuch zu schreiben, wurden Gedanken und Hand völlig selbstständig. Erstaunlicherweise  schienen nur Bruchstücke  zu entstehen, als ob meine Gefühle plötzlich auf  Kurzform hinunter gebrochen worden wären.

Seltsam dachte ich, wie eigenartig es aussieht, was so unerwartet entstand.

Mittlerweile waren meine Tränen versiegt, das Geschluchzte entschwunden und die Wut hatte sich in der Zwischenzeit mit der enttäuschten Traurigkeit vermischt.

So begann ich, erst ganz leise und dann lauter, vorzulesen, was ich selbst in jenes zauberhafte Büchlein  gekritzelt hatte.

 

Traum

Ich dachte du wärst gekommen,

und hättest mich leise geküsst,

und wärst dann leise gegangen,

wie du gekommen bist.

Ich schlief und träumte weiter,

dein Kuss im Angesicht.

Doch du, du bleibst verschwunden,

du küssender Bösewicht.

Und wie mich der Morgen weckte,

war auch kein Kuss mehr da.

Nur eine Spur von Tränen,

weiß Gott, was mir geschah.

 

Mit einem leichten Anflug eines klitzekleinen, eines Stolzes ähnlichem Gefühl verzog sich mein Mund zu einem süffisanten Lächeln und ich dachte an die Worte meiner Mutter, die längs meinen Zimmerwänden entschwunden waren.

DU BIST EINFACH NUR DUMM WIE BOHNENSTROH!

HAHAHA, lachte ich laut und sah zur Zimmerdecke hoch, „Hahaha mein Mameli“ brüllte ich der Decke zu, „ja, da staunst du was, Mamilein – hab ich doch glatt ein Gedicht geschrieben“.

„Von wegen dümmer als Bohnenstroh“ schrie ich wütend ins Zimmer hinaus und fügte mit einem heroischen Lachen hinzu „jetzt werde ich Schriftsteller und das gleich zum Trotz. Hörst du Mameli, ein Schriftsteller bin ich!“ polterte ich, so laut ich konnte und erfüllte damit ungewollt das ganze Haus.

Was mir jedoch erst bewusst wurde, als meine bildhübsche, sexy Nachbarin an meiner Haustüre Sturm klingelte. Als ich meine Wohnungstüre öffnete, schnaubte sie mir wütend ein „Geht’s noch?“ entgegen und als ich die wundervoll geformte Frau hinein bat, zischte sie „kannst du deinen verdammten Liebeskummer auch leise ausleben?“

Etwas eingeschüchtert schob ich ihr das Büchlein in die Hand und forderte sie mit Handzeichen auf, zu lesen, da mir tatsächlich der Mut fehlte zu sprechen.

Abwertend fragte sie „was soll das“ und ich gab, schrumpfend in meiner Persönlichkeit, wieder ein Zeichen, sie solle lesen. Zur selben Zeit, verließ mich das winzige Quäntchen Stolz und ich hätte ihr am liebsten das blöde Booklet aus den Fingern gerissen, als sie bereits laut vorzulesen begann.

Mein Blick hilfesuchend umher schweifend, suchte ich nach einem Loch, in das ich verschwinden könnte. Mein Gott, was hab ich mir dabei nur gedacht? Bitte mach mich unsichtbar, flehte ich stumm in den Himmel, Bitte unsichtbar.

Die unglaublich attraktive Nachbarin, zwischenzeitlich sitzend auf meiner Bettkante, hörte einfach nicht auf zu lesen. Jedes Wort, das sie sprach, beschämte mich mehr und ein gigantischer Knoten begann sich in meinem Hals zu bilden und mir das Wasser in die Augen zu treiben, als sie weiter las…

 

Geklemmt

Ich möchte weinen,

doch meine Tränen sind versiegt.

Ich möchte schreien,

doch meine Stimme ist erstarrt.

Ich möchte lieben,

doch mein Herz ist zersprungen.

Ich möchte glauben,

doch wurde zu oft enttäuscht.

Ich möchte dich sehen,

doch zu dunkel ist die Nacht,

in der du eben verschwunden bist.

Plötzlich verstummte ihre Stimme und meine Nachbarin Bella hob bedächtig ihren Kopf. Mit ihrem mittlerweile sanftmütig gewordenen Ausdruck suchte sie meine Augen, die sich zwischenzeitlich mit Waser füllten! So, dass ich nur stotternd heraus brachte „u u un und?“ mit fragendem Blick zu Bella.

Liebevoll hörte ich sie sagen: „Dieses Gekritzel ist mal gar nicht so übel“, und bewundernd fügte sie hinzu „ganz gut, wie du aus Gefühlen Worte zauberst“.

Ich hörte, wie ich etwas zu laut stammelte „wa wa was?“

Ehe mich ihre Worte erreichten eilte ich bereits zur Kochnische, riss die Kühlschranktüre auf, schnappte eine Flasche Wein mit zwei Gläsern und plumpste neben sie auf meinen Bettrand.

Bis tief in die Nacht sprachen wir über Gefühle – Worte – Schreiben. Als die Nacht bereits heller wurde, verließ sie meine kleine Ein-Zimmer-Wohnung und ließ mich auf dem Bettrand sitzend zurück.

Nach dieser unglaublichen Achterbahn-Fahrt der Gefühle erinnerte ich mich an mein Klein-Mädchen-Versprechen, das ich mit zarten 13 Jahren noch voller Selbstvertrauen mal von mir gab: „Eines Tages schreibe ich ein Buch“.

So fing ich an zu kritzeln und immer weiter zu kritzeln, trotz Bohnenstroh im Kopf und dachte dabei ziemlich trotzig: „Na Mameli, ich kann eben doch was“, und hatte dabei ein breites Lächeln im Gesicht.

 

Ausgabe März 2016

Die Roten Schuhe

Hastig, ausser Atem erklimmt Vera die vielen Stufen zu den Bahngleisen und denkt sich dabei: „So ein Mist, warum bin ich nicht eher losgegangen?“ Da, ein Absatz, auch noch gelb markiert, doch Vera gerät ins Stolpern, rudert wild mit den Armen und kann knapp den Sturz auf den Asphalt verhindern. Die letzten Stufen überwindet Vera mit Verstand und erreicht auch schon den Ticket-Automaten. Nervös kramt sie in ihren Jackentaschen, da sie ohnehin nie eine Brieftasche, geschweige denn eine Handtasche benutzen würde, nach kleinen Münzen oder einem Geldschein, als Vera bereits den Zug in den Bahnhof einfahren hört.

Puh, gerade noch rechtzeitig spuckt der Automat das Bahnticket aus und Vera sinkt nass geschwitzt in einen freien Sessel am Fenster. Sie legt Ihre weiße Pirelli-Jacke zur Hälfte auf ihren rechten Oberschenkel, wobei die andere Hälfte den freien Sitz, neben ihr als besetzt kennzeichnet. Vera graut vor den vielen Menschen, den unangenehmen Düften, dem viel zu lautem Schwatzen an den Handys und vor allem – um Gottes Willen! –  bloss kein Kindergeschrei.

Gedankenverloren blickt Vera durch das Bahnfenster über den vorbeiziehenden See, in den der stahlblaue Himmel  einzutauchen scheint und die Sonne darin glitzert, als wäre er mit tausenden von Diamanten gefüllt worden.

Als der Zug wieder an einer Station stehen bleibt, füllt sich der Waggon rasant mit Unmengen von Menschen, immer mehr drängen sich um Vera, so dass sie ihre blütenweise Pirelli zur Seite räumen muss. Ein sehr grosser, älterer Herr mit einem viel zu üppigen Hinterteil, pflanzt sich gleich neben Vera hin, da wo zuvor noch die Pirelli weilte und Vera quetscht sich etwas verloren, Hilfe suchend, immer näher ans Fenster.

Auch das noch – zu Veras Entsetzen steuert auch noch ein Mann mit Kind vor die Brust geschnallt und noch einem schreienden Etwas an der Hand, auf sie zu und setzen sich genau vor Vera hin.

„Wann kann ich endlich aus diesem verdammten Zug“, denkt sich Vera und puhlt nervös an ihren Fingernägeln rum. Und schon erklingt die erlösende Stimme aus dem Lautsprecher: „Nächster Halt Stadelhofen!“ Die Erleichterung steht ihr ins Gesicht geschrieben, ist doch dies ihr Zielort.

Vera springt aus ihrem Sessel hoch und bahnt sich, mit schlagenden Ellenbogen, einen Weg durch die Menschenmasse, bis hin zur Waggontüre. Der Zug hält an, die Wagontüre öffnet sich nur langsam und mit jedem Zentimeter weiter werden Veras Augäpfel grösser und das blanke Entsetzen legt sich wie ein grauer Schleier über Veras Gesicht. Noch mehr Menschen, extrem viel mehr, tanzen auf dem Bahnsteig und lassen sich von der Menge in Richtung der viel zu lauten Musik schieben.

Mit Blick auf die vielen Schuhe verlässt Vera eilig den Zug, suchend nach einem winzigen Stück Pflaster ohne Schuhe, das sie an ihr Ziel bringen würde.

Welch eine Tortur.

Vera muss sich mitten durch den Menschenschwarm drängen, der sich zum Glück in Richtung ihres Arbeitseinsatzes bewegt und dies nur für ein paar  lumpige Taler, die ohnehin morgen wieder für die nächste Rechnung drauf gehen werden.

Streetparade in Zürich, wo sich Millionen von Menschen schüttelnd um die Techno-Trucks drängen, mit verklärten Gesichtern schauspielern und in Alcopops zu baden scheinen. Ein Spektakel, das man sicherlich gesehen haben muss. Eine Szene, die tatsächlich Omas mit ihren Enkeln auf die Strassen zieht und die Kinder aus aller Welt in die einmalige Stadt Zürich lockt – nur eben für Vera ist es die grösste Strafe…

Die Dunkelheit  hat sich in dieser Samstagnacht  über die Staffage gehüllt, hat die Nachtschwärmer mittlerweile in die Techno-Clubs gelockt und Vera endlich den ersehnten Nachhauseweg geebnet.

So stampft Vera, mittlerweile bereits Sonntagmorgen um 03:30, eigentlich erleichtert darüber, die Menschenmenge hinter sich gebracht zu haben, durch eine total verdreckte Stadt, zwischen Bierflaschenscherben, Pisslachen und Kotzteichen, in Richtung Bahnhof – wobei sie sich noch über Alkoholleichen rappeln muss und mit polizeilicher Unterstützung die benebelten Spuckgestalten umgeht.

Weder in der linken noch in der rechten Pirelli-Jackentasche eine Münze, noch ein Geldschein zu finden, steht Vera verzweifelt vor dem Bahnticketautomat, als ihr Blick plötzlich auf die heran nahenden roten Schuhe  auf dem nassen Gehsteig fallen. Ruck-Zuck, stolpert über die gelbe Markierung, Sturz – und ehe sich Vera versieht, liegen die Roten Schuhe in ihren Armen…

Im selben Moment, als die entnervte Vera die blinkenden roten Schuhe wieder auf den Asphalt stellt, fährt die S-Bahn Nummer 6 in den Bahnsteig ein und lässt die Erste Klasse-Türe genau vor den roten Schuhen anhalten. Da sieht Vera zum ersten Mal die hässlichen gelben Hosen von einem grünen Sweater getoppt, mit einem orangen Schal geziert, von grauen Strähnen umrandet und einen violetten Lederrucksack tragend. Und schon fängt das Unikum an, fröhlich zu schnattern, worauf Vera natürlich erst mal abwehrend reagiert.

Vera und die roten Schuhe finden in der ersten Klasse, wofür beide gar nicht bezahlt hatten, einen ganzen, völlig menschenleeren Waggon,  worin sich beide erleichtert auf jeweils gegenüberliegende Sitze fallen lassen.

Aus Höflichkeit fragt Vera die roten Schuhe entnervt und sehr müde: „Wie war Ihr Samstag und wie weit fahren Sie mit diesem Zug?“

Tja, liebe Leser, „hätte Vera nur nie gefragt“   oder   „zum Glück hatte Vera gefragt.“

Die roten Schuhe begannen zu erzählen;

„Na hör mal zu, ich erzähl dir einen Traum. Montag vor zwei Wochen eilte ich hektisch die Stufen zum Bahnsteig hoch, wobei ich am Ticketschalter über meine eigenen Füsse stolperte und geradewegs in den Armen eines fremden Mannes landete – lach nicht, genau wie bei dir eben.

Beide hatten wir eine Bahnkarte nach Locarno in der Tasche, in den wundervollen Süden der Schweiz mit italienischem Flair. Als wir es uns im Abteil bequem machten, hatte ich die Eingebung, das Gefühl, nein sogar die Überzeugung „dieser Mann ist mein Seelenpartner“.

Ja, was soll ich sagen, liebe Vera, ich hatte gerade die besten Wochen meines Lebens.

Wir, dieser unglaubliche Typ und ich, waren in Locarno einkaufen, logierten in Ascona im rosa farbenen Hotel Paradiso das im Innenhof von einen einmaligem Koi -Teich ausgezeichnet war.

Hey, wir ließen uns in Porto Ronco kulinarisch verführen, natürlich im verzauberten Hotel Eden.

Zusammen erlebten wir den Panoramaweg von Ascona nach Brissago, wovon er mich mit seiner privaten Jacht über den Lago Maggiore fuhr und tatsächlich im teuersten Hotel Eden Roc Ascona wieder absetzte.

Jedoch als er mir seinen geheimen Platz an der Contrada Maggiore in Ascona zeigte, war mein Herz so mit „Haut und Haar“ verloren.

Eine Wohnung im ersten Haus, das ca. 1300 in Ascona erbaut wurde.

Ich trat in einen Raum ein, der wie ein Rittersaal erschien aus der Zeit von King Artus. Mit einer weit gewölbten Decke, von der von Hand gemalte, in königsblau und golden Ornamente und Engel herunter leuchteten.

Als er durch den Raum, über das grossflächige alte Parkett ging, hin Richtung des bodenerdigen Kamins, bemerkte ich seine eleganten, doch sehr reizvollen Bewegungen des Körpers. Welch eine Erscheinung, wie er so auf dem Holzboden kniete und mit wenigen Handgriffen ein Feuer im Kamin entfachte.

Derweil betrat ich den zweiten Raum, der mich in die Zeit der Renaissance versetzte. Der Raum wurde belegt mit einem purpurroten Prokatteppich, darauf ein Bett so ca. aus dem 16. Jahrhundert der französischen Renaissance, bis hin zum späten italienischen Barock, mit wiederum der handbemalten, königsblauen Deckenwölbung.

Eingetaucht in eine andere Welt, legten sich sanft die Arme dieses smarten Herrn um meine Hüfte, er begann mich berauschend zu küssen und alles Weitere kennst du sicherlich, liebe Vera, selbst nur zu genau, denke ich.

Eine Explosion der Liebe, ein Höhepunkt der Leidenschaft mit einem weit entrückten Gefühl, endlich angekommen zu sein.

Ich werde am Sonntag 87 Jahre und bin gerade so glücklich, wie noch nie in meinem Leben denn, liebe Vera, ich hab mich verliebt.“

Mittlerweile ist es 04:00 Uhr morgens, als Vera bewusst wird, dass die roten Schuhe bereits 87 Jahre geworden sind und diese Begegnung „eigentlich“ ein komplett anderes Bild in die kleinliche Sichtweise von Vera einblendeten.

Zusammengezogene Schultern von Vera öffnen sich, der angstverzerrte Gesichtsausdruck beginnt sich zu lösen und ein Glanz von Hoffnung lässt die Aura von Vera in goldenem Licht erstrahlen. Beinahe wie die verzauberte Deckenmalerei von Ascona.

Der Zug bremst, als die roten Schuhe vom Sitz aufspringen, Vera einen leisen Dank zuwerfen, während sie hastig das Abteil verlassen und einen glücklichen Menschen zurücklassen. Vera fährt ihre drei Stationen weiter, denkt an das Leben der roten Schuhe und da dröhnt bereits die Stimme durch das Abteil: „Nächste Station Herrliberg“, worauf sich Vera ihre Pirelli-Jacke schnappt, um sich an der S-Bahn-Türe zu platzieren. Station Herrliberg  und um eine wunderbare Geschichte reicher, erzählt von zwei roten Schuhen die Vera im Leben nie wieder vergessen oder gar sehen wird. Nur „in Gottes Namen“ wer war das, fragt sich Vera auch noch 10 Jahre später.

Trotzdem bleiben die roten Schuhe als ein Zeichen von Partner, Liebe oder einfach nur Menschlichkeit mit einer grossen Portion an Hoffnung für einen jeden von uns, denn hinter jedem Grashalm, in jedem Supermarkt  oder an jedem Ticketautomat am Bahnhof könnte ein Partner, eine Liebe oder einfach nur ein Stückchen Glück stehen.

Liebe Leser wie denkt ihr über diese wahre Begebenheit?

Nur Mut – deine Meinung ist sehr wichtig!

Freue mich auf viele „Geschichten“

Ausgabe Dezember 2015

Liebste Freundin

Als du letzten Montag mit deinen Eltern in Urlaub nach Italien gefahren bist weinte ich bittere Tränen und hatte keinen Plan, wohin ich mit all meinen Gedanken sollte. Wiedermal versteckte ich mich im Keller, ganz hinten im letzten Raum und kauerte mich wie immer hinter dem grasgrünen Fahrrad ganz klein zusammen, wodurch ich ja absolut unsichtbar war. In dieser Ecke konnte mich keiner piesacken oder blau und grün schlagen. Auch konnte mich keine Stimme so laut anschreien, dass ich mich wieder Mal so klein wie eine Feldmaus fühlte. Denn das grüne Fahrrad war Pegasus – meine Pegasus, den ich von meinem Opa bekommen hatte, an dem Tag, als du nach Gomo abgereist warst.

Ja liebste Freundin du hast richtig gelesen – mein Opa!

Naja ich wusste auch nicht, dass ich einen Opa habe, als er wie vom Himmel herab in unserem Wohnzimmer stand, ganz in weiss gekleidet, Die silbernen, etwas längeren Haare wurden mit einem ebenso weissen, breitkrempigen Hut geschmückt und seine dunklen, liebevollen Augen nahmen mich zärtlich in die Arme, als wären es die Flügel eines Engels. Ich kann dir sagen, der stand doch tatsächlich, wie hell erleuchtet in unserem Wohnzimmer und ich konnte meine kleinen Kinderaugen nicht mehr von ihm loseisen. Einfach nur ein Wunder, das tatsächlich passiert.

Mein Opa nahm mich am nächsten Tag mit nach Zürich und an der Anlegestelle der grossen Rundfahrtschiffe durfte ich in meinem neuen Kleidchen posieren, wie eine kleine Prinzessin. Und stell dir vor, er schoss ein Foto nach dem andern. Ich fühlte mich so unglaublich WICHTIG, so unübersehbar sichtbar und zum ersten Mal so unendlich lebendig, wie die Sonne am weiten Himmel und ich schrie ganz laut: Seht her, hier bin ich, das bin ich!

Ich sehe dich jetzt schmunzeln und ja, ich sehe deinen enormen, ungläubigen Gesichtsausdruck. Ja, ich hab laut geschrien „seht her, das bin ich“ und hab meine Posen eingenommen.

Mein Opa – ein Wunder vom Himmel gefallen und wie ich dachte, nur für mich…

Wie eine Sternschnuppe durch das schwarze Firmament flitzt, war auch die leuchtende Erscheinung „Opa“ nach einem lautstarken Streit mit meiner Mutter so blitzeschnell wieder weg, wie er erschienen war, dass ich so schnell gar nicht gucken konnte.

Nach der wundervollen Schifffahrt über den Zürichsee fuhren wir wieder zurück nach Hause und betraten die Wohnung, wo wir bereits von meiner äusserst wütenden Mutter empfangen wurden.

Natürlich wurde ich aus dem Zimmer gejagt, um nicht zu hören, was Mutter ihrem Vater gellend laut mitteilen wollte. So blieb ich mitten im Vorraum stehen und meine Ohren durchdrangen all die vorwurfsvollen Worte die Mutter dem armen Opa dröhnend, förmlich ins Gesicht schlug…..

Sie schrie „Du warst nie für mich da“ und Tränen strömten über ihre Wangen, sie schrie weiter „du verlogener Mistkerl hast niemals deine Versprechen gehalten“ und trommelte wie ferngesteuert auf seinen  Brustkorb ein, was ich durchs Schlüsselloch sehen konnte. Ja liebste Freundin – weder lauschen noch spionieren darf man – jedoch konnte ich nicht anders.

Ich hörte, wie Mutter mir wütend schluchzend erzählte, wie „Opa“ ihr, als sie etwa 11 Jahre, war ein Fahrrad versprochen hatte welches sie bis heute, wo sie nun 30 Jahre alt wäre, nicht bekommen hätte – wie oft er versprach wieder zu kommen  und sie ihn erst jetzt wieder sehen durfte.

Irgendwann bin ich dann auf dem Fussboden eingeschlafen…

Am nächsten Morgen eilte ich in die Küche voller Freude und blieb, wie ein Stock, der am Türrahmen angeklebt wurde, stehen.

Er war weg – mein Opa, der Engel vom Himmel, der mich sehen konnte, war einfach weg – einfach weg.

Einen Augenblick später klingelte ein Bote an der Tür und drückte Mutter ein Packet in die Hand, das jedoch für mich bestimmt war – ja richtig – für mich! Oh weh, wie wütend Mutter war, klatsch – klatsch und meine Wangen brannten wie Feuer, da nochmal klatsch – bäng – klatsch und mein Rücken färbte sich langsam von rot nach blau bis grün und dann sah ich, was in dem Packet war…

…ein grasgrünes Fahrrad – für mich! Viel zu gross, doch es war für mich.

Als Mutter zum Schrank ging wusste ich, dass jetzt der Klopfer zur Tat eingesetzt werden sollte,  was mir die Sekunde zur Flucht ermöglichte…

So sitze ich nun, liebste Freundin, im letzten Eck unseres Kellers hinter dem grasgrünen Fahrrad  namens Pegasus, geschützt von Engelsflügeln und unsichtbar für die Welt. Ich bin sicher, träume und weiss „es ist alles gut und es wird alles gut…..

Wie ich mit Pegasus fliegen lernte, erzähle ich dir im nächsten Brief.

Herzlichst deine Mary

Ausgabe Oktober 2015

 Liebste Freundin

Kannst du dich noch erinnern an den Donnerstag, 11.11.1999, als ich mich zum ersten Mal im Leben so richtig tolle und mit Haut und Haar verliebte? Ach du meine Güte, was alles musstest du, liebste Freundin, durchleben mit mir und meinen unglaublichen Achterbahn- Fahrten der Gefühle, deren halsbrecherischen Loopings, dem unglaublichen Taschentüchermeer und den vielen löchernden Fragen?

Kannst du dich noch erinnern wie ich bei deiner heiß geliebten Hündin Mortisha, alias Mörtel, am untersten Eck deren eigens für sie angefertigten Couch einziehen musste?

Kannst du dich noch erinnern wie wütend du auf mich warst, als der Zipfel des Plastiksackes auf deinem Ceranherd anbrannte, weil ich dir ein Abendessen kochen wollte unter Einfluss zu viel degoutierten Weissweins?

Ich kann mich sehr wohl erinnern wie du, liebste Freundin, mittgelitten und auch unter meinen Eskapaden gelitten hast. Ich kann mich sehr gut an dich, meine einst beste Freundin erinnern, die mir ein Zuhause ermöglichte, wenn‘s auch nur die unterste Spitze von Mörtels Couch war – so hatte ich doch immerhin ein Dach übern Kopf.

Es sind nun beinahe 16 Jahre vergangen und noch immer kann ich die Schmetterlinge im Bauch tanzen fühlen und du gehörst nun mal einfach in diese Erinnerung, was mich dazu bewegt, liebste Freundin, diese Zeilen an dich zu schreiben.

Es war ein kalter regnerischer Donnerstag spätnachmittag als ich die Hotelhalle um genau 17:05 Uhr betrat, natürlich wie immer mit fünf Minuten Verspätung und mit schlackernden Knien versuchte, einen Fuß vor den andern zu setzen, um auf den Tisch meiner Verabredung zuzugehen. Nein, weit gefehlt, es war leider kein Date, sondern ein Vorstellungsgespräch für eine mögliche Neuanstellung.

Jedoch was dann geschah ist eigentlich einen Rosamunde Pilcher Roman wert – so unglaublich.

Es war einmal…

Als ich an diesem Donnerstag, 11.11.1999, um 17:05 Uhr das Foyer des Hotel Eichwatt betrat, schlug mein Herz bis zu den Schläfen, meine Knie waren Kaugummi und mein Kopf schien vor lauter Glühen gleich zu explodieren. Unsicher und zögerlich schob ich einen Zeh vor den anderen und bemühte mich, so sicher wie möglich zu erscheinen, als ich auf den roten Schal zu schritt, den meine Verabredung irritierenderweise über seinem anthrazitfarbenen Rollkragen – Pullover trug. Er nippte lässig an seinem Espresso, als sein gelangweilter Blick eine Runde durch Cafe zog und ich höflich mit belegter Stimme ein knappes „Guten Abend“ vor mich hin stotterte.

Kaum hatte ich mich ihm gegenüber hingesetzt, palaverte er „Gott sei Dank“ wie ein Maschinengewehr los und ehe ich mich versah, saßen wir auch schon in seinem Wagen auf dem Weg zum Abendessen, wobei er mir plötzlich einen goldenen Engel in die Hand legte….

Ich glaube, genau da entglitt mir der ganze Abend und natürlich auch der „Chef“-Mann. Ich weiß noch genau, wo das Auto in der Kolonne stand, als ich ungläubig den goldenen Engel in meiner Hand anstarrte und mit glasigen Augen dachte, ich wäre wieder Mal in einer meiner Fantasien verloren gegangen. Da war es zum allerersten Mal, das Gefühl besonders zu sein. Ein goldener Engel in den Händen, eine Einladung in die Panorama-Bar Jules Verne hoch über Zürich, dann in demselben Restaurant dinieren mit Austern auf Champagner und weiter und weiter – alles, was sich eine Frau nur wünscht von essen-tanzen-reden etc. So, dass ich wirklich dachte, in einem Märchen zu sein.

Wie enorm imposant, charmant war doch dieser rote Schal namens DK, was ich mit meinen „zarten“ 39 Jahren noch nie zuvor erlebt hatte. Das Vorstellungsgespräch dauerte sage und schreibe 9 Stunden, wobei ich mich heute noch frage, wo war eigentlich das Gespräch zur Vorstellung der angebotenen Arbeitsstelle?

Ausgabe 8, Juli 2015

Liebste Freundin

Wie unglaublich ist das denn – bei mir fängt irgendwie das Leben neu an 🙂

Vor einiger Zeit bin ich tief ins Dunkel gerutscht, wodurch sich Problemchen um Problemchen zu mir gesellten wie Motten um das Licht, die sich an mir festklammerten und mir die Luft zum Atmen stahlen. Ich verlor mein Herz, meine Gefühle und meine finanzielle Grundlage, meine Gedanken waren nur noch in schwarz, abgründig getauchte Traurigkeit, mein Körper wurde schwächlich und von immer weiter hinzu kommenden Wehwehchen aufgefressen.

Kurz um – ich war erledigt, fertig mit mir und dem Leben. Sozusagen beinahe Tod, sicher kurz davor.

Silvester 2014 beschloss ich kurzerhand, all dies hinter mir zu lassen, denn ich wusste genau, was ich nicht mehr wollte. Jedoch – was ich eigentlich wollte, war mir bis dahin völlig unklar, da meine Gedanken ja gerade im Dartmoor spazieren gingen.

Ich las Bücher, ließ Kopf und Körper behandeln, ins Gleichgewicht bringen – doch die gewünschte Veränderung für mein Leben trat einfach nie ein. Ich war so verzweifelt, dass ich sogar Gott und das Universum um Hilfe bat. Wie erbärmlich, dachte ich damals und überlegte, wie egozentrisch der Mensch doch ist. Im Angesicht des Endes eines kläglichen Lebens greift er als letztes auf Gott, die universelle Hilfe zurück. In diesem Augenblick wurde mir bewusst, wie undankbar ich mit dem Geschenk „mein Leben“ umgegangen bin.

Dann, vor ein paar Wochen, stolperte ich über einen Film mit Robin Williams, der die Lebensgeschichte des amerikanischen Arztes und Aktivisten Patch Adams erzählte, als sich mir ein Satz ins Gedächtnis schlichDoch erst als ich diesen Satz in Farbe auf ein weißes Blatt Papier von Hand aufschrieb mit einem Wort in rot, verstand ich die Aussage dieser Worte:

„jeder Mensch sollte die Freude zur Grundlage seines Lebens machen.“

 

Während des Films schrieb ich mir folgende weitere Worte auf:

„Unglücklich zu sein ist zu tiefst ungesund. Glücklich-sein ist keine ethische oder moralische Angelegenheit. Es ist eine verdammt alte Entscheidung. Es ist Ihr gutes Recht, und niemand kann es Ihnen nehmen.“

In den folgenden Tagen las ich mir selbst diese Sätze immer und immer und immer wieder laut vor und plötzlich traf mich der eine Geistesblitz.

Mit einem Schlag wurde mir klar, wie einfach doch alles ist.

Alle Gedanken, die ein Mensch den lieben langen Tag hat, können ihn ins Dunkel des Dartmoor stürzen oder ihn einfach nur glücklich machen.

Also dachte ich mir, was wäre wenn – was wäre, wenn ich jeden Morgen beim Erwachen zu mir selbst laut sage: „Ich bin glücklich und will glücklich bleiben“?

Ich musste schallend lachen über eine solch irre Idee. Das geht nie, wäre ja auch viel zu einfach.

Was soll ich sagen – mal ehrlich, ich hab diese irre Idee tatsächlich in die Tat umgesetzt und mache es noch immer jeden Morgen von Neuem und kann dir versichern – ES FUNKTIONIERT – so was von!

 

Echt wahr, so einfach ist Glücklich-sein für jeden Menschen. Denke jeden Morgen und mehrmals am Tag „ich bin glücklich“, mische etwas Disziplin dazu mit einer Prise Durchhaltevermögen und jeder einzelne findet sein eigenes Glück.

Tja, und nun bin ich mit jedem ersten Augenaufschlag am Morgen einfach nur glücklich, lächle mich im Spiegel an, habe Freude mit jedem Atemzug und bin gespannt, welche Geschenke auch dieser Tag für mich bereithält.

Wie unglaublich ist das denn – Mein Leben hat einfach so neu angefangen!

 

Meine Liebste Freundin, hab ganz großen Dank fürs „Zuhören“ und deine Geduld, bis hier hin zu lesen.

Es war gerade so wundervoll zum ersten Mal darüber zu „reden“, beziehungsweise zu schreiben und mit einem so lieben Menschen wie dir, mein Glücklich-sein teilen zu dürfen. Was wäre denn Glück wenn wir es nicht hinaus zu den Menschen tragen könnten?

Ich wünsche dir von ganzem Herzen die allerbeste Gesundheit und möge jeden Tag die Sonne in deinem Herzen in die Welt strahlen.

 

Sei ganz fest umarmt mit liebevollen Grüßen –

deine Freundin Mary

 

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