Ralf Hillmann

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SPIRITUELL AUF DEINE WEISE

Ausgabe Oktober 2016

 

Von Bäumen und Achtsamkeit

Was ist für Sie ein Baum?

Was verstehen Sie unter der Seele eines Baumes? Wie stellen Sie sich seine Seele vor? Wie kann es sein, dass Menschen und Pflanzen auf der Seelenebene mit einander „kommunizieren“ können? Wir alle wissen, dass Bäume Lebewesen sind. Aber wie stellen Sie ganz persönlich sich das Leben eines Baumes vor? Wie erlebt er sein Leben? Erlebt er es überhaupt? Würden uns diese Fragen vielleicht gar nicht so schwierig erscheinen, wenn wir das, was wir uns unter „Leben“ vorstellen, nicht nur an unserem eigenen Erleben messen würden? Warum, glauben Sie, meinen viele von uns, dass Menschen eine größere Berechtigung auf Existenz haben, als Tiere oder Pflanzen? Ist die Berechtigung zum Leben oder die Anerkennung des Lebens etwa davon abhängig, was für ein Bewusstsein man besitzt? Tiere und auch Pflanzen haben genauso wie wir Menschen zwei Geschlechter. Sie brauchen Wasser und Nahrung. Sie pflanzen sich geschlechtlich fort. Sie reagieren auf ihre Umwelt und passen sich neuen Bedingungen an. Dass Tiere ein Bewusstsein haben, hat die Wissenschaft mittlerweile bewiesen. Je nach Gattung und Art ist das Bewusstsein eines Tieres im Vergleich zum Bewusstsein eines Menschen natürlich unterschiedlich entwickelt. Warum sollte also eine Pflanze nicht auch ein in irgendeiner Form entwickeltes Bewusstsein haben können? Vielleicht eines, das auf einer ganz anderen Ebene, auf ganz andere Art und Weise, funktioniert? Wie kommt es, dass wir meinen, das eine sei mehr wert oder achtenswerter als das andere? Die Antworten auf diese Fragen können Sie in sich selbst finden, indem Sie sich für das Spirituelle öffnen und lernen, auf das zu vertrauen, was Sie in sich selbst entdecken. Jeder auf seine eigene Weise und mit seinen eigenen Einsichten und Erkenntnissen.

Übung

Die nachfolgende Übung ist eine von 16 Übungen aus meinem Mini-eBook mit dem Titel „Von Bäumen und Achtsamkeit. Die Übungen führen Sie hinaus in die Natur und erfordern innere Achtsamkeit. Sie können den Ausflug ganz allein unternehmen oder gemeinsam mit Freunden. Gerade zu Beginn, wenn Sie sich vielleicht noch ein wenig genieren, in der Öffentlichkeit einen Baum zu umarmen oder Ähnliches, kann sich die Anwesenheit von Gleichgesinnten sehr beruhigend auf Ihr Wohlbefinden auswirken.

Verabreden Sie mit sich selbst und allen Teilnehmenden vorab folgende Punkte:

Ab dem Zeitpunkt, an dem der Ausflug beginnt, wird nicht mehr gesprochen. Es ist also absolutes Schweigen angesagt. Auch wenn Sie dabei längere Zeit in der Gruppe unterwegs sind, bleiben Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit bitte bei sich selbst. Sprechen Sie sich untereinander nicht an. Allein dieses Schweigen wird sich höchstwahrscheinlich schon recht magisch für alle anfühlen.

Alle Sorgen und Probleme werden zu Beginn verabschiedet und nicht mit auf den Weg genommen. Lassen Sie Ihre Gedanken ruhen. Achten Sie einfach nur auf das, was Sie an Natur und Schönheit umgibt – schauen Sie hin, hören Sie hin, fühlen Sie hin, nehmen Sie wahr.

Jeder sucht sich dann in Ruhe einen Baum.

Lassen Sie in Ihrem Bewusstsein den Gedanken zu, dass Sie selbst ein Teil der wunderbaren Natur sind und mit allem in Verbindung stehen. Stellen Sie sich dann vor, wie Ihre menschliche Seele die Seele des Baumes berührt.

Falls störende Gedanken auftauchen sollten, verabschieden Sie diese bitte liebevoll, sobald Sie diese bemerken.

Unterhalten Sie sich mit Ihrem Baum und stellen Sie dabei Ihre Fragen. Achten Sie darauf, welche Gedanken, Bilder, Szenen, Assoziationen, Eingebungen, Antworten und Erkenntnisse in Ihrem Bewusstsein auftauchen. Vielleicht haben Sie den Eindruck, dass es nicht der Baum ist, der zu Ihnen spricht, sondern, dass Sie selbst es sind, mit dem Sie kommunizieren. Lassen Sie das einfach keine Rolle spielen. Bleiben Sie einfach in der inneren Achtsamkeit bei Ihrem Gespräch. Je weniger Sie zweifeln und je mehr Sie sich dieser Erfahrung ganz selbstverständlich hingeben, desto mehr Erkenntnisse und Antworten wird Ihr Geist entwickeln können.

Wenn der Ausflug beendet ist, können Sie sich über die erlebten Eindrücke unterhalten: Sprechen Sie über Ihre Erlebnisse! / Wie fühlte sich das an? / Konnten Sie dabei eine gewisse „Magie“ verspüren? / Konnten Sie etwas Außergewöhnliches wahrnehmen? / Welche Antworten auf Ihre Fragen haben Sie finden können?

 

Übung 16 aus dem eBook „Von Bäumen und Achtsamkeit“

Bei einem Spaziergang in der Natur halten Sie bitte Ausschau nach einem Baum, der Ihnen besonders gefällt. Suchen Sie nach einem Baum, der Sie besonders anzieht oder Sie auf irgendeine Weise besonders anspricht. Berühren Sie ihn. Wenn Sie mögen, umarmen Sie ihn. Spüren Sie in sich hinein, öffnen Sie sich und spüren Sie, wie sich Ihre Seelenkraft mit der Seelenkraft des Baumes verbindet. Erzählen Sie dem Baum etwas von sich. Wer Sie sind und wie es Ihnen gerade geht. Erzählen Sie ihm von Ihren Freuden, Sorgen und Problemen. Stellen Sie dann Ihre Fragen. Fragen Sie einfach das, was Sie auf dem Herzen haben oder was Ihnen gerade in den Sinn kommt?! Verweilen Sie in innerer Achtsamkeit bei Ihrem Baum. Nehmen Sie in aller Ruhe wahr, welche Gedanken, Bilder, Szenen, Assoziationen, Eingebungen, Antworten und Erkenntnisse in Ihrem Bewusstsein auftauchen. Bevor Sie weitergehen, bedanken Sie sich bei Ihrem Baum und lassen ihm zum Dank etwas dort. Das kann z.B. etwas Wasser oder auch nur ein liebevolles Streicheln seiner Blätter sein. Das Bedanken können Sie real ausführen oder auch nur imaginieren. Ich wünsche Ihnen viel Freude und berührende Erfahrungen dabei.

Herzlichst – Ihr Ralf Hillmann

Ausgabe Dezember 2015

STÄRKENDE BEWUSSTSEINSÜBUNG

Die folgende Übung kann zu jeder Zeit und nahezu überall durchgeführt werden. Sie ist eine von sieben spirituellen Bewusstseinsübungen aus dem Buch „Spirituell auf deine Weise“ von Ralf Hillmann

Anmerkung: Bei den Übungen spielen zwei Berührungspunkte eine entscheidende Rolle. Zum einen der Berührungspunkt „Erde“, den Sie mit Ihren Füßen berühren, dieser beinhaltet die gesamte geistig-energetische Information des „Innen“ (Das Innen der Erde sowie das Innen von uns Menschen und allem irdischen Leben). Und zum anderen der Berührungspunkt „Himmel“, den Sie mit Ihrem hocherhobenen Haupt berühren, dieser beinhaltet die gesamte geistig-energetische Information des „Außen“ (Das Außen ist der umgebende Raum/das Universum). Bei den Übungen geht es darum, den inneren Kosmos mit dem äußeren zu verbinden und dadurch die Informationen in Fluss/in Austausch zu bringen!

 

Übung – Selbstliebe entwickeln/stärken

  1. Sitzen Sie ruhig!
  2. Stellen Sie beide Füße vollständig auf dem Boden ab!
    (Berührungspunkt Erde/Kosmos innen)
  3. Sitzen Sie aufrecht und halten Sie Ihren Kopf hocherhoben!
    (Berührungspunkt Himmel/Kosmos außen)
  4. Werden Sie sich kurz beider Berührungspunkte bewusst!
    (Verbindung Innen und Außen – kosmischer Fluss)
  5. Formulieren Sie langsam und ganz bewusst – laut oder still im Geiste – folgende Aussage:

Ich liebe mich. Ich nehme mich so an, wie ich bin. Mit all meinen Stärken und all meinen Schwächen. Das, worin ich stark bin, erkenne ich an und wertschätze es. Das, worin ich schwach bin, erkenne ich an und stehe dazu. Wo es mir ein Bedürfnis ist, künftig zu wachsen, werde ich an mir arbeiten. Wo mir meine Schwächen egal sind, weil ich gut mit Ihnen leben kann, verschwende ich keine Zeit und Energie damit, diese zu entwickeln oder gar zu vertuschen. Ich nehme mich einfach so, wie ich bin. In Liebe und zum Wohle aller!

  1. Werden Sie sich nun wieder kurz der zuvor genannten, beiden Berührungspunkte bewusst!
    (Verbindung Innen und Außen – kosmischer Fluss)
  2. Denken Sie nun nicht mehr über Ihr Bekenntnis nach. Lassen Sie es einfach los: Ganz selbstverständlich und ohne Zweifel lassen Sie nun die Energie Ihrer Worte im Kosmos wirken – innen wie außen.

Ralf Hillmann wünscht allen ein gesundes, glückliches, neues Jahr 2016

Spirituell auf deine Weise – http://www.spirituell-auf-deine-weise.de

Ausgabe März 2015

Der Kastanienbaum und die Fee

Vor langer Zeit wuchs in einem Wald ein junges Kastanienbäumchen. Als dieses irgendwann anfing, über sich und das Leben nachzudenken, war es gerade mal 40 cm groß und kaum mehr als zwei Jahre alt. Der kleine Kastaniensprössling hatte zu jener Zeit ein dünnes, krautiges Stämmchen und nur fünf einzelne, zierliche Blätter. Er wuchs in Mitten einer Vielzahl anderer Bäume. Um ihn herum standen einige Birken, Kiefern, Eichen, Buchen und andere größere und kleinere Laub- oder Nadelbäume. Auch gab es die verschiedensten Gräser und Farne in seiner unmittelbaren Nähe.

Eines Tages betrachtete der kleine Kastaniensprössling eine riesige, uralte, wunderschöne Eiche, die in einiger Entfernung allein auf einer Wiese stand. Der Anblick des beeindruckenden Baumes faszinierte ihn sehr. Wie kraftvoll die Eiche ihre großen Äste in alle Himmelsrichtungen ausbreitete und wie wunderbar ihr Laub im Wind rauschte, schwärmte er.

Von diesem Tag an, wünschte sich der kleine Kastaniensprössling nichts mehr, als irgendwann einmal so groß und kraftvoll zu sein, so majestätisch und wunderschön, wie die herrliche, anmutige Eiche. Dieser Wunschtraum wirkte sich äußerst positiv auf sein Wohlbefinden aus. Sein Ziel ließ ihn an eine wundervolle Zukunft glauben, beflügelte seinen Geist und machte ihn glücklich. Fortan begrüßte er morgens voller Begeisterung jeden neuen Tag und egal, ob die Sonne schien, es regnete oder stürmte, immer ließ er dabei seine fünf Blätter fröhlich im Wind schaukeln.

Irgendwann saß eine Fliege auf einem seiner fünf zarten Blätter. Der kleine Kastaniensprössling begrüßte sie freundlich und lud sie ein, ein wenig bei ihm zu verweilen. Ganz nebenbei erzählte er der Fliege, wie sehr er sich darauf freute, eines Tages ein richtiger, großer, stattlicher Baum zu sein. „Dann können sich sogar Vögel, Eichhörnchen und Fledermäuse auf mir niederlassen“, berichtete er stolz. Die Fliege überlegte eine Weile und dann sagte sie: „Um ein wirklich großer, stattlicher Baum werden zu können, müsstest du auf einer Lichtung stehen. Im Unterholz, zwischen Hunderten von anderen Bäumen und allerlei Gestrüpp, ist es dir überhaupt nicht möglich, groß und stattlich zu werden. Hier ist gar nicht genug Licht, geschweige denn Platz“. Dann spannte sie ihre Flügel auseinander und flog davon.

Der kleine Kastaniensprössling erschrak. Seine Unbeschwertheit und sein Glaube an sich und die Welt, waren auf einmal tief erschüttert. Er stellte fest, dass die Fliege Recht hatte. Um ihn herum gab es wirklich keinen Platz um groß und stattlich werden zu können. Kein wunderschöner, großer Baum würde er eines Tages sein, sondern allenfalls ein mickeriges, dünnes, spärlich verzweigtes, knorriges Bäumchen, das sich mit vielen anderen um ein paar direkte Sonnenstrahlen streiten musste. Der kleine Kastaniensprössling konnte es einfach nicht fassen. Augenblicklich bereitete ihm sein Leben keine Freude mehr und alles fühlte sich für ihn schwer und sinnlos an.

Es wurde Herbst. Ein Jahr zuvor, als er noch viel kleiner gewesen war, und nur zwei Blätter besaß, hatte der kleine Kastaniensprössling diese Jahreszeit sehr genießen können. Damals hatte er große Freude daran, zu beobachten, wie sich seine beiden Blätter von Tag zu Tag mehr verfärbten und am Ende sogar ganz und gar von ihm abfielen. In diesem Jahr konnte er dem Herbst nichts Gutes abgewinnen. Obwohl sein krautiges Stämmchen wie eh und je im Wind wippte und seine herrlich bunten Blätter dabei flatterten, fühlte er nichts weiter, als Ratlosigkeit, Verzweiflung und Schwere.

„Hätte ich bloß nicht hier zwischen all den anderen Bäumen Wurzeln geschlagen. Wäre die Kastanienfrucht, aus der ich erwuchs, doch nur auf eine Lichtung gefallen, dann könnte ich mich nach Herzenslust ausbreiten und meine Blätter vom hellen Sonnenlicht verwöhnen lassen“, kreisten seine Gedanken unaufhörlich. Der kleine Kastaniensprössling nahm kaum wahr, wie sehr der Herbst die Umgebung verzauberte. Er hatte einfach keine Freude an den vielen farbenfrohen Blättern, die vom Wind lustig umhergewirbelt wurden und bald darauf als bunte, wärmende Laubdecke den Waldboden zierten. Alles war ihm egal.

Die Tage vergingen, ohne dass sich sein Befinden besserte. Dann hielt der Winter Einzug. Es wurde sehr kalt und der kleine Kastaniensprössling verfiel für einige Monate in eine Art Winterschlaf. Während dieser Zeit träumte er hin und wieder von einer Fee. Stets begrüßte sie ihn liebevoll, wenn er ihr im Traum begegnete. Als sie ihn das allererste Mal aufsuchte, sagte sie: „Hallo, mein liebes Kastanienbäumchen, ich bin gekommen, um dir ein wenig Zauberstaub zu schenken, heute habe ich den Zauber der Gelassenheit mitgebracht“. Noch bevor der kleine Kastaniensprössling in irgendeiner Form reagieren konnte, breitete sie ihre Arme aus und löste sich in Luft auf. Der kleine Kastaniensprössling atmete unter dem Zauber der Gelassenheit regelrecht auf. Plötzlich war er dazu in der Lage, seine Situation gelassen anzunehmen und ganz und gar entspannt auf die Zukunft zu vertrauen. Egal wie sein Leben auch weitergehen würde, ganz gleich, was aus ihm werden sollte, er hatte auf einmal die Fähigkeit, in sich zu ruhen, sich gelassen zurückzulehnen und in allem, was war, ist und sein wird, einen Sinn zu erkennen. Einige Zeit später verflog der Zauber und der wunderbare Traum von Ruhe und Gelassenheit war zu Ende.

Die Wochen vergingen und immer wieder geschah es, dass der Kastaniensprössling von der Fee träumte. Als sie ihn das zweite Mal aufsuchte, hatte sie ihm den Zauberstaub der Geborgenheit mitgebracht. Kaum hatte sie ihre Arme ausgebreitet und sich wieder in Luft aufgelöst, spürte der kleine Kastaniensprössling, von einer Sekunde auf die andere, wie wohl es ihm ging. Er fühlte sich geborgen in der schützenden Laubschicht und der dichten Schneedecke, die verhinderten, dass der Frost in den Boden eindrang. Im Traum kam ihm das Leben auf einmal wieder ganz wunderbar vor. Er erkannte, dass sein Befinden nicht maßgeblich davon abhing, wie seine Welt sich im Außen darbot, sondern vielmehr, mit welcher inneren Haltung er sie betrachtete. Nach einiger Zeit verflog der Zauber jedoch wieder und mit ihm die beflügelnden, positiven, lebensbejahenden Gefühle.

Ein anderes Mal träumte er, wie ihm die Fee den Zauberstaub des Humors brachte. Wieder entfaltete der Zauber im Nu seine Wirkung. Dem kleinen Kastaniensprössling war auf einmal zum Lachen zumute. Egal, an was er auch dachte oder welche inneren Bilder aus der Erinnerung sich ihm zeigten, er konnte plötzlich alles mit Humor nehmen oder mit ein wenig Ironie betrachten. Das Leben fühlte sich wieder leicht und unbeschwert an. Auch über das, was nicht so erfreulich war, konnte er sich plötzlich amüsieren. Doch als der Zauber seine Kraft verlor, war die Heiterkeit wieder verschwunden.

Es dauerte nicht lange, bis weitere Traumbegegnungen mit der Fee folgten. Die Fee erschien dem kleinen Kastaniensprössling wieder und wieder. Manchmal brachte sie sogar zwei verschiedene Sorten Zauberstaub mit. So hatte sie beispielsweise einmal Dankbarkeit und Fülle gleichzeitig im Gepäck. Sofort nachdem sie ihre Arme ausgebreitet und sich in Luft aufgelöst hatte, setze die Wirkung ein. Der kleine Kastaniensprössling fühlte tiefe Dankbarkeit und unendlichen Reichtum. In seinem Traum bedankte er sich bei Mutter Natur dafür, dass sie ihm das Leben geschenkt hatte. Er konnte dies auf einmal als kostbares göttliches Geschenk begreifen. Er war geradezu überwältigt von der Vielfalt und Schönheit, die überall um ihn herum war. Es fühlte sich für ihn plötzlich so an, als könnte er sein Glück kaum fassen. Er erkannte, dass alles, was sein Herz begehrte, in Hülle und Fülle vorhanden war, er musste nur genau hinschauen. Doch auch in diesem Traum verlor der Zauber bald wieder seine Kraft.

Als der kleine Kastaniensprössling das nächste Mal von der Fee Besuch bekam, brachte sie ihm den Zauberstaub von Liebe und Trost mit. Kaum hatte er die Fee bemerkt, fühlte er sich unglaublich geliebt, geborgen und beschützt. Es war das schönste Gefühl, das er jemals in seinem Leben in sich gespürt hatte. Es war ihm, als wäre er in alles und jeden, ja sogar in sich selbst, über alle Maßen verliebt. Dieser Traum berührte ihn so tief, wie kein anderer jemals zuvor.

Es wurde Frühling. Der Wald erwachte zu neuem Leben. Die Sonne schien und der Kastaniensprössling spürte die wohlige Wärme auf seinem Stämmchen. Erste bunte Blüten der verschiedensten Blumen hatten sich aus der schützenden Laubdecke erhoben und auch manche Gräser streckten bereits ihre frischen grünen Halme der Sonne entgegen. Der kleine Kastaniensprössling hatte zwar noch nicht ausgetrieben, aber sieben Knospen, aus denen sich bald sieben frische Blätter entwickeln sollten, waren bereits zu erkennen.

Je mehr der kleine Kastaniensprössling aus seinem Winterschlaf erwachte, umso mehr erinnerte er sich auch wieder daran, wie traurig er war und wie aussichtslos ihm seine Situation vorkam. Es schien einfach nichts zu geben, woran er sich erfreuen konnte oder für was es sich zu leben lohnte.

Die Tage vergingen ohne dass sich die Befindlichkeit des kleinen Kastaniensprösslings verbesserte. Dann stand urplötzlich die Fee neben ihm. Zuerst nahm er sie gar nicht wahr, doch als er spürte, wie ihn jemand zärtlich berührte, erkannte er staunend, dass sie es war. Augenblicklich kehrten Lebensfreude und Leichtigkeit zu ihm zurück. Ja, er fühlte sich auf einmal wieder geliebt, gelassen, geborgen, getröstet, beschützt, reich und dankbar. Er spürte, wie unbeschreiblich lebendig und wach er mit einem Mal war, so, als könnte ihm nichts, von dem, was rings um ihn herum geschieht, entgehen und so, als könnte er in allen Dingen einen Zauber sowie einen Sinn entdecken. Und weil die Fee bei dieser Begegnung nicht – wie sonst in seinen Träumen – die Arme über ihm ausbreitete und sich auch nicht gleich wieder in Luft auflöste, nutzte der kleine Kastaniensprössling die Gelegenheit, und sprach sie an:

„Liebe gute Fee, wie schön, dich endlich wahrhaftig kennenzulernen. Ich danke dir von Herzen für die wunderbaren Träume, die du mir in den letzten Monaten brachtest und mit denen du mir so viele schöne Momente beschert hast. Schon wieder spüre ich den Zauber, den du mit dir führst. Ich fühle mich so außergewöhnlich neugierig, ja so unglaublich aufmerksam, dankbar und wach. Ich denke, du hast mir dieses Mal den Zauberstaub von Achtsamkeit, Wachheit, Begeisterungsfähigkeit und Wertschätzung mitgebracht“. Die Fee lächelte dem kleinen Kastaniensprössling freundlich zu und sagte: „Mein liebes Kastanienbäumchen, wie schön, dich so neugierig, wach, begeistert und anerkennend zu erleben. Du machst mir damit das größte Geschenk, das du mir überhaupt machen kannst“. „Ich mache dir damit ein Geschenk?“, fragte der kleine Kastaniensprössling etwas verlegen. „Ja“, sagte die Fee, „ich freue mich so sehr, dass du all diese lebensdienlichen Gefühle aufbringen kannst. Das zeigt mir, welch wunderbares Potenzial in dir steckt“. „Wunderbares Potenzial, das in mir steckt?“, fragte der Kastaniensprössling, denn er verstand nicht, was die Fee meinte. „Ja, wenn du dazu in der Lage bist, all diese lebensbejahenden Gefühle zu fühlen, und alles wertschätzen kannst, was dich umgibt, dann kannst du in deinem Leben glücklich werden“, sagte sie. „Ja, aber, das war doch nur möglich, weil du nicht müde wurdest, mir immer wieder den entsprechenden Zauberstaub zu bringen“, sagte der kleine Kastaniensprössling. „Genauso, wie du mir auch jetzt wieder Zauberstaub mitbringst“, fügte er hinzu. „Nein, du irrst dich“, sagte die Fee. „Ich irre mich, wie meinst du das?“, fragte der Kastaniensprössling. „Stell dir vor, ich habe dir noch nie irgendwelchen Zauberstaub gebracht. Ich sagte das nur, um dich ein wenig aufzumuntern und um dir zu zeigen, dass aller Zauber in dir selbst ist. Ich habe dir auch heute keine Achtsamkeit oder Wachheit, weder Wertschätzung noch Begeisterungsfähigkeit mitgebracht. Als Fee bin ich Teil des Geistigen. Ich bin immer und überall gegenwärtig. Im Innen und im Außen. Also um dich herum und in dir selbst. All diese positiven, lebensdienlichen Energien, halte ich zu jeder Zeit als unerschöpfliches ‚Geistiges Potenzial‘ für alles und jeden bereit. Ob man es entdeckt, wertschätzt, annimmt, nutzt und entfaltet, liegt ganz allein an jedem einzelnen selbst“, beendete sie ihre Erklärungen. Der kleine Kastaniensprössling wollte noch etwas sagen, doch die Fee war sogleich verschwunden. Sofort befürchtete er, der Zauber könnte schon bald wieder abschwächen und am Ende ganz und gar verfliegen. Doch dann besann er sich auf das, was die Fee ihm auf so beeindruckende Art und Weise anvertraut hatte. Dem kleinen Kastaniensprössling wurde klar, dass die Fee immer bei ihm war. Nicht nur, wenn er von ihr träumte oder sie sich zufällig irgendwo zeigte. Wann immer er ihre Unterstützung begehrte, brauchte er nur an sie zu denken und schon war er wieder mit ihr und sich selbst in Kontakt.

Es dauerte ein paar Tage, bis der kleine Kastaniensprössling das Vertrauen in sich und das Leben ganz und gar zurückgewonnen hatte, aber schließlich erkannte er: Was immer auf ihn wartete, egal, was das Leben noch für ihn bereithalten würde, er besaß den Zauberschlüssel, um in allem das Positive zu entdecken, aus jeder Begebenheit, das möglichst Beste zu machen und niemals die Hoffnung zu verlieren. Er begriff, welch große Ehre es war, ein Teil des Waldes sein zu dürfen und zugleich konnte er sich gestatten, von etwas anderem zu träumen. Er wusste, das Leben ist ein spannendes, unvorhersehbares Geschenk. Nichts ist sicher, aber alles ist möglich. Von da an, war er bereit – bereit, das Geschenk anzunehmen – bereit, zu leben.

 

Der Kastanienbaum und die Fee – Aus dem Buch „Von Herz zu Herz“ von Ralf Hillmann

Vorankündigung Buch: http://shop.spirituell-auf-deine-weise.de/Von-Herz-zu-Herz

Ausgabe November 2014

Scham und Schuld sind Dämonen

Scham- und Schuldgefühle kommen nicht von Gott, sie sind Abfallprodukte unserer Gesellschaft. Als kleines Kind haben wir noch die unverfälschte, ungebrochene, natürliche und überaus lebensdienliche Fähigkeit, unseren Gefühlen und Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen. Als Baby lachen wir, wenn uns etwas behaglich ist und schreien, wenn einmal nicht alles in Ordnung scheint. Anstelle uns zu lehren, diese natürlichen Fähigkeiten zu würdigen, werden wir im Laufe unseres Lebens fast täglich kritisiert und dazu angehalten, uns selbst zu kontrollieren und Teile von uns zu verleugnen.

Unser Fühlen, Denken und Verhalten wird bewertet und man macht uns weiß, vieles davon sei falsch. So lernen wir beispielsweise schon sehr früh, uns für vieles, was uns tief im Inneren ausmacht, zu schämen oder schuldig zu fühlen. Und weil wir es nicht besser wissen, bewerten wir andere nach genau den gleichen Kriterien. Wir lernen zu beurteilen, anstelle zu respektieren und anzuerkennen. Auf diese Weise fügen wir uns gegenseitig Scham- und Schuldgefühle zu. Nach meiner Auffassung gibt es keinen natürlichen Maßstab, mit dem man messen könnte, was richtig oder falsch ist.

Es gibt nur Tausende, ja Millionen unterschiedliche, von Menschen geschaffene, Maßstäbe darüber, was richtig oder falsch sein soll. Und alle glauben, der eigene Maßstab mit dem man selbst die Welt bemisst und bewertet, sei der einzig wahre und richtige. Auf diesem Irrtum basieren beinahe alle Streitigkeiten dieser Welt. Anstelle unseren ureigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu vertrauen und das auch jedem anderen zuzugestehen, vertrauen wir oft – ohne es für uns selbst zu überprüfen – auf das, was uns andere beigebracht haben und verurteilen alle, die anders denken und fühlen.

Auch wenn wir heute schon viel toleranter und offener gegenüber Andersdenkenden und –fühlenden sind als beispielsweise noch vor 20, 50 oder 100 Jahren, gibt es noch immer viel Unverständnis und Ungerechtigkeit auf dieser Welt und auch in unserem direkten, alltäglichen Umfeld.

Das ist so, weil viele immer noch glauben, andere müssten genauso fühlen, denken und handeln wie sie selbst. Sie legen an andere den eigenen Maßstab an. Dort, wo Maßstäbe angelegt bzw. Urteile ausgesprochen werden, wird Betroffenen das Recht abgesprochen, so sein zu dürfen, wie sie nun einmal sind. Das alles sind Ungerechtigkeiten, die wir oft gar nicht als solche verstehen, denn wir alle halten uns für gut und rechtschaffend. Es sind Ungerechtigkeiten, die wir erst erkennen, wenn wir uns und allen anderen gestatten, zu unseren natürlichen Gefühlen und Bedürfnissen zu stehen.

Wenn wir anerkennen, dass alle anderen – genauso, wie wir selbst – das Recht haben, so sein zu dürfen, wie sie nun einmal sind, hören wir auf, zu bewerten. Ja, wir hören auf, zu verurteilen, denn wir haben verstanden, dass alle anderen genau das gleiche tun möchten, wie wir selbst, nämlich gemäß der eigenen Möglichkeiten und Wahrheiten zu leben. Wenn wir alles und jeden für gleichberechtigt und gleichwertig anerkennen, schaffen wir die Basis, mit allem und jedem, achtsam und respektvoll umgehen zu können. Unser Verständnis für uns selbst und für die anderen, weitet sich.

Wir begreifen, nichts bzw. niemand ist höher oder niedriger zu schätzen, als wir selbst. Alles und jeder hat seine Bedeutung und Berechtigung. Psychisch gestörte Menschen, die sich selbst und/oder ihren Mitmenschen die abscheulichsten Dinge antun, wie z.B. körperliche und seelische Gewalt jeglicher Art, sind das Produkt unserer Gesellschaft. Ständige Demütigung und Maßregelung machten aus ihnen das, was sie heute sind. Zu viele Scham- und Schuldzuweisungen machten ihre Psyche kaputt.

Wenn wir alle – wirklich alle – aufhören zu bewerten und zu verurteilen, und wir stattdessen lernen, zu respektieren und anzuerkennen,  hören wir auf, Individuen zu produzieren, die wiederum nicht anders können, als anderen Schaden zuzufügen.

 

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